Die große Pause

Von Gondar habe ich also nicht viel gesehen, ist aber auch nicht schlimm, da ich hier noch ein paar mal vorbei komme. Am Samstag hat neben meiner Mutter auch Mark, der englische Radfahrer, Geburtstag. Am Mittag treffen wir uns und er bekommt von seinem Hotel sogar einen Kuchen. Das ist auch das erste mal, dass ich etwas Hunger bekomme und mehr als nur ein paar Pommes, etwas Brot oder Spaghetti esse. Am Tag darauf werden wir von Mubratu abgeholt. Er nimmt uns mit zum Tim&Kim Village, dass heute von Kim und Ihm gemanaged wird. Über eine holprige Piste (Sandstraße) fahren wir 1 1/2 Stunden. Als wir ankommen wird sofort klar, dass ich hier länger bleibe. Am Ende wird es noch ein bisschen mehr, aber ich will nicht zu viel verraten. Die Lodge liegt auf 1800 Metern am See Tana, der größte See in Äthiopien. Ca. 500 Meter vom Dorf Gorgora ist es Idyllisch in die Landschaft eingebettet und lädt sofort dazu ein, die Welt da draußen zu vergessen. Ich kann campen und koche meist selber, was es dann sogar richtig günstig macht.

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Kim und Ihr Ex-Mann Tim kommen aus den Niederlanden und haben vor über 8 Jahren begonnen, die Lodge aufzubauen. Das führt dazu, dass es ein bisschen „europäische Struktur“ und Ordnung hat, was mir in diesem Moment sehr gut tut. Afrika kann nämlich unglaublich schön sein, aber eben manchmal auch sehr hart. Ein bisschen abstand dazu war genau das Richtige, um den Kopf wieder frei zu bekommen und sich neu auf die Menschen ein zulassen.

Neben Kim und Mubratu sind auch Nico und Fanna auf der Lodge. Beide kommen auch aus den Niederlanden und wollen Ihre eigene Lodge aufbauen. Um ein Einblick zu bekommen was das bedeutet, sind sie für insgesamt 4 Monate in Äthiopien.

Die Gegend ist klasse um Tiere zu sehen. Ich habe zwischen 30 und 40 für mich neue Arten gesehen. Die meistens davon Vögel und ein paar Säugetiere. Ich könnte jeden Tag Afrikanische Schreiseeadler beobachten, 2 Ibis-Arten, 4 Eisvogelarten, African Openbills (Klaffschnabel-Störche), Green Woodhoopoe, Greyish Eagle-Owl, Hammerkop, Long-crested Eagle, Pallid Harrier, Silvery-cheeked Hornbill, Woolly-necked Stork, Yellow-billed Stork usw.

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Neben einer tollen Fauna gibt es aber auch eine klasse Landschaft. Der See ist so groß das man sich manchmal eher wie am Meer fühlt. Es gibt überall kleinere und größere Hügel und super Stellen um das erste und das letzte Licht des Tages zu sehen.

Was diese Stelle für mich so besonders macht sind die Menschen. Nico, Fanna, Kim und Mubratu aber auch die ganzen Reisenden die vorbeikommen. Aus der ganzen Welt und teilweise selber auf großen Reisen. Die Gespräche sind klasse und so bekommt man neue Sichtweisen und das hilft einem bei vielen Dingen. Um etwas vorzugreifen, ich kann dadurch jetzt mit den Menschen hier besser umgehen, auch wenn die manchmal wirklich sehr anstrengend sind. So habe ich eine gute Zeit, wo Andere manchmal nur genervt sind (was wirklich sehr einfach sein kann).

Wenn man oft alleine reist weiß man das doppelt zu schätzen. Besonders mit Fanna und Nico aber auch mit Kim und Mubratu habe ich mich so angefreundet, dass man mal mehr als nur die üblichen Gespräche führen konnte. Oft sitzen wir bis 4 oder 5 Uhr am Morgen zusammen und reden. Was insofern anstrengend ist da ich um spätestens 9 Uhr wieder aufstehen muss, weil die Sonne dann das Zelt in eine Sauna verwandelt.

Vielen dank an an Fanna, Nico, Kim und Mubratu für die unglaublich tolle Zeit.

