Addis bis zur Grenze zwischen Äthiopien und Kenia

Von Addis Abeba habe ich also nicht ganz so viel, aber das war nicht so schlimm, da es mich eh wieder aufs Fahrrad zieht. Die Stadt ist zwar interessant mit dem ganzen Leben, aber irgendwie sind die Unterschiede zwischen den Städten nicht so groß. Gut, hier gibt es schon besonders viele Prostituierte, die auf dem Gehweg stehen und auf Kunden warten und viele dunkle Gassen, in denen noch richtig Leben ist (bloß kein Strom). Ich will aber das eigentliche Äthiopien sehen, in diesem Fall den Süden.Ich werde noch von zwei Israelis zum Essen eingeladen, welches sie selber gekocht haben. Nach einem sehr leckeren und netten Mittagessen fahre ich zur kenianischen Botschaft. Ich muss zwar eine Stunde warten, bis der nette Herr im Anzug mir den Reisepass inklusive Visum für Kenia gibt, aber dann kann ich nach 4:00 Uhr noch los und raus aus dieser „Hauptstadt“ Afrikas.

In dem Verkehr dieser großen Stadt komme ich zwar deutlich schneller als die Autos voran, es dauert aber immer noch über 1 1/2 Stunden, bis ich aus der eigentlichen Stadt raus bin. Am Abend geht das übliche Spiel wieder los. Ich schaue und frage mich zu einer Unterkunft durch, muss aber immer aufpassen, dass mir nicht zuviel „geholfen“ wird, da sonst wieder nach Geld gefragt wird. An diesem Abend dauert es besonders lange und die Sonne ist schon längst untergegangen, aber am Ende habe ich ein Bett und gutes Essen.

China ist überall in Afrika

China ist überall in Afrika

Überfahrene Tiere sieht man immer wieder

Überfahrene Tiere sieht man immer wieder

Die nächsten Tage fahre ich nur wenige Kilometer pro Tag, irgendwie habe ich keine Lust das Fahrrad zu bewegen. Ich schaffe es bis zum See Langano und mache dort einen guten Tag Pause. Der See an sich ist schon klasse, da kein Bilharzia, sehr flach und von Bergen auf der anderen Seite umsäumt. Der Strand ist aber noch besser: Palmen, Sand und mein Zelt gleich am Wasser. Als dann noch eine Overlanderfamilie mit ihrem Truck kommt, wird es so richtig gut, eigentlich ist es nämlich langweilig allein nichts zu tun. Die französische Familie ist seit 3 Jahren in Südamerika und Afrika unterwegs mit Kindern im Alter von 8 und 10 Jahren. Wir essen selbst gebackenes Brot und frisch gefangenen Fisch, der über dem Feuer gegrillt wurde. Es ist einfach klasse andere Leute zu treffen, die etwas Ähnliches machen wie ich, weil man dann Informationen austauschen kann und so viele Geschichten zu erzählen hat. Wenn man mit Leuten spricht, die so eine Reise noch nicht gemacht haben, dann bleibt man immer an der Oberfläche und spricht von Ländern oder vom ganzen Kontinent. Mit anderen Langzeitreisenden spricht man dann über diesen und jenen Platz, über die Straßenverhältnisse oder über andere Reisende, die man unabhängig von einander getroffen hat. Das Ganze am Feuer unterm Mond führt zu langen Abenden.

Am See Langano

Am See Langano

Nach über 1 1/2 Tagen verlasse ich das Camp schon wieder, weil ich nichts zu essen habe und ich eh weiter will.

Ich fahre die nächsten zwei Tage bis Awassa. Eine nette kleine Stadt an einem weiteren See. Kurz nach Awassa wird die Straße aber schlecht. „Under construction“ heißt hier aber, dass man die ganze Zeit auf schlechtem Gravel (Steine/Sand/Staub) fährt und man nichts sieht, weil so „viele“ Lastwagen und Busse fahren und deswegen die ganze Zeit eine Staubschicht über der Straße liegt. Atmen kann man auch nicht richtig und heiß ist es sowieso. Mir ist das zu blöd und ich halte Busse an, bis ich den richtigen gefunden habe, der in meine Richtung geht. Am folgenden Tag nehme ich nochmal den Bus und überbrücke so 180 km, was aber nicht heißt, dass ich angenehm reise. Der Bus, ähnlich wie ein VW-Bus, wird vollgepackt mit Leuten (16-20) und heiß ist es in dem Bus auch. In einer Stunde bringen wir durchschnittlich 25km hinter uns (mit den kurzen Stopps). So bin ich mindestens genauso froh aus dem Bus auszusteigen, wie nach einem Fahrtag vom Fahrrad.

Fast schon Regenwald

Fast schon Regenwald

Jetzt kommen die letzten 300 km in Äthiopien mit jeweils einer etwas größeren Stadt nach 100 km, das heißt jeden Tag 100 km. Ich fahre los und am Anfang durch einen Wald, der fast schon Regenwald ist. Die Landschaft öffnet sich dann nach den ersten 30-40 km und wird immer trockener. Es macht richtig Spaß Fahrrad zu fahren, denn die Straße ist gut und obwohl ich auf der Hauptverkehrsroute zwischen Nord- und Zentral-Ostafrika bin, sehe ich nur alle 15 Minuten mal einen Lkw oder ein Auto. Die Landschaft erinnert immer mehr an Namibia und am Abend komme ich nach 100 km am Tagesziel an. Guesthouse suchen, duschen und etwas essen. Um 9 schlafe ich bereits, um am nächsten Tag wieder früh aufzustehen. 6 Uhr und ich bin wach! Ohne Wecker stehe ich trotzdem früher auf, als wenn ich in die Schule gehen müsste. Man gewöhnt sich eben daran den Tag im Rhythmus der Sonne zu leben. Die Uhrzeit spielt für mich fast keine Rolle, es ist bloß diese Gewohnheit am Morgen erstmal auf die Uhr zu schauen. Sonst sehe ich die Sonne und weiß, wie lange der Tag noch geht, mehr brauche ich nicht.

