Tag 1

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Es ist schon merkwürdig, wenn man für Jahre auf etwas hinarbeitet und plötzlich steht das Ereignis vor der Tür. Ich habe diesen Punkt heute erreicht und damit den Beginn meiner Reise durch Afrika.

Die letzten Tage und Wochen waren stressig. Ich musste viel und lange im Internet recherchieren, Ausrüstung kaufen, Papierkram erledigen und vor allem durfte ich nichts auch nur halbwegs wichtiges vergessen! Leichter gesagt als getan, denn wer weiß, was ich wirklich alles brauche? Dazu kam, wie üblich bei mir, dass ich erst so richtig intensiv mit der Vorbereitung begann, als ich den Zeitdruck spürte. Trotzdem, die letzten drei Wochen habe ich mich jeden Tag intensiv mit der Reise beschäftigt, die ich jetzt begonnen habe.

Mittwoch der 4. November war mein letzter ganzer Tag in Nufringen. Ich musste letzte Impfungen und Besorgungen machen, um dann am Nachmittag in meinem Zimmer zu stehen, mit mehreren Kisten Material, das potenziell für die Reise in Frage kam. Jetzt haben mir genau zwei Dinge geholfen: Eine genaue Liste mit dem was ich alles brauche und nach der ich alles gepackt habe und mein Freund Florian, der mir beim Packen, sortieren, Fahrrad flugfertig machen und am Ende alles ins Auto laden, geholfen hat. Bemerkenswert ist hierbei auch, dass wir danach gleich Frühstücken gehen konnten.

Der schon angebrochene Donnerstag war der Tag des Aufbruchs. Da mein Flieger von München nach Kairo ging, konnte ich meine Verwandtschaft in München noch einmal besuchen und allen auf Wiedersehen sagen. Es waren merkwürdige Tage, da ich kurz davor stand, die mit Abstand größte Reise meines bisherigen Lebens zu beginnen und ich andererseits fast nichts mehr zum Vorbereiten hatte. Ich musste mich voll und ganz darauf verlassen, dass der über Monate verbesserte Plan auch alles beinhaltet was ich brauche, den im Kopf durchgehen und noch ein zwei Dinge mehr mitnehmen, geht hier nicht mehr. Es war trotzdem noch eine schöne Zeit, obwohl ich mit den Gedanken manchmal schon in Afrika war.

Sonntag der 8. November, oder Beginn meines Traums. Nach einem entspannten Frühstück bei meiner Tante und meinem Onkel, fuhren wir zum Flughafen München. Jetzt musste schon in Stunden bis zum Abflug gerechnet werden. Das Verpacken des Fahrrades hatte schnell und problemlos geklappt. Kurz darauf war es auch neben meinem zweiten Gepäckstück, mit der ganzen Ausrüstung, aufgegeben. Verabschiedungen fallen selten leicht, hier besonders da klar war, für wie lange diese gelten soll. Irgendwann musste ich dann aber doch durch die Personenkontrollen und war ab dann auf mich alleine gestellt. Zwei Handgepäckstücke, die zusammen ca. 13kg wiegen, durfte ich zwar nicht mitnehmen, nur kontrolliert hat es auch keiner. Dadurch konnte ich problemlos mit Überhandgepäck ins Flugzeug einsteigen. Ca. 14:20 Uhr (ganz genau weiß ich es nicht mehr), kam der Moment, wo der Flieger vom Boden abhebte und man genau weiß, jetzt beginnt es also. Der Flug war an sich so unspektakulär, wie er eben nur sein kann, wenn man fast die ganze Zeit über einer kompakten Wolkendecke fliegt. Immerhin war der Sonnenuntergang beeindruckend, auch wenn ich auf der falschen Seite saß. Betonen muss man auch, was für eine enorme, gigantische und einfach unfassbar riesige Stadt Kairo ist. Wir sind bestimmt die letzten 30 min (irgendwie der gesamte Landeanflug) über Kairo geflogen. Ok, wir haben einen Bogen über Kairo gemacht, trotzdem, einfach nur wahnsinnig!

