Die Radreise beginnt

Wadi Halfa – Wüste (an der A1): 20 km

Wüste (an der A1) – Wüste (an der A1): 111 km

Wüste (an der A1) – Erau (an der A1): 86 km

Erau – Wüste (an der A1): 96 km

Wüste (an der A1) – Dongola: 105 km

Dongola 2 ganze Tage Pause

Dongola – Al Dabbah: 160 km

Al Dabbah – Cafeteria (Wüste):149 km

Cafeteria (Wüste) – Cafeteria (Wüste): 159 km

Cafeteria (Wüste) – Khartoum: 60 km

 

Ich war froh auf der Fähre zu sein. Es hat alles mit dem Visum geklappt und auf die Fähre zu kommen war erstaunlich gut machbar. Ich hatte einen zweiten Radfahrer in Assuan getroffen, ein Chinese, mit dem ich die ersten Tage zusammen fahren wollte. Wir hatten fast Vollmond als wir ablegten und so konnte man viel von der Umgebung erkennen. Die Landschaft glitt an uns vorbei und die Lichtglocke über Assuan verschwand im Nichts. Am Abend wurde ich von ein paar Sudanesen zum Full (Bohneneintopf mit Brot) eingeladen und einen Tee gab es auch dazu. Schlafen wollte ich auf Deck. Das tat ich auch, mehr oder weniger, denn es war ziemlich kalt und windig. Deswegen schaute ich mir schon ab 4 Uhr die Landschaft und dann denn Sonnenaufgang an. Es ist eine bizarre Gegend, eigentlich nur Wüste und mittendrin der größte künstliche See der Welt. Nachdem die Sonne schon ein paar Stunden wärmend auf mich strahlte, kam Abu Simbel in Sicht. Ein weitere Sehenswürdigkeit Ägyptens weswegen Menschen aus alles Welt hier her kommen. Ich hatte aber nur noch die beginnende Radreise im Kopf.

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Um 14:00 Uhr „legten“ wir dann an, wobei dieser Vorgang nicht mit dem Anlegen in Europa vergleichbar ist. Der Hafen ist irgend wie ein Steg der im Wasser versinkt, viele Menschen machen irgend was, nur nicht produktiv und man fragt sich ein bisschen wie es geschafft wird die Fähre fest zu machen.

Wir bekamen ein Reisepermit und nachdem unser Gepäck gecheckt wurde, durften wir um 3:00 Uhr endlich los. Noch kurz in Wadi Halfa eine Kleinigkeit zu Essen einkaufen und ab in Wüste. Den Polizei Checkpoint fahre ich noch an, auch wenn diese eher an unseren Fahrrädern und deren Technik interessiert sind, als an unseren Pässen. Dann aber ist es endlich soweit: die ersten Kilometer in der Wüste und das erste mal in der Sahara schlafen. Nach einer Portion Reis, die eher wegen des Hungers gegessen wurde, als wegen des Geschmacks schaute ich mir meinen ersten richtigen Sahara-Sonnenuntergang an. Es war klasse mitten in der Wüste zustehen und am Anfang dieser Reise zu sein.

Die Nacht war schon wieder nicht gut, einfach zu kalt ohne Zelt. Ich dachte das sich das zwar ändern würde, was es aber nicht tat.

Wir standen bereits um 6 Uhr auf, um die Morgenstunden zu nutzen . Bis hierhin war eigentlich alles einfach und plötzlich war es soweit: ich saß auf dem Fahrrad und fuhr durch die menschenleere Sahara. Startschuss – jetzt so richtig.

Das Fahrrad lief, die Straße war gut, der Wind kam von hinten, so machte das richtig Spaß.

Irgendwann kam dann der Hunger – doch wir hatten nur Nudeln und Reis, aber nichts dazu. Wie bereits beschrieben ist nicht viel los in der Sahara. Irgend wann tauchte aber ein Polizeicheckpoint, auf, bzw. das was mal einer werden soll. Er befindet sich nämlich grade im Bau. Frechheit siegt bekanntlich, also fragte ich einfach, ob sie etwas zu essen hätten. Zwar eher, ob ich etwas kaufen könne, aber ich wusste natürlich, dass sie keinen Laden hatten. Nach ein paar Minuten Verwirrung, – es fragen wohl nur selten Fahrradfahrer nach Essen bei der Polizei, hieß uns der Kommandant des Checkpoints willkommen. Es wurden uns Stühle und kühles Wasser gebracht und nach ein paar Minuten auch etwas zu Essen. Eine Kartoffel-„Soße“ mit Brot, sehr lecker. Dann mussten wir aber weiter. Es wurde heißer und heißer. Gegen 34 Grad am Mittag, nur kein Schatten auf der Straße. Die Sonne strahlt stärker als bei uns in Deutschland im Sommer. Dabei ist es hier auch Herbst.

Deswegen muss man Wasser trinken, viel Wasser und noch mehr Wasser. In der Wüste ist das nicht immer ganz einfach, klappt im Sudan (entlang der Straße) aber erstaunlich gut. Es gibt immer wieder Wassertankstellen an den man, mitten im Nichts, frisches und gutes Wasser umsonst bekommt. Das ist wirklich toll und führte dazu, dass ich im ganzen Sudan nie mehr als 2 Liter Wasser bei mir hatte.

Nach einer weiter Mittagspause fuhren wir noch mal weiter durch eine wunderschöne Landschaft. Rechts und links standen ein- bis zweihundert Meter hohe Berge und die tief stehende Sonne beleuchtete alles mit einem warmen Licht.

Das Zelt stellten wir ein paar hundert Meter neben der Straße auf und genossen den Sonnenuntergang.

