Luxor – Assuan: Es geht immer weiter südlich

Das „Bob Marley Peace Hotel“ wurde mir von einem anderen Reisenden empfohlen, völlig zurecht! Grandios ist sicherlich die Dachterrasse. Aber ich war ja nicht zum Spaß in Luxor! Wenn man schon mal da ist, muss man sich die vielen Sehenswürdigkeiten schon anschauen, oder besser gesagt ein paar davon. Es sind einfach zu viele um sie alle in ein paar Tagen zu erkunden.
Gleich am ersten Morgen stand ich um 4 Uhr auf um mich von einem Mini-Bus abholen zulassen. Eine Ballonfahrt für 30€, dass kann ich mir nicht entgehen lassen. Zumal ich die Preise für eine Ballonfahrt in Namibia kenne. Nach einem Tee und der Überfahrt auf die Westseite des Nils (Westbank) kamen wir zu dem Platz wo unser Ballon fertig gemacht wurde. Es war noch komplette Nacht, hatte aber trotzdem schon um die 15 Grad. Dann ging es los, über die Tempel und Monumente die Luxor so berühmt machen. Es war ein tolles Erlebnis und so den Sonnenaufgang zu erleben hatte auch seinen ganz besonderen Reiz.
In den nächsten Tagen besuchte ich den Luxor Tempel, Karnak, Tal der Könige und weitere Tempel. Die eigentlich eingeplanten zwei ganzen Tage reichten aber nicht und da ich es mir zeitlich leisten konnte, blieb ich einfach noch einen weiteren Tag. Ich genoß es,  länger als die anderen Touristen diese beeindruckenden Anlagen auf mich wirken zu lassen. Ich wurde auch etwas entspannter, da ich mich immer besser in Ägypten zurecht fand – selbst mit Menschen die nur Geld mit mir verdienen und mir irgend etwas aufdrängen wollten (auch wenn ich das nicht wollte). Da ich Zeit hatte und offen war für Begegnungen mit den Ägyptern wurde ich immer wieder auf einen Tee eingeladen oder einfach nur auf ein Gespräch. Das Fahrrad bestätigte sich mal wieder als optimales Reiseverkehrsmittel, da ich überall hin kam, ohne um dem Preis für eine Pferdekutsche oder ein Taxi feilschen zu müssen und trotzdem nicht von deren Fahren angebettelt wurde. Durch die wenigen Touristen sind nämlich die Preise gefallen und auch um nur ein paar Cent zu verdienen, wird man dauernd (ohne Fahrrad) angesprochen.
Luxor ist klasse, wenn man von den doch sehr aufdringlichen Verkäufern absieht. Es ist aber eine Touristenstadt und für solche Städte mache ich diese Reise nicht. Ich will weiter, in den Sudan. Davor muss ich aber noch nach Assuan, Visa und Fährticket kaufen und mich mal richtig sortieren. Mit dem Zug bin ich für 36LE (ca. 4.5€), 3h Wartezeit und 3,5h Fahrzeit in Assuan. Ein halbwegs billiges Hotel habe ich mir schon rausgesucht. Die Tage nutze ich, um mir Assuan anzuschauen, das Visum für den Sudan zu holen und die genauen Daten für die Fähre zu bekommen.
Hier gibt es einen großen Markt, der mehr oder weniger in einer langen Gasse verläuft. Leckeres Essen, Kleider, Gewürze und alles was man zum Leben braucht kann hier eingekauft werden. Ich laufe jeden Tag mehrmals diese Gasse entlang um mir Essen zu besorgen und mich einfach treiben zu lassen. Noch mehr als in Luxor hatte ich hier Zeit. Das führte zu vielen Gesprächen mit den Händlern und als ich klar machte das ich nichts kaufen wollte, konnte man mit ihnen nette Gespräche führen. Nach ein, zwei Tagen hatte ich dann schon mehrere Händler die mich mit Namen ansprachen, wenn ich mal wieder an den Ständen vorbei ging. So hatte ich also meine Kontakte und wusste am 3. und 4. Tag wo ich Geld auf dem Schwarzmarkt (und zu welchen Preisen) wechseln konnte, wo ich ein paar Informationen über Ägypten und Assuan bekomme, wo die Sudanesischen Händler sind, um mit denen über den Sudan zu reden. Wo ich gut essen kann und bei wem ich immer einen Tee angeboten bekomme. Das bedeutet das ich für den ca. 1Km langen Markt schnell 2h brauchte um durchzulaufen, deswegen hatte ich auch meine Schleichwege und Gassen wo ich den freundlichen Händlern auch mal ausweichen konnte, wenn ich nicht so viel Zeit hatte. In diesen Tagen kam ich an gute Informationen, Sudanische Pfund und Tipps, an die ich sonst nicht so einfach gekommen wäre. Über diese Kontakte fand ich auch nach stundenlanger Suche Spiritus, den ich für meine Kochen brauche. Gut, ich bin fast gestorben bis ich den hatte, aber das kann halt passieren.