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Die Tage verfliegen und man fragt sich jeden Abend was man eigentlich gemacht hat. Ein typischer Tag sieht so aus: Ich stehe zwischen 6 und 9 Uhr auf, kaufe frisches Brot und frühstücke. Honig, Marmelade und Tee, fast wie Zuhause. Wegen der Tierbeobachtungen und teilweise stundenlanger Gespräche kann es dann aber auch schon mal 12 Uhr sein. Ich gehe oft für ein paar Stunden nach Tieren schauen, sortiere Bilder oder lese in Reiseführern. Manchmal mache ich aber auch nichts und schau einfach nur in die Landschaft. Am Abend gucke ich mir immer das schwindende Licht an und wie die Sonne schon früh hinter einem Hügel verschwindet. Danach koche ich oder gehe zur Lodge um dort zu essen. Den Abend verbringe ich dann immer mit den anderen. Wie schon geschrieben, sitzen wir teilweise bis 4 oder 5 Uhr zusammen (Ohne andere Touristen, die gehen irgend wie immer früher ins Bett). Fanna und Nico hatten dann aber noch eine Idee. Wir wollten Hyänen sehen, die hier in der Gegend verbreitet sind. Also heben wir Fleischreste auf, von den hier geschlachteten Schafen und lassen es schön in der Sonne verrotten. Das stinkt unglaublich und soll die Tiere anlocken. In der Nacht haben wir uns auf die Lauer gelegt. Wir waren am Wasser in einem Busch oder Baum. Der Baum ist besonders, da riesig und nicht einfach zu beklettern. Den Gedanken, wie ich da wieder runter komme, habe ich einfach mal verdrängt. Typisch afrikanisch eben, das Problem habe ich später, also mache ich mir jetzt keine Gedanken darum. Mit Hilfe schaffen es Fanna (etwas kleiner) und dann Nico auch auf den Baum. Wir saßen für 2 Stunden in dem Baum. Gesehen haben wir eine Whitetailed Mongose und sowas wie einen Buschbock (ähnlich Reh). Durch mein Fernglas konnte ich das aber nicht genau erkennen, so hell ist der Mond eben doch nicht.

Irgendwann ist es definitiv zu spät, um weiter zu machen. Wir alle müssen früh raus, um 7 Uhr (Fanna, Nico) oder ich um 9 Uhr. Es war ein schöner Abend, auch wenn wir keine Hyänen gesehen haben, was wohl eher ungewöhnlich war.

Ich war auch an Weihnachten und Silvester bei der Lodge. Jeweils ein besonderes Erlebnis, das so komplett anders als war, als das was ich aus Deutschland gewöhnt bin. Besonders in Erinnerung bleibt mir das hervorragende Essen. Die Hauptspeise an sich war schon immer extra lecker, aber der Nachtisch war einfach genial. Olebollen (hoffe das stimmt so halbwegs), ein frittierter Teig mit Rosinen, Äpfeln oder Ananas gefüllt. Man lernt so etwas echt zu schätzen, wenn es der erste richtige Nachtisch ist, den man seit vielen Wochen bekommt.

Zu den Säugetieren: ich sehe die ersten Paviane auf dieser Tour, Vervet Monkeys, Common Large-spotted Genet (eine Zibetkatze), 2-3 verschiedene Mangustenarten und eine Civet. Alles eindrückliche Erlebnisse.

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Diesen afrikanischen Schreiseeadler sehe ich von meinem Zeltplatz. Ich wollte natürlich näher hinlaufen was an dieser Stelle auch ganz gut geht. Ich sitze nach ein paar Minuten, nur ca. 12 Meter von diesem schönen Adler entfernt und warte. Er lässt sich nicht stören und ich weiß das er jeden Moment loslegen kann da er in diesem Baum sicher nicht über die Nacht bleibt. Ich habe meine Kamera richtig eingestellt und warte. Nach 15 Minuten fliegt er dann in Richtung nächsten Baum und ich schaffe es dieses Foto zu schießen. Darauf bin ich besonders stolz da ich die gleiche Situation ein paar Tage später noch mal hatte und da aber kein brauchbares Bild rausgekommen ist.

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Nach zwei Wochen wollte ich dann aber doch wieder los. Ich ließ mein Fahrrad diesmal bei der Lodge (da ich weiß das es dort sicher ist) und machte mich auf nach Gondar. Von drei Deutschen, die gerade durch Äthiopien reisen, werde ich mitgenommen. Von dort aus sollte es in die Simien-Berge gehen.

Das erzähle ich dann beim nächsten Mal.

