Luxor – Assuan: Es geht immer weiter südlich

Das „Bob Marley Peace Hotel“ wurde mir von einem anderen Reisenden empfohlen, völlig zurecht! Grandios ist sicherlich die Dachterrasse. Aber ich war ja nicht zum Spaß in Luxor! Wenn man schon mal da ist, muss man sich die vielen Sehenswürdigkeiten schon anschauen, oder besser gesagt ein paar davon. Es sind einfach zu viele um sie alle in ein paar Tagen zu erkunden.
Gleich am ersten Morgen stand ich um 4 Uhr auf um mich von einem Mini-Bus abholen zulassen. Eine Ballonfahrt für 30€, dass kann ich mir nicht entgehen lassen. Zumal ich die Preise für eine Ballonfahrt in Namibia kenne. Nach einem Tee und der Überfahrt auf die Westseite des Nils (Westbank) kamen wir zu dem Platz wo unser Ballon fertig gemacht wurde. Es war noch komplette Nacht, hatte aber trotzdem schon um die 15 Grad. Dann ging es los, über die Tempel und Monumente die Luxor so berühmt machen. Es war ein tolles Erlebnis und so den Sonnenaufgang zu erleben hatte auch seinen ganz besonderen Reiz.
In den nächsten Tagen besuchte ich den Luxor Tempel, Karnak, Tal der Könige und weitere Tempel. Die eigentlich eingeplanten zwei ganzen Tage reichten aber nicht und da ich es mir zeitlich leisten konnte, blieb ich einfach noch einen weiteren Tag. Ich genoß es,  länger als die anderen Touristen diese beeindruckenden Anlagen auf mich wirken zu lassen. Ich wurde auch etwas entspannter, da ich mich immer besser in Ägypten zurecht fand – selbst mit Menschen die nur Geld mit mir verdienen und mir irgend etwas aufdrängen wollten (auch wenn ich das nicht wollte). Da ich Zeit hatte und offen war für Begegnungen mit den Ägyptern wurde ich immer wieder auf einen Tee eingeladen oder einfach nur auf ein Gespräch. Das Fahrrad bestätigte sich mal wieder als optimales Reiseverkehrsmittel, da ich überall hin kam, ohne um dem Preis für eine Pferdekutsche oder ein Taxi feilschen zu müssen und trotzdem nicht von deren Fahren angebettelt wurde. Durch die wenigen Touristen sind nämlich die Preise gefallen und auch um nur ein paar Cent zu verdienen, wird man dauernd (ohne Fahrrad) angesprochen.
Luxor ist klasse, wenn man von den doch sehr aufdringlichen Verkäufern absieht. Es ist aber eine Touristenstadt und für solche Städte mache ich diese Reise nicht. Ich will weiter, in den Sudan. Davor muss ich aber noch nach Assuan, Visa und Fährticket kaufen und mich mal richtig sortieren. Mit dem Zug bin ich für 36LE (ca. 4.5€), 3h Wartezeit und 3,5h Fahrzeit in Assuan. Ein halbwegs billiges Hotel habe ich mir schon rausgesucht. Die Tage nutze ich, um mir Assuan anzuschauen, das Visum für den Sudan zu holen und die genauen Daten für die Fähre zu bekommen.
Hier gibt es einen großen Markt, der mehr oder weniger in einer langen Gasse verläuft. Leckeres Essen, Kleider, Gewürze und alles was man zum Leben braucht kann hier eingekauft werden. Ich laufe jeden Tag mehrmals diese Gasse entlang um mir Essen zu besorgen und mich einfach treiben zu lassen. Noch mehr als in Luxor hatte ich hier Zeit. Das führte zu vielen Gesprächen mit den Händlern und als ich klar machte das ich nichts kaufen wollte, konnte man mit ihnen nette Gespräche führen. Nach ein, zwei Tagen hatte ich dann schon mehrere Händler die mich mit Namen ansprachen, wenn ich mal wieder an den Ständen vorbei ging. So hatte ich also meine Kontakte und wusste am 3. und 4. Tag wo ich Geld auf dem Schwarzmarkt (und zu welchen Preisen) wechseln konnte, wo ich ein paar Informationen über Ägypten und Assuan bekomme, wo die Sudanesischen Händler sind, um mit denen über den Sudan zu reden. Wo ich gut essen kann und bei wem ich immer einen Tee angeboten bekomme. Das bedeutet das ich für den ca. 1Km langen Markt schnell 2h brauchte um durchzulaufen, deswegen hatte ich auch meine Schleichwege und Gassen wo ich den freundlichen Händlern auch mal ausweichen konnte, wenn ich nicht so viel Zeit hatte. In diesen Tagen kam ich an gute Informationen, Sudanische Pfund und Tipps, an die ich sonst nicht so einfach gekommen wäre. Über diese Kontakte fand ich auch nach stundenlanger Suche Spiritus, den ich für meine Kochen brauche. Gut, ich bin fast gestorben bis ich den hatte, aber das kann halt passieren.