Ich Lief über den Basar und fragte die Leute, die ich schon kannte. Ein Mann lief 30 Minuten mit mir durch Assuan und fragte in Läden nach. Schließlich fuhren wir zu dritt auf einem kleinen Motorrad durch Assuan. Es kam wie es kommen musste, wenn der Fahrer sich die ganze Zeit unterhält und dabei immer wieder für mehrere Sekunden nach hinten schaut. Zum Glück fuhren wir grade relativ langsam, nur 15 – 20 Km/h, als der Fahrer mal wider nach hinten redete und schaute und dabei immer weiter nach rechts fuhr. Ich dachte, dass auf der vor uns liegenden Strecke noch genug Zeit wäre um gegenzulenken. Aber wenn man immer schön nach hinten schaut, dann eben nicht! Ca. 7 Meter vor einem geparktem Auto machte ich den Fahrer auf das kommende Hindernis aufmerksam, besser gesagt versuchte ich es. 3 Meter vor dem Aufprall, so viel war jetzt schon klar, wurde ich ein klein wenig hektischer und griff an den Lenker. Ich lenkte wenigstens etwas nach links und der Fahrer bremste noch ein bisschen, deswegen stießen wir nur mit ca. 10 Km/h, etwas seitlich aufs Auto auf. „Oh mein Gott, wenn man fährt und noch zwei weitere Personen auf dem Motorrad sind, dann schau ich halt auf die Straße, in Ägypten schon zwei mal!“ Dachte ich mir und prüfte kurz ob ich irgend wo verletzt war. Nö, mir ging es gut, aber der Fahrer hatte eine Prellung am rechten Knie und ein par Schnittwunden. Der Besitzer des Autos war auch gleich da und frage nach was das eigentlich soll (vermutete zumindest, ich spreche nun mal kein Arabisch). Was soll’s, nach ein paar Minuten Diskussion und dem wieder zurecht Biegen der leicht kaputten Autoteile, ging es weiter. Das wird hier halt anders geregelt, solange das Auto fährt ist alles gut. Licht, Kratzer und sowas können da sein, müssen aber eben auch nicht. Spiritus fanden wir in den nächsten 45 Minuten aber trotzdem nicht und ich war heil froh als ich wieder zu Fuß gehen konnte. Sicher war ich mir nämlich nicht ob es beim nächsten (sicherlich irgend wann kommenden) Unfall wieder so glimpflich ausging.
Am Abend habe ich dann noch mal jemand anderes gefragt und ich hatte nach kurzen 30 min Spiritus.
Assuan hatte ich also überlebt, nun musste ich es nur noch auf die Fähre nach Wadi Halfa schaffen. Am Sonntag stand ich früh auf, um pünktlich um 8:30 Uhr am Sudanesischen Konsulat zu sein. Fingerabdrücke (von allen 10 Fingern!) abgeben um dann gesagt zu bekommen das die Pässe erst ab 11 Uhr abholbereit seien. Klasse, nach zwei Tagen + Wochenende (Freitag, Samstag) brauchen die hier immer noch Zeit. So ganz nebenbei, an alle, die wie ich in den Ländern des Schengen-Abkommens groß geworden sind: das ist eine ziemlich geile Sache!
Immerhin kam der Chinese mit dem ich die ersten Tage fahren wollte und den ich ein paar Tage vorher getroffen hatte auch noch an. Ein Engländer, der als Backpacker nach Kapstadt will, kam auch noch ins Konsulat. Mit Ihm konnte ich die nächsten Stunden endlich einmal ordentlich reden. Gutes Englisch und sehr gute Informationen.
Um kurz nach 10 Uhr waren dann die Pässe da, das ist Afrika! Die Pässe sind halt da wenn sie da sind, und fertig.
Die 16 Km zum Hafen waren in einer guten Stunde erledigt, tüchtig Gegenwind, ordentlich Höhenmeter und schön viel Gepäck.
Auf die Fähre haben wir es erstaunlich gut geschafft und nach 6h Wartezeit bis zur Abfahrt  ging es dann endlich Richtung Sudan. Die 6h kamen mir eh nicht so lange vor. In Afrika lernt man Geduld zu haben und mit Zeit sehr entspannt umzugehen.

PS: Wo ich gerade bin kann man nachschauen, wenn man oben links auf der Webseite die drei Menüpunkte durchgeht. Im rechten Menüpunkt erscheint eine Karte mit meinem halbwegs aktuellen Standtort. Darunter könnt Ihr Euch auch für den Newsletter eintragen.

Für Bilder reicht leider die Geschwindigkeit des Wlans hier nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.