Khartoum bis Gondar / Äthiopien

 

Der Wecker klingelt um 4 Uhr Morgens. Ich finde das zwar nicht so richtig lustig, aber ich will eben vor dem dichter werdenden Verkehr aus der Stadt sein. Zelt zusammenbauen, alles Packen und noch mal kontrollieren ob auch wirklich alles dabei ist. In der Dunkelheit ist schnell was übersehen. Um kurz nach 5 geht es los. Es ist merkwürdig im Dunkeln durch die Stadt zu fahren. Immer wieder schaut Sicherheitspersonal, Militär und Polizei misstrauisch hinter mir her. Ich nehme die Straße auf der Ostseite des blauen Nils, da ich mir da etwas weniger Verkehr erhoffe. Die ersten 30 Km geht das gründlich schief. Noch dazu ist die Straße schlecht und ich kann nur hoffen, dass ich nicht von einem zu nah überholenden Bus überfahren werde und das mein Fahrrad diese Straße aushält. Wir, das Fahrrad und ich, überleben dieses Stück Straße und bald wird es auch etwas besser, aber noch mal möchte ich da nicht mehr fahren.
Pünktlich zum Sonnenaufgang kaufe ich Brot. Mit dem Verkäufer ergibt sich ein Gespräch über rund 45 Minuten. Er ist gelernter Ingenieur, kann aber nirgends sonst Arbeiten. „Die Regierung macht es sehr schwer eine Arbeit zu finden“. Er will wissen wie er nach Deutschland oder England gehen und dort arbeiten kann. Ich will im nicht sagen, dass es gerade jetzt wohl eher unmöglich ist, mache aber klar das es sehr schwer ist die entsprechenden Papiere zu bekommen. Diese Gespräche muss ich immer wieder führen und sie lassen einen – ganz egal wie man zum Thema Einwanderung stehen mag – Deutschland aus einem völlig andern Blickwinkel betrachten. Am Ende wird es mir immer wieder bewusst, welches Privileg es ist, dass ich in Deutschland, in dieser Zeit geboren bin. Dieses Privileg, das mir Möglichkeiten eröffnet, die viele Menschen, die ich auf meiner Reise treffe, nicht haben und nie haben werden.
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Ich radle weiter, rechts und links wird es immer grüner. Felder und vereinzelt Bäume sind zu sehen. Wenn die Straße etwas weiter vom Nil wegführt wird es zwar wieder trocken und staubig, aber insgesamt verändert sich die Landschaft nun spürbar. Die ersten Tiere sind am Straßenrand zu sehen. Das führt allerdings dazu, dass ich immer öfters stoppe um Fotos zu machen. Wie ich das in anderen teilen Afrikas machen soll weiß ich nicht, so würde ich aber nur wenige Kilometer pro Tag fahren.
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Die Sonne nähert sich schon wieder dem Horizont und ich brauche einen Platz zum Übernachten. Ich sehe ein „Haus“ und ein Scheune vor ein paar Feldern. Nachdem ich mich umgeschaut habe, erscheint nach ein paar Minuten ein Mann. Ob ich hier neben dem Haus schlafen darf, frage ich auf Englisch. Mein Gegenüber versteht mich nicht. Nach ein-zwei Minuten, in denen ich mit Händen und Füßen klar mache, was ich will, wird mir bedeutet, dass ich im Haus schlafen soll. Na gut, dass ich mein Zelt aufstelle, wurde wahrscheinlich nicht erwartet. Das führt aber nur zu einem Schmunzeln und als ich signalisiere, dass es zum Schutz gegen die Moskitos ist, verstehet er es sogar. Mir wird Tee gebracht und auf der anderen Straßenseite sind noch mehr Bauern. Sie bauen Tomaten an. Wir haben einen schönen Abend am Feuer, mit Tee und netten „Gesprächen“. Dabei kann niemand außer mir Englisch sprechen – Deutsch sowieso nicht. Die Menschen sind einfach so freundlich, dass ich mich schon fast schlecht fühle, als ich einfach nur noch ins Bett will. Ist nämlich schon 9 Uhr, was mir deutlich macht, dass ich in einem anderen Rhythmus bin, als in Deutschland.
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Nachdem ich mich von allen verabschiedet habe fahre ich am nächsten Morgen weiter. Am Mittag bin ich eben dabei, einen Northern Carmine Bee-eater (Karmin-Bienenfresser) zu fotografieren. Ich werde dann gleich von Zwiebelbauern gerufen. Wir unterhalten uns etwas und dann muss ich noch von den hier arbeiteten Kinder ein Bild machen. Einfacher gesagt als getan. Ich habe nur mein Teleobjektiv auf der Kamera, heißt ich muss 10-15 Meter von den Kindern entfernt stehen um ein Gruppenbild zu machen. Am Anfang bleiben die Kinder noch mehr oder weniger brav stehen, aber dann fangen alle an, auf mich zu zulaufen und sich nach vorne zu drängeln, weil jeder auf dem Bild sein will. Irgend wie habe ich das von Deutschland andersrum in Erinnerung ;-). Alle haben noch ihre Messer dabei, was zu tollen Bildern führt.