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Die nächsten Tage liefen ähnlich. Immer wieder schöne Landschaften und klasse Begegnungen mit Sudanesen.  Nach 3 Tagen trenne ich mich aber von meinem chinesischen Mitradler, da ich deutlich schneller bin (er ist seit China unterwegs) und er fast kein Englisch spricht. Eine Unterhaltung kommt also nicht in Gang und das macht es doch anstrengend.

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Am Tag darauf sehe ich meine ersten Wölfe. Afrikanische Goldwölfe (Canis anthus). Erst laufen sie 150 Meter vor mir über die Straße und dann sehe ich sie noch mal als sie über eine Anhöhe laufen.

Bald darauf erreiche ich  Dongola, eine Stadt aus eher niedrigen Häusern. Der Sudan ist eben doch ein Dritte-Welt-Land und die Städte zeigen das deutlich. Viel ist aus Lehm gebaut und nur wenige Meter hoch. Ich bin nach 105 Km in heißem Wetter und bei mittelmäßigem Wind so platt das ich das erstbeste Hotel nehme. 7€ ist zwar eher viel für eine Übernachtung für mein Budget, aber was soll’s. Ich schlafe in einem Wellblechhotel. Das Dach und zwei Seitenwände sind wirklich aus Wellblech und das „Bad“ ist gar nicht schön. Am Tag darauf gehe ich auch in ein anderes Hotel, dass besser ist und nur ca. 4€ pro Nacht kostet. Es hat sogar, was wirklich hervorzuheben ist, Wifi!

Eine sudanesische Eigenart ist, dass man sich innerhalb von 3 Tagen registrieren muss, was immerhin 50€ kostest und gar nicht so einfach ist. Ich brauche viele Stunden um die Polizeistation ausfindig zu machen. Nur ist es nicht die Polizeistation sonder die “Sekuritie”-station. Mir wird erklärt, was ich brauche: “ein Zettel geben das welcher beweisen soll das ich registriert bin”. Der gilt aber leider nur für Dongola, ist aber kostenfrei. Ich versuche lang zu erklären das ich noch was anderes brauche, gebe dann aber irgend wann auf, weil niemand auch nur halbwegs Englisch spricht.

Im Hotel wird mir gesagt, dass ich keine Registrierung mehr brauche und so denke ich mir halt, dass ich nicht mehr machen kann. Fast keiner spricht Englisch und niemand weiß etwas über die Registrierung.

Um die nächsten Tage kurz zu halten: ich radel zwischen 5 und 6 Uhr morgens los. Jeden Tag fahre ich zwischen 149 und 160 km und das bis auf den ersten Tag durch einen leichten Sandsturm. Fast immer macht das richtig Spaß, weil ich teils über 30 Km pro Stunde hinter mir ließ. Wenn aber der Wind von der Seite kam und dann Lastwagen oder Busse mich überholten, wurde mir ordentlich Sand ins Gesicht gewirbelt. Davon abgesehen, sind diese Tage aber eine tolle Erfahrung.

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100 Km vor Khartoum änderte sich die Vegetation zum erstmal. Von gar keiner zu immer wieder einigen Dornbüschen. Ich fahre am Donnerstagmittag in Khartoum ein. Ich will zum Youth-Hostel, um mich dort mit Travor (einem englischen Backpacker) zu treffen. Der Verkehr machte mir diese 20 Km allerdings nicht einfach. Das Youth-Hostel war es aber wert: grüner Rasen, Bäume, sogar ein paar Blumen gibt es. Wenn man viele Tage durch die karge Wüste gefahren ist, lernt man das zu schätzen.

In Khartoum gibt es ein paar Dinge die ich machen will. Visum für Äthiopien holen, Fahrrad putzen, ein bisschen entspannen, der Zusammenfluss von Weißem und Blauem Nil und eine Sufi-Feier anschauen.

Die ersten beiden Dinge klappen wunderbar, entspannen irgendwie auch, aber etwas mehr Zeit hätte hier nicht geschadet. Die Vereinigung von den beiden Nilströmen haben wir uns am letzten Abend angeschaut, am wirklich letzten festen Punkt da zwischen. Die Sufi-Feier war auch ein Erlebnis für sich: viele Trommeln und Tänzer und Zuschauer, die in Ekstase fallen.

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Khartoum ist eine Stadt der zwei Welten: auf der einen die Glanzvolle, die etwas an Dubai erinnert und auf der anderen die Stadt aus niedrigen Lehmhäusern und voller offensichtlicher Armut. Es ist aber klasse, dass man hier als weißer Tourist auf die Straße gehen kann und sich nicht beobachtet oder gar unerwünscht vorkommt. Man bekommt, wie im ganzen Sudan, fast immer den richtigen Preis, und man fühlt sich sicher. Die Teile des Sudan die ich bereist habe, dürften so sicher sein wie Deutschland. Kriminalität ist fast nicht vorhanden und die Menschen sind super freundlich.

2 Kommentare

  1. Hallo Lukas,
    Schön, nach einiger Zeit wieder etwas von Dir auf Deiner interessanten Reise zu hören. Nachträglich noch frohe Weihnacht und ein gutes neues Jahr.
    Ich habe übrigens meine letzte Prüfung zum Bilanzbuchhalter bestanden und bin deswegen auch sehr erleichtert. Eine gute weitere Reise und schöne Erlebnisse wünscht Dir Dein

    Onkel K-P

    Antworten

    1. Dir / Euch auch ein schönes neues Jahr. Glückwunsch zur bestanden Prüfung. Ich versuche die nächsten Beiträge etwas schneller folgen zu lassen 😉
      Jetzt geht aber erstmal in die Simien Mountens trecken.
      Gruß Lukas

      Antworten

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