Ich Lief über den Basar und fragte die Leute, die ich schon kannte. Ein Mann lief 30 Minuten mit mir durch Assuan und fragte in Läden nach. Schließlich fuhren wir zu dritt auf einem kleinen Motorrad durch Assuan. Es kam wie es kommen musste, wenn der Fahrer sich die ganze Zeit unterhält und dabei immer wieder für mehrere Sekunden nach hinten schaut. Zum Glück fuhren wir grade relativ langsam, nur 15 – 20 Km/h, als der Fahrer mal wider nach hinten redete und schaute und dabei immer weiter nach rechts fuhr. Ich dachte, dass auf der vor uns liegenden Strecke noch genug Zeit wäre um gegenzulenken. Aber wenn man immer schön nach hinten schaut, dann eben nicht! Ca. 7 Meter vor einem geparktem Auto machte ich den Fahrer auf das kommende Hindernis aufmerksam, besser gesagt versuchte ich es. 3 Meter vor dem Aufprall, so viel war jetzt schon klar, wurde ich ein klein wenig hektischer und griff an den Lenker. Ich lenkte wenigstens etwas nach links und der Fahrer bremste noch ein bisschen, deswegen stießen wir nur mit ca. 10 Km/h, etwas seitlich aufs Auto auf. „Oh mein Gott, wenn man fährt und noch zwei weitere Personen auf dem Motorrad sind, dann schau ich halt auf die Straße, in Ägypten schon zwei mal!“ Dachte ich mir und prüfte kurz ob ich irgend wo verletzt war. Nö, mir ging es gut, aber der Fahrer hatte eine Prellung am rechten Knie und ein par Schnittwunden. Der Besitzer des Autos war auch gleich da und frage nach was das eigentlich soll (vermutete zumindest, ich spreche nun mal kein Arabisch). Was soll’s, nach ein paar Minuten Diskussion und dem wieder zurecht Biegen der leicht kaputten Autoteile, ging es weiter. Das wird hier halt anders geregelt, solange das Auto fährt ist alles gut. Licht, Kratzer und sowas können da sein, müssen aber eben auch nicht. Spiritus fanden wir in den nächsten 45 Minuten aber trotzdem nicht und ich war heil froh als ich wieder zu Fuß gehen konnte. Sicher war ich mir nämlich nicht ob es beim nächsten (sicherlich irgend wann kommenden) Unfall wieder so glimpflich ausging.
Am Abend habe ich dann noch mal jemand anderes gefragt und ich hatte nach kurzen 30 min Spiritus.
Assuan hatte ich also überlebt, nun musste ich es nur noch auf die Fähre nach Wadi Halfa schaffen. Am Sonntag stand ich früh auf, um pünktlich um 8:30 Uhr am Sudanesischen Konsulat zu sein. Fingerabdrücke (von allen 10 Fingern!) abgeben um dann gesagt zu bekommen das die Pässe erst ab 11 Uhr abholbereit seien. Klasse, nach zwei Tagen + Wochenende (Freitag, Samstag) brauchen die hier immer noch Zeit. So ganz nebenbei, an alle, die wie ich in den Ländern des Schengen-Abkommens groß geworden sind: das ist eine ziemlich geile Sache!
Immerhin kam der Chinese mit dem ich die ersten Tage fahren wollte und den ich ein paar Tage vorher getroffen hatte auch noch an. Ein Engländer, der als Backpacker nach Kapstadt will, kam auch noch ins Konsulat. Mit Ihm konnte ich die nächsten Stunden endlich einmal ordentlich reden. Gutes Englisch und sehr gute Informationen.
Um kurz nach 10 Uhr waren dann die Pässe da, das ist Afrika! Die Pässe sind halt da wenn sie da sind, und fertig.
Die 16 Km zum Hafen waren in einer guten Stunde erledigt, tüchtig Gegenwind, ordentlich Höhenmeter und schön viel Gepäck.
Auf die Fähre haben wir es erstaunlich gut geschafft und nach 6h Wartezeit bis zur Abfahrt  ging es dann endlich Richtung Sudan. Die 6h kamen mir eh nicht so lange vor. In Afrika lernt man Geduld zu haben und mit Zeit sehr entspannt umzugehen.