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An diesem Abend will ich in Wad Madani in einem Hotel schlafen, um morgen Wifi zu haben (Geburtstag meines Vaters). Ich finde aber nur ein richtiges Hotel, das eigentlich über dem liegt was ich ausgeben will (25€) aber ich sehe im Eingang ein Reiserad mit Brooks-Sattel. Wem gehört dieses Fahrrad, ist meine erste frage. Jetzt ist aber auch klar, dass ich nicht wo anders schlafen kann und nach dem der andere Reiseradler grade nicht da ist, verhandle ich den Preis. Ich würde zwar lieber mein Zelt im Garten aufstellen aber dann wird mir ein Zimmer für die Hälfte angeboten. Na dann. Habe bis jetzt eh nicht mehr als 6€ pro Tag ausgeben und zu viel Sudanesische Pfund habe ich auch.
Das Fahrrad gehört einem 60-jährigen englischen Reiseradler. Später mehr dazu.
Am nächsten Tag will ich mit meinem Vater reden, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Das geht aber gründlich schief, da nirgends Wifi zu finden ist und im „Internetcafe“ dauert das Laden von „Facebook“ ungelogen über 10 Minuten.
Ich treffe einen Medizinstudenten im Hotel. Wir verabreden uns für den Abend, er will mir die Stadt, die Uni und das Krankenhaus zeigen. Nach dem ich eh von Mark (dem englischen Fahrradfahrer) zum Essen eingeladen bin, gehe ich mit dem Studenten in die Stadt. Die Uni ist zwar etwas runtergekommen, aber das Leben davor ist das Gleiche wie in Deutschland. Studenten/innen sitzen zusammen, reden oder lernen und trinken (aber natürlich keinen Alkohol). Ich finde das klasse: Gleichaltrige zum Reden, zum ersten mal auch Frauen. Wir reden über Gott und die Welt. Danach wird mir das Krankenhaus gezeigt. Ich muss immer wieder denken, hoffentlich schaffe ich es nach Südafrika, falls ich je ins Krankenhaus muss (am Besten natürlich garnicht). Die Zustände sind „garnicht schön“.
Die nächsten zweieinhalb Tage fahre ich zusammen mit Mark nach Gedaref. Aber erst, nachdem ich ihn fast ins Gefängnis gebracht habe. Denn als wir am Morgen losfahren und nach ein paar Minuten über den blauen Nil fahren, will ich ein paar Fotos von der Brücke machen, da das Licht klasse ist. Das Problem ist nur, dass es streng verboten ist, Fotos von Brücken zu machen. Am Anfang der Brücke steht auch ein Polizist aber ich denke mir, was solls, wird schon klappen. Ich mache kurz zwei Fotos und stecke die Kamera weg. Mark läuft auf die andere Seite um da, etwas auffälliger als ich, Fotos zu machen. Ich sehe den Polizisten zu uns laufen und rufe zu Mark, dass wir jetzt sofort weiter fahren müssen! Das tun wir auch, aber der Polizist hält ein dreirädriges Motorrad an und überholt so Mark und stoppt Ihn. Ich denke mir, dass ich jetzt auch nichts machen kann und fahre weiter. Nach 500 Meter stoppe ich und warte. Mann, ich bin aber auch blöd. Es ist halt der Reiz des Verbotenen und wenn eine Regel so blöd ist, breche ich sie gerne mal. Nun sitze ich aber da, trinke Tee und überlege was ich machen soll, falls Mark in den nächsten Stunden nicht auftauchen sollte. Ich habe zwei SD-Karten in meiner Kamera, eine nehmen ich heraus und schiebe sie in eine Socke und auf der Zweiten lösche ich alle kritischen Bilder,  falls ich auch noch kontrolliert werde. Gott sei dank kommt Mark nach 1 1/2 Stunden und wir fahren weiter. Er musste nichtmal eine Strafe zahlen.
Die Km laufen nicht wirklich einfach, da der Wind schlecht ist und am Mittag kommen wir zu einem Checkpoint. Der oberste Polizist kommt aus dem Schatten gelaufen, um uns persönlich zu kontrollieren. Das kann ich schon gar nicht leiden, wenn nur die weißen Radfahrer kontrolliert werden. Er will die Pässe sehen und Mark zeigt seinen auch gleich. Jetzt wird es schon wieder problematisch, denn im Sudan muss man sich (wie schon beschrieben) registrieren lassen. Ich habe diese Registrierung aber nie machen können. Der Polizist kontrolliert das aber. Es gibt wie immer nur eine Sache die jetzt funktioniert, Geduld. Ich trinke die erste Wasserflasche aus und sage, dass ich gleich nach dem Reisepass schaue. Dann fange ich an die zweite Flasche zu trinken. Der Polizist will jetzt aber wirklich den Reisepass sehen. Ich denke irgendwann, das hat jetzt noch nicht so richtig funktioniert. Ich öffne eine der Fronttaschen. Zum Glück weiß ich nicht in welcher Tasche der Reisepass ist und fange an zu suchen. Dann fragt der Polizist was für einer Arbeit ich in Deutschland nachgehe. Weil es einfach und unverdächtig ist, sage ich “Deutschlehrer” (Ja, für jeden der mich kennt mag das etwas merkwürdig klingen, es funktioniert aber immer). Dann dürfen wir einfach weiter fahren. Puhh, das habe ich aber grade noch mal geschafft.
In den nächsten 2 Tagen passiert sonst nichts groß. Die Landschaft ändert sich und wird immer schöner. Wir fahren durch Gebiete die auch in Namibia sein könnten. Berge aus dem gleichen Granit aus dem auch die Spitzkoppe (Berg in Namibia) ist.
