Nordkenia bis Nairobi

Erst ist niemand da. Ich suche nach dem richtigen Büro und dann den dazu gehörigen Officer. Nach 20 Minuten habe ich das geschafft – nur es gibt keinen Strom. Powercut! Man gewöhnt sich in Afrika wieder daran, dass es halt grade mal keinen Strom gibt. Wie lange dauert das normalerweise? „Don’t know“, antwortet mir der Beamte. Ich setze mich also in den Schatten und warte. Nach 1 Stunde gibt es dann aber wieder Power und ich werde innerhalb weniger Minuten ausgestempelt. Jetzt kommt Kenia. Ich fahre die paar Meter zum Immigration Office. Ein Sicherheitsbeamter sitzt da mit seiner AK-47 und sagt mir, in sehr gutem Englisch, dass gerade niemand da ist, die sind alle beim Mittagessen. Ich staune etwas, sowas bin ich aus den letzten beiden Ländern nicht gewöhnt. Ein einfacher Sicherheitsbeamter spricht richtig gut Englisch. Nur muss ich jetzt wieder warten. Nach zwei Stunden (ist eine ganz schön ordentliche Mittagspause) kommt dann der Immigration Officer und nach weiteren 10 Minuten bin ich offiziell in Kenia. Land Nummer 4 und das erste in Ostafrika.Ich will die nächsten 500 km mit dem Bus fahren. Erstens, ist die Gegend nicht ganz sicher und besonders vor ein paar Jahren gab es immer wieder Überfälle und Zwischenfälle, weil sich in der Gegend Al-Shabab-Mitglieder aus Somalia rumtreiben. Zweitens, sind es 500 km, wo fast nichts außer Wüste ist. Es gibt eine richtige Stadt genau in der Mitte und noch ein paar weitere kleine Polizei/Militär-Stationen. Das heißt, es wird schon mit dem Wasser problematisch und der Wind weht auch in die falsche Richtung. Bevor ich den Bus nehme, muss ich aber noch zum ATM (Bankautomaten) und Geld abheben. Ich werde natürlich von vielen Menschen umringt, die mir den besten Wechselkurs anbieten, den es je gab (habe aber nichts was ich wechseln will) und mir, ohne dass ich was gesagt hätte, helfen wollen ein Busticket zu kaufen. Ich weise alle ab und kaufe mir ein Ticket, ohne Hilfe und ohne Probleme. Das ist das erste mal, dass ich bei einer Busfahrt nicht verhandeln muss, sondern gleich den richtigen Preis bekomme. Das weiß ich, weil ich mich vorher bei verschiedenen Personen erkundigt habe. Mein Fahrrad wird schon auf den Bus gepackt und mein Gepäck in einen großen Sack gesteckt. Dann kommt das, was immer kommen muss. Ich soll für die Dienste zahlen. Ich habe aber nur 1000 (Kenianische Schilling) Scheine (ca.9€). Der Bus fährt aber gleich los und ich weiß, dass ich das Rückgeld nicht bekommen würde. Ein angemessener Preis wären 100 Schilling. Ich behaupte einfach, dass ich kein Geld mehr habe, da ich erst einmal 2000 vom ATM abgehoben habe. Ein Weißer hat aber immer Geld und so wird mir das nicht wirklich abgenommen. Dann fährt der Bus langsam los und ich wühle mich durch die Menschen und springe auf. Wenn ich nicht gefragt werde, ob man etwas für mich machen soll und dann Geld verlangt und das auch nur bei Weißen macht, kann ich das nicht ausstehen. Deswegen macht es mir nichts aus, dass ich den „Helfern“ nichts gezahlt habe. Diese Arbeit kann ich nämlich auch alleine machen. Das System, das diese Menschen anwenden funktioniert trotzdem oft genug. Die meisten Reisenden und Touristen würden nämlich etwas zahlen und meistens zuviel.

Ich mag Busfahrten in Afrika nicht (Ägypten war eine Ausnahme). Es ist heiß und zu voll. Wenigstens haben die Chinesen hier eine schöne neue Straße gebaut. Noch vor 6 Jahren waren die 500 km eine Scheiß-Straße für die man zwei ganze Tage gebraucht hat. Busse gab es damals auch noch keine. Die Landschaft zieht an mir vorbei und ich sehe die ersten Strauße und Impalas. Es ist eine Geröllwüste und man sieht immer wieder Hirten mit ein paar Kühen oder Ziegen. Was die hier essen, bleibt mir allerdings schleierhaft.

Wüste

Wüste

Es wird dunkel und ich bin müde. Schlafen kann ich in dem ruckelnden und viel zu heißen Bus aber nicht. Nach über 10 Stunden Fahrt kommen wir in Isiolo, nachts um halb 2 an. Ich bin platt und finde gleich eine günstige Unterkunft. Danach gehe ich noch kurz ne Runde essen und falle dann um halb 3 tot ins Bett.