PS: Wo ich gerade bin kann man nachschauen, wenn man oben links auf der Webseite die drei Menüpunkte durchgeht. Im rechten Menüpunkt erscheint eine Karte mit meinem halbwegs aktuellen Standtort. Darunter könnt Ihr Euch auch für den Newsletter eintragen.

Für Bilder reicht leider die Geschwindigkeit des Wlans hier nicht.

Fahrradfahren – in dem Verkehr?!

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Ich stand am Morgen (10.11.) auf meinem Balkon und schaute auf die Straße runter. Der Verkehr wurde immer dichter und ich war am überlegen ob ich wirklich hier Fahrrad fahren wollte. Hmmm,  irgendwann musste ich halt mal damit anfangen, es sollen ja noch ein paar Kilometer folgen. Also was soll’s, Fahrrad aus dem 5. Stock runter getragen und den Verkehr noch mal ein, zwei Minuten beobachtet. Jetzt gab es kein zurück mehr! Einfach in die Pedale treten und plötzlich war ich mitten drin im Gewusel. Gut, drei- vier-hundert Meter habe ich schon gebraucht, aber dann war ich in meinem Element. Es macht so viel Spaß in diesem Verkehr mit dem Fahrrad zu fahren! Man kann jede Lücke nutzen die einem die Autofahrer lassen und ist damit sicher doppelt so schnell. Sicherheitsabstand ist nicht vorhanden, aber das passt schon, es gibt es halt mal keine Sicherheit. In Deutschland Fahrrad zu fahren erscheint mir als langweilig, weil alles geregelt ist und Sicherheit immer an erster Stelle liegen soll. Hier passt man halt auf und gut ist.

Ich mache mich als erstes auf den Weg zum Hauptbahnhof, um mir ein Zugticket nach Luxor zu kaufen. Nach ca. 1 Stunde Anstehen wurde mir gesagt, dass Touristen kein „normales“ Zugticket bekommen, nur für den Schlafwagenzug (6-7x so teuer). Nach ein paar Minuten Diskussion dann die Info, dass man das Ticket doch auch an einem Automaten kaufen könne. Nach 4 mal Ausprobieren gab ich gefrustet auf. Dann mach ich das halt Morgen – dachte ich mir.

Als nächstes hatte ich mir vorgenommen das islamische und koptische Viertel anzuschauen. Bis zu 1400 Jahren alt ist das islamische Viertel und heute zum Teil ein Markt.  Mir wird wieder überall versucht etwas zu verkaufen, aber ich treffe auch viele nette Leute. Meine Kamera erregt manchmal mehr Aufmerksamkeit als mir lieb ist, aber ich bekomme so auch ein paar nette Bilder von Menschen (eigentlich nicht so meine Sache). Als ich zurück zum Fahrrad komme sehe ich das jemand versucht hat, die Zahlenkombination zu knacken. Naja, das Fahrrad ist ja noch da.

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Aber jetzt, ich kaufe mir doch mal was zutrinken. Ein Liter Cola für ca. 0,75€, dass ist schon in Ordnung.

Am Abend gehe ich wieder raus, ich liebe diese Nachtleben hier. Es ist immer was los und man kann an so vielen kleine Straßenständen Essen kaufen.

Da der Verkehr kein Problem mehr darstellt, fahre ich am nächsten Tag zu den Pyramiden. 16 Km die mir wieder richtig viel Spaß machen. Was genau so Klasse ist? Dass ich Ecken zu sehen bekomme, die man sonst eben nicht sieht. Kleine Märkte, Gassen und Straßen in denen das Leben pulsiert.