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Ich sehe immer wieder Greifvögel usw. wie zum Beispiel einen Kampfadler neben der Straße.
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Es ist sehr angenehm, mit jemandem zu fahren und immer mal wieder richtig reden zu können. Das Wasser ist auf diesem Abschnitt katastrophal, aber wir müssen es nicht trinken, denn wir können frisches Wasser kaufen.
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In Gedaref trennen sich dann unsere Wege. Mark macht zwei Nächte Pause und ich fahre gleich weiter. Die Menschen werden immer ärmer, bleiben aber trotzdem sehr freundlich.
Nach anstrengenden Tagen komme ich an die Grenze zu Äthiopien. Jetzt wird es wieder spannend. Darf ich ausreisen, ohne dass ich mich je registriert habe? Der Beamte schaut meinen Pass an und weißt mich genau darauf hin. Ich sage einfach, dass ich schon für eine dreitägige Registrierung in Dongola gezahlt habe. So richtig nimmt mir der Beamte das zwar nicht ab, aber nach ein paar Minuten diskutieren bekomme ich den Exit-Stempel. Was sicher geholfen hat war, dass es schon spät war und alle Feierabend machen wollten. Ich schlafe trotzdem noch eine Nacht im Sudan weil ich jetzt noch Geld wechseln muss (es braucht Zeit um einen guten Wechselkurs zu finden) und ich will auch noch etwas einkaufen. Im Nachhinein habe ich so auch noch eine ruhige Nacht.
Am nächsten Morgen fahre ich nach Äthiopien – meinem dritten Land auf dieser Reise. Ich werde zum Immigrationsoffice geleitet. Die erste Frage lautet, wo ich hin will? Eine lustige Frage, da es genau eine Richtung für mich aus dem Sudan kommend gibt und zwar nach Gondar/Äthiopien. Mir wird gesagt: „you can’t go there because there is fighting on the street!“ Ich stehe etwas entgeistert da. Ich kann jetzt nicht mehr vor – und zurück kann ich ohne Visum auch nicht. Das Visum bekommt man aber nur in Addis. Mir wird gesagt das ich noch 40 Km fahren kann und dann muss ich die Polizei oder das Militär fragen. Das ist zwar nicht weit, aber ich schleppe eine leichte Lebensmittelvergiftung mit mir rum und so brauche ich ewig für die kurze Strecke. Ich mache 3 Stunden Mittagsschlaf um komme erst am Nachmittag in Shehedi an. Auf der Polizeistation treffe ich dann auch gleich Trevor wieder. Er steckt hier schon den ganzen Tag fest. Wir versuchen Informationen zu bekommen. Das geht hier aber fast gar nicht. Im Grunde werden uns immer neue Information gegeben und eigentlich heißt es immer wieder nur, setzt euch, trinkt ein Café, morgen… „Morgen“ ist so ganz nebenbei das wichtigste Wort in Afrika. Nege heißt es in der hier verbreiteten Sprache Amharic. Damit müssen wir uns nun eben abfinden. Der nächste Tag verläuft gleich. Mal heißt es wir können in 30 Minuten gehen, dann wieder Nege. Wir finden das gar nicht lustig und rufen bei der britischen Botschaft an. Die können uns aber auch nicht weiter helfen. Ich kann fast nichts essen und trinken, ohne dass sich mein Magen umdreht und wir wissen nicht wie lange wir hier noch festsitzen, einen Tag, eine Woche, einen Monat? Die Polizei findet das durchaus lustig, die arbeiten aber eh nicht. Am nächsten Tag soll ein Militärkonvoi fahren und wir hoffen, dass das stimmt. Tatsächlich, ein Militärkonvoi geht, aber wir müssen den Bus nehmen. Die Polizei weiß genau, dass wir den Bus nehmen werden und so sollen wir 150 $ für 2 Personen zahlen. Der eigentliche Preis beträgt 3$ pro Person. Wir sind angefressen und drücken den Preis. Trevor schmeißt fast einen Stein durch die Scheibe des Busses und ich drücke den Preis noch mal auf 70$. Dann steigen wir wütend in den Bus ein. Vorne zwei Militärautos und hinten auch nochmal, so fahren wir über die einsame Straße.
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Nach fast 6 Stunden Fahrt, für 160 Km kommen wir 11 Km entfernt vom Gondar-Stadtzentrum an. Ich fahre die 11 Km mit dem Fahrrad und benötige dafür auch noch mal fast 2 Stunden weil ich wegen der Lebensmittelvergiftung so platt bin. Ok, das iPhone muss ich auch noch kurz in einem Hotel etwas laden, da ich es für die Navigation brauche.
Als ich beim Lshaped Hotel ankomme bin komplett fertig. Das Zimmer ist das beste das ich auf dieser Reise bis dato gehabt habe und die nächsten 4 Tage nutze ich, um im Bett zu liegen, das halbwegs ordentliche Wifi zu nutzen und einmal am Tag eine Kleinigkeit zu essen.
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Die letzten Tage im Sudan waren echt anstrengend und die erste Zeit in Äthiopien war richtiger Mist. Nach diesen 1 1/2 Wochen habe ich spürbar abgenommen und sehne mich nach einer richtigen, erholsamen Pause. Die kommt dann auf meiner nächsten Station, und was für Eine. Das gibt’s dann im nächsten Bericht.

