Die große Pause

Von Gondar habe ich also nicht viel gesehen, ist aber auch nicht schlimm, da ich hier noch ein paar mal vorbei komme. Am Samstag hat neben meiner Mutter auch Mark, der englische Radfahrer, Geburtstag. Am Mittag treffen wir uns und er bekommt von seinem Hotel sogar einen Kuchen. Das ist auch das erste mal, dass ich etwas Hunger bekomme und mehr als nur ein paar Pommes, etwas Brot oder Spaghetti esse. Am Tag darauf werden wir von Mubratu abgeholt. Er nimmt uns mit zum Tim&Kim Village, dass heute von Kim und Ihm gemanaged wird. Über eine holprige Piste (Sandstraße) fahren wir 1 1/2 Stunden. Als wir ankommen wird sofort klar, dass ich hier länger bleibe. Am Ende wird es noch ein bisschen mehr, aber ich will nicht zu viel verraten. Die Lodge liegt auf 1800 Metern am See Tana, der größte See in Äthiopien. Ca. 500 Meter vom Dorf Gorgora ist es Idyllisch in die Landschaft eingebettet und lädt sofort dazu ein, die Welt da draußen zu vergessen. Ich kann campen und koche meist selber, was es dann sogar richtig günstig macht.

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Kim und Ihr Ex-Mann Tim kommen aus den Niederlanden und haben vor über 8 Jahren begonnen, die Lodge aufzubauen. Das führt dazu, dass es ein bisschen „europäische Struktur“ und Ordnung hat, was mir in diesem Moment sehr gut tut. Afrika kann nämlich unglaublich schön sein, aber eben manchmal auch sehr hart. Ein bisschen abstand dazu war genau das Richtige, um den Kopf wieder frei zu bekommen und sich neu auf die Menschen ein zulassen.

Neben Kim und Mubratu sind auch Nico und Fanna auf der Lodge. Beide kommen auch aus den Niederlanden und wollen Ihre eigene Lodge aufbauen. Um ein Einblick zu bekommen was das bedeutet, sind sie für insgesamt 4 Monate in Äthiopien.

Die Gegend ist klasse um Tiere zu sehen. Ich habe zwischen 30 und 40 für mich neue Arten gesehen. Die meistens davon Vögel und ein paar Säugetiere. Ich könnte jeden Tag Afrikanische Schreiseeadler beobachten, 2 Ibis-Arten, 4 Eisvogelarten, African Openbills (Klaffschnabel-Störche), Green Woodhoopoe, Greyish Eagle-Owl, Hammerkop, Long-crested Eagle, Pallid Harrier, Silvery-cheeked Hornbill, Woolly-necked Stork, Yellow-billed Stork usw.

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Neben einer tollen Fauna gibt es aber auch eine klasse Landschaft. Der See ist so groß das man sich manchmal eher wie am Meer fühlt. Es gibt überall kleinere und größere Hügel und super Stellen um das erste und das letzte Licht des Tages zu sehen.

Was diese Stelle für mich so besonders macht sind die Menschen. Nico, Fanna, Kim und Mubratu aber auch die ganzen Reisenden die vorbeikommen. Aus der ganzen Welt und teilweise selber auf großen Reisen. Die Gespräche sind klasse und so bekommt man neue Sichtweisen und das hilft einem bei vielen Dingen. Um etwas vorzugreifen, ich kann dadurch jetzt mit den Menschen hier besser umgehen, auch wenn die manchmal wirklich sehr anstrengend sind. So habe ich eine gute Zeit, wo Andere manchmal nur genervt sind (was wirklich sehr einfach sein kann).

Wenn man oft alleine reist weiß man das doppelt zu schätzen. Besonders mit Fanna und Nico aber auch mit Kim und Mubratu habe ich mich so angefreundet, dass man mal mehr als nur die üblichen Gespräche führen konnte. Oft sitzen wir bis 4 oder 5 Uhr am Morgen zusammen und reden. Was insofern anstrengend ist da ich um spätestens 9 Uhr wieder aufstehen muss, weil die Sonne dann das Zelt in eine Sauna verwandelt.

Vielen dank an an Fanna, Nico, Kim und Mubratu für die unglaublich tolle Zeit.