Bei allem Spaß hier zu fahren, man muss sich aber schon auf den Verkehr konzentrieren. Irgend wann schau ich wieder mal hoch und sehe plötzlich die erste der großen Pyramiden. Wahninn, einfach nur gigantisch. Das haut einen echt um. Ich fahre bis zum Eingang der Pyramiden. Dem Angebot, mir in einer Kutsche das Gelände anzuschauen und einen Führer zu haben, entkomme ich nicht. Das führt aber zu ein paar netten Bildern von mir und ich habe die Gewissheit, dass mein Fahrrad halbwegs sicher ist. Nur genießen kann ich es trotzdem nicht, da es einfach zu viele Leute gibt, dir mir irgend etwas verkaufen wollen und so ganz sicher bin ich mir mit dem Fahrrad dann auch wieder nicht. Es ist aber natürlich trotzdem ein besonders Erlebnis und beeindruckend sowieso.

Der Abend verläuft wie immer, ich gehe raus, erkunde ein bisschen die Gegend und esse etwas. Lasse das leben hier auf mich wirken und beobachte die Menschen.

Am nächsten Tag: Es gibt zwei Sachen die man in Kairo gehen haben muss! Die Pyramiden, klar und das Ägyptische Nationalmuseum welches heute auf meinem Plan steht. Einen Weg wie ich nach Luxor komme brauche ich aber auch noch, da ich definitiv kein Zugticket für den normalen Zug bekomme.

Das Ägyptische Museum ist beeindruckend, da es voll von Statuen, Mumien, Särgen, Schriftrollen und Dingen aus der Zeit der Pharaonen ist. Leider wird Vieles aber angefasst und das Museum auch nicht richtig sauber gehalten, Afrika halt.

Das Problem mit dem Transportmittel nach Luxor muss ich nun noch klären. Ich denke mir, dass ich mal in meinem Hostel nachfrage. Auf dem Weg zurück zum Hostel werde ich mal wieder angesprochen, von zwei Jungs. Wir reden ein bisschen und ich erkläre Ihnen mein Problem. Sie fragen mich daraufhin, warum ich nicht den Bus nehme. Ich denke mir, warum eigentlich nicht? Sie zeigen mir wo das Busunternehmen seine Tickets verkauft und kurze Zeit später habe ich dann tatsächlich mein Ticket. Ich soll zwar noch 100 LE zusätzlich für mein Fahrrad zahlen aber gut, kann man halt nichts machen.

Abends packe ich mein Gepäck, um am nächsten Morgen zum Bus zu fahren. Ich frage mich durch, welcher Bus der nach Luxor ist und dann habe ich auch bald mein Fahrrad und Gepäck verpackt. Wegen den Extrakosten für mein Fahrrad sage ich erstmal nichts und mir wird gesagt, dass das Fahrrad 50 LE extra kostet und ich denke mir: alles richtig gemacht. Fernbus fahren in Ägypten ist wirklich klasse. Die Busse entsprechen dem deutschen Standard und es gibt sogar Essen und Trinken, das von einem dritten Mitarbeiter (neben zwei Fahrern) gebracht wird.

Die Fahrt durch die Wüste ist klasse und ich genieße es wieder blauen Himmel zusehen. Am Abend kommen wir dann in Luxor an, davon berichte ich dann aber morgen…

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Kairo – der erste ganze Tag

Es geht mir erstmal nicht anders als den meistens Touristen, denn die Zeit vergeht im Flug. Fünf Tage in Kairo und 4 in Luxor sind schon wieder vorbei. Jetzt bin ich am nördlichen Zipfel des Nasser Stausees in Assuan und um viele Erfahrungen reicher. In den kommenden Tagen werde ich weitere Berichte zu den letzten Tagen nachtragen.

Aber alles der Reihenfolge nach. Nachdem ich erst um 3 Uhr am Montagmorgen ins Bett kam, habe ich erst einmal schön ausgeschlafen. Nach einem mittelmäßigen Frühstück im Hostel, beschloss ich den ersten ganzen Tag für einen Spaziergang durch Kairo zu nutzen. Ich machte mich mit meiner Kamera auf und nahm Kurs auf den Tahrir-Platz. Das Symbol des Kampfes für die Demokratie ist zum größten Teil ein großer Kreisel, nichts besonderes also. Ich knipste ein paar Fotos und lief weiter in Richtung Nil.