Jetzt also hoffen, dass ich es mit all meinen Sachen bis ins Hostel schaffe. Das Visum ist schnell gezahlt und der Einreisestempel ist wenig später auch im Reisepass. Jetzt kommt das Gepäck, hoffentlich zwei Gepäckstücke und beide unversehrt. Bei einer einfachen Tasche mag das üblich sein, bei Fahrrädern habe ich da aber auch schon viele andere Geschichten gehört. Ich komme zum Band und da steht schon ein Wagen mit meinem Fahrrad im riesigen Kanton. Der Sack mit der Ausrüstung ist auch schon da, also kann es gleich weiter gehen. Doch bevor es das tut, will der ägyptische Zoll noch einmal meine Sachen kontrollieren. Fahrrad aus dem Karton geholt, alles gut. Sonstiges Gepäck geprüft, passt auch alles. Jetzt versuche ich, den sehr schlecht englisch sprechenden Zöllnern klar zu machen, dass sie das Fahrrad nicht wieder in den Karton einpacken müssen. Das geht aber schief und kurze Zeit später stehe ich wieder mit dem Fahrrad im Karton da. Schon klar, jetzt wollen sie Geld dafür, dass sie mir alles wieder eingepackt haben. Ich, keine Lust auf schlecht gelaunte Zöllner, gebe ihnen meinen einzigen kleinen ägyptischen Pfundschein (10 Pfund = 1,20€) und laufe in den öffentlichen Teil des Flughafengeländes. Jetzt passiert das was jedem Tourist, der sich nicht ganz sicher ist wo er hin muss, passiert. Er wird von mehreren Taxifahrern umringt, die alle das Gepäck nehmen wollen und einen unverschämt hohen Preis anbieten, als ob es der Beste von allen wäre. Ich schaffe es aber mein Gepäck bei mir zu behalten und handel die Taxifahrt wenigstens auf 100 Pfund runter. Mehr will ich dann auch nicht handeln, da ich ein Fahrrad habe (welches erst mal in ein Auto passen muss) und keine Lust habe, wegen 1 oder 2 Euro, meine Fahrt aufs Spiel zu setzen. Bei den 20 km Fahrt in die Innenstadt (der Flughafen liegt auch schon in Kairo) bekomme ich zum ersten Mal ägyptische Verkehrsverhältnisse mit. Es ist der Wahnsinn – eine Fahrbahn, bei der in Deutschland Platz für zwei Autos nebeneinander wäre, reicht hier für 4 Autos und Überholmanöver auf beiden Seiten noch dazu. Der Abstand zum nächsten Auto, rechts oder links, beträgt so viel, dass die Spiegel sich gerade so nicht berühren. Nach vorne und hinten sind es 1 oder 2 Meter, zumindest so lange man unter 60 km/h fährt. 110 km/h innerorts auf einer eigentlich vollen Straße ist aber eben auch dann drin, wenn man mal ein paar hundert Meter freie Bahn hat. Nach etwas längerer Suche komme ich dann sogar am Hostel an und checke ohne Probleme ein.

Nachdem ich kurz zuhause Bescheid gegeben habe, dass ich gut angekommen bin, gehe ich noch einmal los um mir die Stadt anzuschauen oder wenigstens ein paar Straßenzüge, denn es ist schon 22 Uhr. Nach ein paar hundert Metern spricht mich ein Mann an und fragt, was ich mache. Ich antworte kühl und achte, wo ich mein Geldbeutel und Handy habe. Es stellt sich dann aber heraus, dass ich auf einen netten Zeitgenossen gestoßen bin, der mich erstmal zum Tee trinken einlädt und mir dann noch beim Bäcker ein bisschen Gebäck besorgt, natürlich zum ägyptischen Preis. Alles in allem ein wirklich gelungener erster Tag, an dem ich nicht beklaut oder völlig übers Ohr gezogen wurde. Die nächsten Tage können kommen und ich kann es jetzt nicht mehr erwarten endlich aufs Fahrrad zu steigen!

Vielen Dank an alle die mir geholfen haben hierherzukommen. Natürlich gilt das besonders für meine Eltern, aber auch für alle anderen, die mir in den letzten Jahren irgendwie geholfen haben.

Gruß aus dem immer lebendigen Kairo,
Lukas

P.S.: Die Rechtschreibung mag ja nicht perfekt sein, aber es ist jetzt auch halb 3 Nachts und damit müsst ihr halt leben :).