Am nächsten Morgen hebe ich mehr Geld ab und setze mich etwas vor ein Hotel, weil ich so freies Wifi bekomme. Ich höre, dass man den Mt Kenia schon von der Stadt aus sehen kann und kann es kaum erwarten loszufahren, um diesen Berg zu sehen. Ich fahre an diesem Tag nur 40 km aus der Stadt in ein kleines Dorf wo ich eine nette Unterkunft finde. Auf dem Weg taucht er dann auf. Noch weit weg und trotzdem beeindruckend. Der erste 5000er, den ich sehe und der zweithöchste Berg in ganz Afrika.

 

Richtung Mt. Kenia

Richtung Mt. Kenia

Mt. Kenia am Morgen

Mt. Kenia am Morgen

Man hat immer wieder Glück und man bekommt ein schönes Zimmer und nette Gastgeber in einer schönen Gegend zu einem günstigen Preis. Hier ist das der Fall und hätte ich nicht das Ziel, bald in Nairobi einzufahren, würde ich hier vielleicht sogar zwei Nächte bleiben.

Am nächsten Tag geht es anfangs die ganze Zeit bergauf und immer in Richtung Mt Kenia. Ich muss schon ganz schön kämpfen und ich fahre sicher deutlich über 1000 Höhenmeter auf über 2000 bis 2500 Meter. Es sieht fast wie in Europa aus, Polen zum Beispiel. Es wird mit Mähdreschern gearbeitet, die ersten, die ich auf dieser Tour sehe. Es fliegen tausende Störche durch die Luft und noch viele weitere sitzen am Boden und suchen nach dem nächsten Snack.

Überall Störche

Überall Störche

Die Pause mache ich am höchsten Punkt und so geht es wieder leicht bergab nach Nanyuki. Der Äquator ist jetzt nicht mehr weit und nachdem ich einen Platz zum Schlafen gefunden habe, suche ich einen Barbier. Ich denke mir, der Bart, den ich die letzten 2 Monate habe wachsen lassen, muss weg. Die Haare will ich auch gleich mal schneiden lassen. Ich will ja halbwegs ordentlich aussehen, wenn ich das obligatorische Bild von mir und dem Äquator (Schild) mache. Für nicht mal 2 Euro kommen erst die Haare dran und dann der Bart. Was für ein angenehmes Gefühl.

Am nächsten Tag geht es raus aus der Stadt und nach gerade mal 500 m sehe ich das Ende der nördlichen Hemisphäre. Ich halte und irgendwie ist es merkwürdig, oder eben wie jedes Mal. Diese Schilder stehen irgendwo und zeigen etwas Besonderes an. Nördlicher und südlicher Wendekreis, Wasserscheiden oder eben der Äquator. Sehen tut man aber gar nichts, und trotzdem weiß man, dass man eine wichtige Linie übertritt. Ich mache also das übliche Foto, rede mit ein paar Souvenir-Verkäuferinnen und fahre dann weiter.

Der Äquator

Der Äquator

Es bilden sich richtige Wolken und etwas später bin ich tatsächlich zum ersten Mal im Regen. Ich hatte zwar schon zwei, drei mal „Regen“ auf dieser Tour gehabt, aber das war immer nur für max. 2 Minuten und ich war auch immer in einem Hotel oder Restaurant. Jetzt habe ich also nach weit über 100 Tagen das erste Mal wieder richtigen Regen und muss mir einen Platz zum Warten suchen. Es regnet so stark, dass ich fast nichts sehe und ich keine Lust habe überfahren zu werden, weil es den Autofahrern genauso geht (angepasste Geschwindigkeit gibt es nicht). Kalt wird es auch und so ist das kleine Restaurant, das ich finde, klasse. Ich esse, trinke heißen Tee und warte bis alles vorbei ist.

Wolken und Regen

Wolken und Regen

Dass es hier regnet, liegt am Mt Kenia. Die Luft kommt vom Indischen Ozean und steigt hier ordentlich hoch. Dann kühlt die Luft ab und kann so weniger Wasser halten. Bedeutet: Regen.

Die nächsten Tage fahre ich bis Nairobi. Am Ende sogar auf einer dreispurigen Autobahn. Ich glaube, dass hier Fahrrad fahren nicht mehr erlaubt ist, Regeln haben in Afrika aber eh nichts zu bedeuten.

Nairobi

Nairobi

Ich fahre zufälligerweise an einem Sonntag in die Stadt, das hat den großen Vorteil, dass deutlich weniger auf den Straßen los ist. Ich bin zwar nicht so ganz von einem Stau betroffen, aber da ist es trotzdem angenehmer. In Nairobi ist Wochentags nämlich ein Megastau. (Stuttgart, London usw. sind angenehm dagegen). Ich gehe zur Jungle Junction, ein Overlander-Platz und Campingplatz, den fast alle Afrikareisenden kennen. Das hat auch seine Gründe, die dann im nächsten Bericht genannt werden.

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