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Kurz bevor ich über die Brücke laufen wollte, kam mir ein Mann entgegen und sprach mich, als er schon fast an mir vorbei war, an und sagte, dass ich besser nicht hier über die Brücke gehen solle. Es gäbe weiter vorne eine Ansammlung von Menschen und die Polizei sei auch schon da. Ich antwortete, dass ich sowieso erst am Nil entlanglaufen möchte und fragte, wo man besser laufen könne, Richtung Süden oder Norden. Der Mann erklärte mir den Weg und wie das eben in einer so großen und komplett fremden Stadt ist, war ich mir nicht ganz sicher gewesen, wohin ich jetzt genau gehen sollte. Kein Problem. Der Mann führte mich ein paar Meter, dass lag ohnehin auf seinem Heimweg. Nach 200 Metern blieben wir vor einem Souvenirladen stehen und er lud mich dorthin ein. Er ist nicht nur Künstler, sondern auch Ladenbesitzer. Mir wurde ein Tee gebracht und ein Bild auf Papyrus geschenkt. Er musste weiter zu seinem nächsten Lande, aber sein Bruder wollte, dass ich seine Arbeit bewertete. Er zeigte mir weitere handgemalte Bilder auf echtem Papyrus. Er fragte nach denen, die mir gefielen. Da ich nicht unhöflich sein wollte, tat ich ihm diesen Gefallen, auch wenn ich immer misstrauischer wurde. Wir redeten weiter und nachdem er zwei Bilder mit den Namen meiner Eltern auf Arabisch beschriftet hatte, wurde es erst richtig interessant. Das sollte ein Mitbringsel für meine Eltern werden, das ich aber erst einmal bezahlen sollte. Gott sei Dank, hatte ich das meiste Geld in meinem Geldgürtel versteckt und deswegen nur 18 LE (gut 2€) plus 10$ im Geldbeutel. Wir verhandelten (auch wenn ich im Nachhinein gar nicht weiß warum, weil ich sowieso nichts aufs Fahrrad mitnehmen werde) und letztendlich kam ich dann mit dem einem (eigentlich geschenkten Bild) für 18 LE davon. Gut, einen Tee und eine Lehrstunde bekam ich auch noch dafür, also war der Deal gar nicht so schlecht. Es ist trotzdem immer wieder beeindruckend, wie raffiniert diese so genannten Schlepper vorgehen. Ich bin nicht dumm und habe auch schon von dieser Vorgehensweise gehört. Das war aber so raffiniert gemacht, dass ich an meinem ersten Tag in Ägypten dieser nicht entkommen konnte. Das es sich nicht um echte Handarbeit oder echtes Papyrus handelte wurde mir in den nächsten Tagen klar, da mir immer wieder die gleichen Bilder angeboten wurden und mir mehrmals von unabhängiger Seite gesagt wurde das es sich um Bananenpapier handelt.

Etwas genervt lief ich an den Nil und plötzlich sah ich einen Vogel vor mir fliegen. Hä? Was? Mit Wildlife habe ich hier nicht gerechnet, aber es war tatsächlich ein Eisvogel, der hier sein Jagdrevier hat. Ich schaute ihm ein paar Minuten beim Jagen zu. Da ich dann aber endlich über den Nil wollte, lief ich über die Brücke, vor der mich der Mann gewarnt hatte. Doch an der Brücke war natürlich gar nichts. Ich ließ die Stadt auf mich wirken und hatte genug Zeit, auch mal in die kleinen Gassen zu gehen. Es ist eine riesige Stadt, die meiner Meinung nach aber nicht wirklich schön ist. Nach einem 6 stündigen Ausflug war ich platt und machte eine kleine Pause im Hostel.

Mir fiel plötzlich auf, dass ich das letzte Mal richtig am Münchner Flughafen etwas getrunken und gegessen habe. Also ging ich in der Nacht wieder raus und aß lecker an einem der unzähligen Straßenläden. Es war eine Art Hotdog, bloß mit einem richtigen (kleinem) Stück Fleisch. Zwei davon für nur 2,5 LE, dass war billig und ich musste nicht mal um den preis feilschen, was mir sehr gefiel. Vier bis sechs machen sogar satt, d.h. Abendessen für knapp 1€. Ich hatte trotzdem keine Lust mehr um Trinken zu fragen und eventuell zu feilschen und ließ es dann einfach bleiben.