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Die Tage verfliegen und man fragt sich jeden Abend was man eigentlich gemacht hat. Ein typischer Tag sieht so aus: Ich stehe zwischen 6 und 9 Uhr auf, kaufe frisches Brot und frühstücke. Honig, Marmelade und Tee, fast wie Zuhause. Wegen der Tierbeobachtungen und teilweise stundenlanger Gespräche kann es dann aber auch schon mal 12 Uhr sein. Ich gehe oft für ein paar Stunden nach Tieren schauen, sortiere Bilder oder lese in Reiseführern. Manchmal mache ich aber auch nichts und schau einfach nur in die Landschaft. Am Abend gucke ich mir immer das schwindende Licht an und wie die Sonne schon früh hinter einem Hügel verschwindet. Danach koche ich oder gehe zur Lodge um dort zu essen. Den Abend verbringe ich dann immer mit den anderen. Wie schon geschrieben, sitzen wir teilweise bis 4 oder 5 Uhr zusammen (Ohne andere Touristen, die gehen irgend wie immer früher ins Bett). Fanna und Nico hatten dann aber noch eine Idee. Wir wollten Hyänen sehen, die hier in der Gegend verbreitet sind. Also heben wir Fleischreste auf, von den hier geschlachteten Schafen und lassen es schön in der Sonne verrotten. Das stinkt unglaublich und soll die Tiere anlocken. In der Nacht haben wir uns auf die Lauer gelegt. Wir waren am Wasser in einem Busch oder Baum. Der Baum ist besonders, da riesig und nicht einfach zu beklettern. Den Gedanken, wie ich da wieder runter komme, habe ich einfach mal verdrängt. Typisch afrikanisch eben, das Problem habe ich später, also mache ich mir jetzt keine Gedanken darum. Mit Hilfe schaffen es Fanna (etwas kleiner) und dann Nico auch auf den Baum. Wir saßen für 2 Stunden in dem Baum. Gesehen haben wir eine Whitetailed Mongose und sowas wie einen Buschbock (ähnlich Reh). Durch mein Fernglas konnte ich das aber nicht genau erkennen, so hell ist der Mond eben doch nicht.

Irgendwann ist es definitiv zu spät, um weiter zu machen. Wir alle müssen früh raus, um 7 Uhr (Fanna, Nico) oder ich um 9 Uhr. Es war ein schöner Abend, auch wenn wir keine Hyänen gesehen haben, was wohl eher ungewöhnlich war.

Ich war auch an Weihnachten und Silvester bei der Lodge. Jeweils ein besonderes Erlebnis, das so komplett anders als war, als das was ich aus Deutschland gewöhnt bin. Besonders in Erinnerung bleibt mir das hervorragende Essen. Die Hauptspeise an sich war schon immer extra lecker, aber der Nachtisch war einfach genial. Olebollen (hoffe das stimmt so halbwegs), ein frittierter Teig mit Rosinen, Äpfeln oder Ananas gefüllt. Man lernt so etwas echt zu schätzen, wenn es der erste richtige Nachtisch ist, den man seit vielen Wochen bekommt.

Zu den Säugetieren: ich sehe die ersten Paviane auf dieser Tour, Vervet Monkeys, Common Large-spotted Genet (eine Zibetkatze), 2-3 verschiedene Mangustenarten und eine Civet. Alles eindrückliche Erlebnisse.

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Diesen afrikanischen Schreiseeadler sehe ich von meinem Zeltplatz. Ich wollte natürlich näher hinlaufen was an dieser Stelle auch ganz gut geht. Ich sitze nach ein paar Minuten, nur ca. 12 Meter von diesem schönen Adler entfernt und warte. Er lässt sich nicht stören und ich weiß das er jeden Moment loslegen kann da er in diesem Baum sicher nicht über die Nacht bleibt. Ich habe meine Kamera richtig eingestellt und warte. Nach 15 Minuten fliegt er dann in Richtung nächsten Baum und ich schaffe es dieses Foto zu schießen. Darauf bin ich besonders stolz da ich die gleiche Situation ein paar Tage später noch mal hatte und da aber kein brauchbares Bild rausgekommen ist.

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Nach zwei Wochen wollte ich dann aber doch wieder los. Ich ließ mein Fahrrad diesmal bei der Lodge (da ich weiß das es dort sicher ist) und machte mich auf nach Gondar. Von drei Deutschen, die gerade durch Äthiopien reisen, werde ich mitgenommen. Von dort aus sollte es in die Simien-Berge gehen.

Das erzähle ich dann beim nächsten Mal.

2 Kommentare

  1. Hallo Lukas,

    schön, dass wir Dich an Bastians Geburtstag hören konnten und Anna-Lisa sogar ein paar Worte mit Dir wechseln konnte. Dein neuester Bericht ist wieder spannend und unterhaltsam und macht Lust auf die nächsten Berichte. Nachdem ich entdeckt habe, dass man die Bilder in Originalgröße anschauen kann finde ich manche davon noch eindrucksvoller. Unfassbar ist das Sternenhimmelfoto und sehr gut hat mir das Portrait im Sudan mit dem halben Gesicht im Schatten gefallen. Weiterhin alles Gute, tolle Erlebnisse und viel Glück wünscht Dir

    Dein Onkel K-P

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