Ich fahre los und habe wieder viel Spaß. Die Gegend wird immer abgelegener und trockener. Ich sehe immer wieder interessante Vögel wie Racken, Greife aber auch Mangusten (Säugetiere). Ich sehe etwas im Augenwickel und halte gleich an. Tatsächlich, die ersten großen Antilopen: Gerenuks, Giraffengazellen, eine sehr elegante Art, die mit dem langen Hals und auf zwei Beinen stehend, Blätter hoch oben erreichen kann. Höher kommen nur Elefanten und Giraffen. Klasse, endlich geht das „Tierafrika“ los. Ich sehe diese schönen Tiere noch zwei weitere Male und freue mich schon auf die ersten Giraffen und Zebras.

Die ersten großen Wildtiere. Giraffengazellen

Die ersten großen Wildtiere. Giraffengazellen

So hoch kommt sein keiner

So hoch kommt sein keiner

Meinen ersten Gaukler (Greifvogel) auf dieser Tour sehe ich am nächsten Tag. Kurz darauf mache ich eine Pause in einem sehr kleinen Dorf. Es gibt einen Laden, wo ich etwas zu essen und zu trinken bekomme. Jemand erzählt mir von einem Platz, wo die Viehtränke ist, nur unweit von hier. Ich denke mir, dass Vieh Wasser bekommt, dürfte wohl nicht so selten hier sein, aber ich weiß auch, dass es in Äthiopien und ein paar weiteren Ländern besondere Brunnen gibt. Ich werde also hellhörig. Ich rechne zwar nicht damit, diese Art der Brunnen an einer großen Straße zu finden, aber wer weiß. Ich versuche rauszufinden wo diese Stelle ist und warum sie besonders sein könnte. Das dauert, weil es immer wieder von vorne beginnt. Irgendwann fahre ich los. Ca. 1 km nach diesem Dorf soll das Ganze sein. Ich sehe Kühe und gehe einfach mal schauen. Dann kommt gleich einer und will Geld dafür, dass ich mir einen Brunnen anschauen darf. Ich sage, dass ich kein Geld mehr habe, weil ich bald in Kenia bin und nur noch ein kleines bisschen Birr habe (ist tatsächlich so) und gehe wieder zurück. Mir wird hinterher gegangen und ich darf doch weiter. Ich gehe durch einen Graben und sehe dann diese Viehtränke/Brunnen. Wahnsinn, hier arbeiten 15 Männer und holen mit Eimern das Wasser aus einem kleinen Loch nach oben. Im Rhythmus wird gesungen, wie man das zum Beispiel in Hatari (dem Film) sehen kann. Man fühlt sich 200 oder 300 Jahre zurück in der Zeit versetzt. Es ist ein Knochenjob und die Männer sind alle ganz schön dürr, dafür dass sie so harter körperlicher Arbeit nachgehen. Ich hatte ganz vergessen, dass es diese Art Brunnen in Äthiopien gibt und freue mich um so mehr, jetzt so einen gesehen zu haben. Gleichzeitig ist es bedrückend, wie die Leute hier schuften, um etwas Wasser aus dem Boden zu holen.

Ein kühles Loch

Ein kühles Loch

Die zweite Ebene

Die zweite Ebene

Ich fahre weiter und sehe kurz darauf einen interessanten Vogel. Ich weiß nicht, was das für ein Exemplar ist und er darf gerne bestimmt werden.

Vogel?

Vogel?

Ich habe Lust in Äthiopien noch mal wild zu campen. So halte ich 20 Km vor der Grenze zu Kenia und schlage mein Zelt im Busch auf. Ich koche und da ich diese halben Packungen nicht mag und Hunger habe, ist ein Topf kurze Zeit später voll mit 500g Spaghetti und einer leckeren Tomatensoße. Gerade als ich anfangen will zu essen, höre ich irgend was. Könnten Kühe sein, was nicht so toll wäre, da bei den Kühen immer ein Wächter mitläuft. Entdeckt werden will ich hier aber nicht. Es ist fast Vollmond und so schnappe ich mein Fernglas und schaue mich mal um. Schon wieder Giraffengazellen. Ich schleiche mich auf 15-20 Meter an und beobachte sie im Mondschein durch mein Fernglas. Sie ziehen dann aber weiter und ich kann endlich essen. Nachdem der Topf leer ist und alles wieder zusammen gepackt ist, lege ich mich in mein Zelt. Kurz bevor ich einschlafe höre ich Hyänen. Wenn man einmal Hyänen gehört hat, wird man diese Laute immer zuordnen können. Ich lausche und die Hyänen kommen immer näher. Riechen sie das Essen? Ich schätze, dass sie bis auf 20-40 Meter in meine Richtung kommen und dann höre ich sie nicht mehr. Irgendwann schlafe ich ein und am nächsten Morgen finde ich keine Hyänenspuren in der Nähe meines Zeltes. Ich packe zusammen und fahre zur Grenze.

Wildcampen

Wildcampen

Moyale heißt die Stadt auf beiden Seiten. Ich habe noch genug Geld um schön Injera essen zu gehen. Nach ein paar Tee, für den ich die allerletzten Birr ausgebe, gehe ich dann zur Grenze. Nach fast genau 10 Wochen kommt wieder ein neues Land – den Bericht dazu dann in den nächsten Tagen.

Dialetzten Km Äthiopien

Die letzten Km Äthiopien