Am ersten richtigen Tag in Kairo hatte ich schon viel erlebt. Ich wurde fast über den Tisch gehauen, hatte schöne kleine Märkte gesehen und lecker gegessen. Viele nette Menschen getroffen aber auch solche die nur an mein Geld wollten. Alles in allem aber trotzdem ein guter Start in Ägypten.

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Tag 1

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Es ist schon merkwürdig, wenn man für Jahre auf etwas hinarbeitet und plötzlich steht das Ereignis vor der Tür. Ich habe diesen Punkt heute erreicht und damit den Beginn meiner Reise durch Afrika.

Die letzten Tage und Wochen waren stressig. Ich musste viel und lange im Internet recherchieren, Ausrüstung kaufen, Papierkram erledigen und vor allem durfte ich nichts auch nur halbwegs wichtiges vergessen! Leichter gesagt als getan, denn wer weiß, was ich wirklich alles brauche? Dazu kam, wie üblich bei mir, dass ich erst so richtig intensiv mit der Vorbereitung begann, als ich den Zeitdruck spürte. Trotzdem, die letzten drei Wochen habe ich mich jeden Tag intensiv mit der Reise beschäftigt, die ich jetzt begonnen habe.

Mittwoch der 4. November war mein letzter ganzer Tag in Nufringen. Ich musste letzte Impfungen und Besorgungen machen, um dann am Nachmittag in meinem Zimmer zu stehen, mit mehreren Kisten Material, das potenziell für die Reise in Frage kam. Jetzt haben mir genau zwei Dinge geholfen: Eine genaue Liste mit dem was ich alles brauche und nach der ich alles gepackt habe und mein Freund Florian, der mir beim Packen, sortieren, Fahrrad flugfertig machen und am Ende alles ins Auto laden, geholfen hat. Bemerkenswert ist hierbei auch, dass wir danach gleich Frühstücken gehen konnten.

Der schon angebrochene Donnerstag war der Tag des Aufbruchs. Da mein Flieger von München nach Kairo ging, konnte ich meine Verwandtschaft in München noch einmal besuchen und allen auf Wiedersehen sagen. Es waren merkwürdige Tage, da ich kurz davor stand, die mit Abstand größte Reise meines bisherigen Lebens zu beginnen und ich andererseits fast nichts mehr zum Vorbereiten hatte. Ich musste mich voll und ganz darauf verlassen, dass der über Monate verbesserte Plan auch alles beinhaltet was ich brauche, den im Kopf durchgehen und noch ein zwei Dinge mehr mitnehmen, geht hier nicht mehr. Es war trotzdem noch eine schöne Zeit, obwohl ich mit den Gedanken manchmal schon in Afrika war.

Sonntag der 8. November, oder Beginn meines Traums. Nach einem entspannten Frühstück bei meiner Tante und meinem Onkel, fuhren wir zum Flughafen München. Jetzt musste schon in Stunden bis zum Abflug gerechnet werden. Das Verpacken des Fahrrades hatte schnell und problemlos geklappt. Kurz darauf war es auch neben meinem zweiten Gepäckstück, mit der ganzen Ausrüstung, aufgegeben. Verabschiedungen fallen selten leicht, hier besonders da klar war, für wie lange diese gelten soll. Irgendwann musste ich dann aber doch durch die Personenkontrollen und war ab dann auf mich alleine gestellt. Zwei Handgepäckstücke, die zusammen ca. 13kg wiegen, durfte ich zwar nicht mitnehmen, nur kontrolliert hat es auch keiner. Dadurch konnte ich problemlos mit Überhandgepäck ins Flugzeug einsteigen. Ca. 14:20 Uhr (ganz genau weiß ich es nicht mehr), kam der Moment, wo der Flieger vom Boden abhebte und man genau weiß, jetzt beginnt es also. Der Flug war an sich so unspektakulär, wie er eben nur sein kann, wenn man fast die ganze Zeit über einer kompakten Wolkendecke fliegt. Immerhin war der Sonnenuntergang beeindruckend, auch wenn ich auf der falschen Seite saß. Betonen muss man auch, was für eine enorme, gigantische und einfach unfassbar riesige Stadt Kairo ist. Wir sind bestimmt die letzten 30 min (irgendwie der gesamte Landeanflug) über Kairo geflogen. Ok, wir haben einen Bogen über Kairo gemacht, trotzdem, einfach nur wahnsinnig!