Die Radreise beginnt

Wadi Halfa – Wüste (an der A1): 20 km

Wüste (an der A1) – Wüste (an der A1): 111 km

Wüste (an der A1) – Erau (an der A1): 86 km

Erau – Wüste (an der A1): 96 km

Wüste (an der A1) – Dongola: 105 km

Dongola 2 ganze Tage Pause

Dongola – Al Dabbah: 160 km

Al Dabbah – Cafeteria (Wüste):149 km

Cafeteria (Wüste) – Cafeteria (Wüste): 159 km

Cafeteria (Wüste) – Khartoum: 60 km

 

Ich war froh auf der Fähre zu sein. Es hat alles mit dem Visum geklappt und auf die Fähre zu kommen war erstaunlich gut machbar. Ich hatte einen zweiten Radfahrer in Assuan getroffen, ein Chinese, mit dem ich die ersten Tage zusammen fahren wollte. Wir hatten fast Vollmond als wir ablegten und so konnte man viel von der Umgebung erkennen. Die Landschaft glitt an uns vorbei und die Lichtglocke über Assuan verschwand im Nichts. Am Abend wurde ich von ein paar Sudanesen zum Full (Bohneneintopf mit Brot) eingeladen und einen Tee gab es auch dazu. Schlafen wollte ich auf Deck. Das tat ich auch, mehr oder weniger, denn es war ziemlich kalt und windig. Deswegen schaute ich mir schon ab 4 Uhr die Landschaft und dann denn Sonnenaufgang an. Es ist eine bizarre Gegend, eigentlich nur Wüste und mittendrin der größte künstliche See der Welt. Nachdem die Sonne schon ein paar Stunden wärmend auf mich strahlte, kam Abu Simbel in Sicht. Ein weitere Sehenswürdigkeit Ägyptens weswegen Menschen aus alles Welt hier her kommen. Ich hatte aber nur noch die beginnende Radreise im Kopf.

