Die Idee

Wie kommt man auf die Idee, den afrikanischen Kontinent zu durchqueren? Und dann auch noch mit dem Fahrrad? So lautet eine der häufiger gestellten Fragen.

Um das zu beantworten muss ich etwas zurück gehen.

Schon als kleines Kind habe ich gerne Naturdokumentationen angeschaut und mich besonders für die afrikanische Tierwelt interessiert. So richtig hat mich das „Afrika-Fieber“ dann 2001 gepackt, als ich mit meiner Familie (vielleicht war es auch andersrum) das erste mal nach Südafrika und Namibia gefahren bin. Nach diesen 4 Wochen hat mich dieser Kontinent nicht mehr losgelassen und ich wollte beim nächsten Namibiaurlaub vier Jahre später, aktiv mit planen. Da war ich gerade mal 10 Jahre alt.

Im Donautal auf der Alb gibt es eine Land-Rover / Geländewagen-Autohaus. Wenn wir in der Gegend zum Klettern waren, dachte ich mir, irgend wann kaufe ich mir so ein Auto und fahre durch Afrika. Mit 7 Jahren konnte ich noch nicht mal richtig schreiben aber ich wusste schon, dass ich irgend wann mal diesen Kontinent durchqueren will.

Obwohl meine Erwartungen nach dem ersten Urlaub ziemlich hoch waren, wurden sie trotzdem deutlich übertroffen und es waren wieder gigantische 5 Wochen als ich 2005 das zweite mal in Namibia war. Das Fieber breitete sich also immer weiter aus und ich überlegte, ob es nicht möglich ist, auch mal alleine nach Namibia zu gehen (mit 13). Ich war noch nicht so lange auf der Realschule und schulisch war es nicht immer wirklich einfach aber schon zu dieser Zeit wusste ich, dass ich nach der Schule ins Ausland gehen und reisen wollte. Afrika war da eher kein Thema, da ich keine Ahnung hatte, wie ich dort reisen soll. Ich dachte eher an “work and travel” in Neuseeland oder Australien.

Ich sah aber immer wieder Dokumentationen von Leuten, die irgendwie durch Afrika gereist waren und besonders ist mir die Reise von Ewan McGregor und Charley Boorman im Gedächtnis. Sie reisten von Nordschottland bis nach Kapstadt, mit dem Motorrad. Als ich das sah, dachte ich mir, sowas will ich auch machen.

Irgend wann kam ich durch Zufall an einen Bericht der beschrieb, wie jemand mit dem Fahrrad durch Afrika gefahren war. Das blieb aber eher als nicht realisierbares Abenteuer im Kopf.

2012 war ich dann für zwei Monate in Namibia, nach meinem Realschulabschluss. Das Fieber wurde immer schwerwiegender und trotz sehr hoher Erwartungen wurden diese Wochen der absolute Hammer.

Als ich 2013 für 4 Wochen in Spanien bei einer Sprachschule war, stieß ich auf eine Internetseite von zwei Deutschen, die mit Anfang 20 von Kapstadt nach Kairo gefahren waren. 2 Jahre vor meiner schon sicher geplanten Auszeit, ließ mich diese Idee jetzt einfach nicht mehr los. Ich recherchierte und las Artikel um Artikel. Als ich aus Spanien zurück kam, war für mich eigentlich schon klar, dass ich diese Tour machen werde.

Wenn man es genau betrachtet, waren die beiden Sprachreisen die ich bis jetzt nach England und Spanien gemacht habe, neben den Namibiaurlauben, die wichtigsten Wendepunkte für diese Tour. Auf meiner englisch Sprachreise bin ich auf die Reise von Ewan McGregor und Charley Boorman gestoßen.

Jetzt ist es aber so, dass Eltern so eine Idee nicht immer nur ganz toll finden müssen. Es geht weniger um die Idee an sich, als um die Angst die dabei mitschwingt das mir etwas passieren könnte. Glücklicherweise wurde es mit großen Fassung und viel Verständnis aufgenommen, als ich von dem Plan erzählte.

Als das klar war, habe ich immer mehr geplant, vorbereitet und versucht erst Geld zu sparen und dann Geld zu verdienen. Nebenbei habe ich Abitur gemacht und Verwandten und Freunde mitgeteilt was ich machen werde.

Ein Punkt den man nicht unterschätzen darf, es ist nicht wichtig, was andere Menschen von so einer Idee halten, es ist aber um so wichtiger was die engsten Verwandten und Freunde davon halten. Ich hatte das Glück, fast immer nur (im Grunde) positives Feedback zu bekommen. Es gab zwar immer Sicherheitsbedenken aber damit kann man umgehen.

Einen Reisepartner hatte ich fast gefunden, am Ende haben wir uns aber verpasst. Was mich aber nicht beeinträchtig hat, da ich diese Tour nie von jemand anderem abhängig gemacht habe.

Die Vorbereitung lief wirklich glatt. Die Abiturprüfungen gingen halbwegs gut über die Bühne und bei dem Autohersteller, Daimler konnte ich über den Sommer ordentlich Geld für die Reisekasse verdienen. Ich hatte natürlich ein paar stressige Tage aber das ist immer so, egal ob man Prüfungen, eine große Reise oder etwas ähnlich Großes vor sich hat. Am Ende ist es immer stressig, weil man nie weiß, ob man jetzt alles Wichtige hat oder nicht. Nach zwei wirklich schönen Abschiedsfeiern und meinem Geburtstag ging es dann los.

Jetzt bin ich mitten in meiner Reise / Lebenstraum und ich kann sagen, dass die Entscheidung diese Tour auch wirklich durch zu ziehen (neben der nach England auf die Sprachschule zugehen) eine meiner beiden Besten überhaupt war.

LUK_8169