Jetzt also hoffen, dass ich es mit all meinen Sachen bis ins Hostel schaffe. Das Visum ist schnell gezahlt und der Einreisestempel ist wenig später auch im Reisepass. Jetzt kommt das Gepäck, hoffentlich zwei Gepäckstücke und beide unversehrt. Bei einer einfachen Tasche mag das üblich sein, bei Fahrrädern habe ich da aber auch schon viele andere Geschichten gehört. Ich komme zum Band und da steht schon ein Wagen mit meinem Fahrrad im riesigen Kanton. Der Sack mit der Ausrüstung ist auch schon da, also kann es gleich weiter gehen. Doch bevor es das tut, will der ägyptische Zoll noch einmal meine Sachen kontrollieren. Fahrrad aus dem Karton geholt, alles gut. Sonstiges Gepäck geprüft, passt auch alles. Jetzt versuche ich, den sehr schlecht englisch sprechenden Zöllnern klar zu machen, dass sie das Fahrrad nicht wieder in den Karton einpacken müssen. Das geht aber schief und kurze Zeit später stehe ich wieder mit dem Fahrrad im Karton da. Schon klar, jetzt wollen sie Geld dafür, dass sie mir alles wieder eingepackt haben. Ich, keine Lust auf schlecht gelaunte Zöllner, gebe ihnen meinen einzigen kleinen ägyptischen Pfundschein (10 Pfund = 1,20€) und laufe in den öffentlichen Teil des Flughafengeländes. Jetzt passiert das was jedem Tourist, der sich nicht ganz sicher ist wo er hin muss, passiert. Er wird von mehreren Taxifahrern umringt, die alle das Gepäck nehmen wollen und einen unverschämt hohen Preis anbieten, als ob es der Beste von allen wäre. Ich schaffe es aber mein Gepäck bei mir zu behalten und handel die Taxifahrt wenigstens auf 100 Pfund runter. Mehr will ich dann auch nicht handeln, da ich ein Fahrrad habe (welches erst mal in ein Auto passen muss) und keine Lust habe, wegen 1 oder 2 Euro, meine Fahrt aufs Spiel zu setzen. Bei den 20 km Fahrt in die Innenstadt (der Flughafen liegt auch schon in Kairo) bekomme ich zum ersten Mal ägyptische Verkehrsverhältnisse mit. Es ist der Wahnsinn – eine Fahrbahn, bei der in Deutschland Platz für zwei Autos nebeneinander wäre, reicht hier für 4 Autos und Überholmanöver auf beiden Seiten noch dazu. Der Abstand zum nächsten Auto, rechts oder links, beträgt so viel, dass die Spiegel sich gerade so nicht berühren. Nach vorne und hinten sind es 1 oder 2 Meter, zumindest so lange man unter 60 km/h fährt. 110 km/h innerorts auf einer eigentlich vollen Straße ist aber eben auch dann drin, wenn man mal ein paar hundert Meter freie Bahn hat. Nach etwas längerer Suche komme ich dann sogar am Hostel an und checke ohne Probleme ein.

Nachdem ich kurz zuhause Bescheid gegeben habe, dass ich gut angekommen bin, gehe ich noch einmal los um mir die Stadt anzuschauen oder wenigstens ein paar Straßenzüge, denn es ist schon 22 Uhr. Nach ein paar hundert Metern spricht mich ein Mann an und fragt, was ich mache. Ich antworte kühl und achte, wo ich mein Geldbeutel und Handy habe. Es stellt sich dann aber heraus, dass ich auf einen netten Zeitgenossen gestoßen bin, der mich erstmal zum Tee trinken einlädt und mir dann noch beim Bäcker ein bisschen Gebäck besorgt, natürlich zum ägyptischen Preis. Alles in allem ein wirklich gelungener erster Tag, an dem ich nicht beklaut oder völlig übers Ohr gezogen wurde. Die nächsten Tage können kommen und ich kann es jetzt nicht mehr erwarten endlich aufs Fahrrad zu steigen!

Vielen Dank an alle die mir geholfen haben hierherzukommen. Natürlich gilt das besonders für meine Eltern, aber auch für alle anderen, die mir in den letzten Jahren irgendwie geholfen haben.

Gruß aus dem immer lebendigen Kairo,
Lukas

P.S.: Die Rechtschreibung mag ja nicht perfekt sein, aber es ist jetzt auch halb 3 Nachts und damit müsst ihr halt leben :).