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Um 14:00 Uhr „legten“ wir dann an, wobei dieser Vorgang nicht mit dem Anlegen in Europa vergleichbar ist. Der Hafen ist irgend wie ein Steg der im Wasser versinkt, viele Menschen machen irgend was, nur nicht produktiv und man fragt sich ein bisschen wie es geschafft wird die Fähre fest zu machen.

Wir bekamen ein Reisepermit und nachdem unser Gepäck gecheckt wurde, durften wir um 3:00 Uhr endlich los. Noch kurz in Wadi Halfa eine Kleinigkeit zu Essen einkaufen und ab in Wüste. Den Polizei Checkpoint fahre ich noch an, auch wenn diese eher an unseren Fahrrädern und deren Technik interessiert sind, als an unseren Pässen. Dann aber ist es endlich soweit: die ersten Kilometer in der Wüste und das erste mal in der Sahara schlafen. Nach einer Portion Reis, die eher wegen des Hungers gegessen wurde, als wegen des Geschmacks schaute ich mir meinen ersten richtigen Sahara-Sonnenuntergang an. Es war klasse mitten in der Wüste zustehen und am Anfang dieser Reise zu sein.

Die Nacht war schon wieder nicht gut, einfach zu kalt ohne Zelt. Ich dachte das sich das zwar ändern würde, was es aber nicht tat.

Wir standen bereits um 6 Uhr auf, um die Morgenstunden zu nutzen . Bis hierhin war eigentlich alles einfach und plötzlich war es soweit: ich saß auf dem Fahrrad und fuhr durch die menschenleere Sahara. Startschuss – jetzt so richtig.

Das Fahrrad lief, die Straße war gut, der Wind kam von hinten, so machte das richtig Spaß.

Irgendwann kam dann der Hunger – doch wir hatten nur Nudeln und Reis, aber nichts dazu. Wie bereits beschrieben ist nicht viel los in der Sahara. Irgend wann tauchte aber ein Polizeicheckpoint, auf, bzw. das was mal einer werden soll. Er befindet sich nämlich grade im Bau. Frechheit siegt bekanntlich, also fragte ich einfach, ob sie etwas zu essen hätten. Zwar eher, ob ich etwas kaufen könne, aber ich wusste natürlich, dass sie keinen Laden hatten. Nach ein paar Minuten Verwirrung, – es fragen wohl nur selten Fahrradfahrer nach Essen bei der Polizei, hieß uns der Kommandant des Checkpoints willkommen. Es wurden uns Stühle und kühles Wasser gebracht und nach ein paar Minuten auch etwas zu Essen. Eine Kartoffel-„Soße“ mit Brot, sehr lecker. Dann mussten wir aber weiter. Es wurde heißer und heißer. Gegen 34 Grad am Mittag, nur kein Schatten auf der Straße. Die Sonne strahlt stärker als bei uns in Deutschland im Sommer. Dabei ist es hier auch Herbst.

Deswegen muss man Wasser trinken, viel Wasser und noch mehr Wasser. In der Wüste ist das nicht immer ganz einfach, klappt im Sudan (entlang der Straße) aber erstaunlich gut. Es gibt immer wieder Wassertankstellen an den man, mitten im Nichts, frisches und gutes Wasser umsonst bekommt. Das ist wirklich toll und führte dazu, dass ich im ganzen Sudan nie mehr als 2 Liter Wasser bei mir hatte.

Nach einer weiter Mittagspause fuhren wir noch mal weiter durch eine wunderschöne Landschaft. Rechts und links standen ein- bis zweihundert Meter hohe Berge und die tief stehende Sonne beleuchtete alles mit einem warmen Licht.

Das Zelt stellten wir ein paar hundert Meter neben der Straße auf und genossen den Sonnenuntergang.

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Die nächsten Tage liefen ähnlich. Immer wieder schöne Landschaften und klasse Begegnungen mit Sudanesen.  Nach 3 Tagen trenne ich mich aber von meinem chinesischen Mitradler, da ich deutlich schneller bin (er ist seit China unterwegs) und er fast kein Englisch spricht. Eine Unterhaltung kommt also nicht in Gang und das macht es doch anstrengend.

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Am Tag darauf sehe ich meine ersten Wölfe. Afrikanische Goldwölfe (Canis anthus). Erst laufen sie 150 Meter vor mir über die Straße und dann sehe ich sie noch mal als sie über eine Anhöhe laufen.

Bald darauf erreiche ich  Dongola, eine Stadt aus eher niedrigen Häusern. Der Sudan ist eben doch ein Dritte-Welt-Land und die Städte zeigen das deutlich. Viel ist aus Lehm gebaut und nur wenige Meter hoch. Ich bin nach 105 Km in heißem Wetter und bei mittelmäßigem Wind so platt das ich das erstbeste Hotel nehme. 7€ ist zwar eher viel für eine Übernachtung für mein Budget, aber was soll’s. Ich schlafe in einem Wellblechhotel. Das Dach und zwei Seitenwände sind wirklich aus Wellblech und das „Bad“ ist gar nicht schön. Am Tag darauf gehe ich auch in ein anderes Hotel, dass besser ist und nur ca. 4€ pro Nacht kostet. Es hat sogar, was wirklich hervorzuheben ist, Wifi!

Eine sudanesische Eigenart ist, dass man sich innerhalb von 3 Tagen registrieren muss, was immerhin 50€ kostest und gar nicht so einfach ist. Ich brauche viele Stunden um die Polizeistation ausfindig zu machen. Nur ist es nicht die Polizeistation sonder die “Sekuritie”-station. Mir wird erklärt, was ich brauche: “ein Zettel geben das welcher beweisen soll das ich registriert bin”. Der gilt aber leider nur für Dongola, ist aber kostenfrei. Ich versuche lang zu erklären das ich noch was anderes brauche, gebe dann aber irgend wann auf, weil niemand auch nur halbwegs Englisch spricht.

Im Hotel wird mir gesagt, dass ich keine Registrierung mehr brauche und so denke ich mir halt, dass ich nicht mehr machen kann. Fast keiner spricht Englisch und niemand weiß etwas über die Registrierung.

Um die nächsten Tage kurz zu halten: ich radel zwischen 5 und 6 Uhr morgens los. Jeden Tag fahre ich zwischen 149 und 160 km und das bis auf den ersten Tag durch einen leichten Sandsturm. Fast immer macht das richtig Spaß, weil ich teils über 30 Km pro Stunde hinter mir ließ. Wenn aber der Wind von der Seite kam und dann Lastwagen oder Busse mich überholten, wurde mir ordentlich Sand ins Gesicht gewirbelt. Davon abgesehen, sind diese Tage aber eine tolle Erfahrung.

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100 Km vor Khartoum änderte sich die Vegetation zum erstmal. Von gar keiner zu immer wieder einigen Dornbüschen. Ich fahre am Donnerstagmittag in Khartoum ein. Ich will zum Youth-Hostel, um mich dort mit Travor (einem englischen Backpacker) zu treffen. Der Verkehr machte mir diese 20 Km allerdings nicht einfach. Das Youth-Hostel war es aber wert: grüner Rasen, Bäume, sogar ein paar Blumen gibt es. Wenn man viele Tage durch die karge Wüste gefahren ist, lernt man das zu schätzen.

In Khartoum gibt es ein paar Dinge die ich machen will. Visum für Äthiopien holen, Fahrrad putzen, ein bisschen entspannen, der Zusammenfluss von Weißem und Blauem Nil und eine Sufi-Feier anschauen.

Die ersten beiden Dinge klappen wunderbar, entspannen irgendwie auch, aber etwas mehr Zeit hätte hier nicht geschadet. Die Vereinigung von den beiden Nilströmen haben wir uns am letzten Abend angeschaut, am wirklich letzten festen Punkt da zwischen. Die Sufi-Feier war auch ein Erlebnis für sich: viele Trommeln und Tänzer und Zuschauer, die in Ekstase fallen.

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Khartoum ist eine Stadt der zwei Welten: auf der einen die Glanzvolle, die etwas an Dubai erinnert und auf der anderen die Stadt aus niedrigen Lehmhäusern und voller offensichtlicher Armut. Es ist aber klasse, dass man hier als weißer Tourist auf die Straße gehen kann und sich nicht beobachtet oder gar unerwünscht vorkommt. Man bekommt, wie im ganzen Sudan, fast immer den richtigen Preis, und man fühlt sich sicher. Die Teile des Sudan die ich bereist habe, dürften so sicher sein wie Deutschland. Kriminalität ist fast nicht vorhanden und die Menschen sind super freundlich.