Nordkenia bis Nairobi

Erst ist niemand da. Ich suche nach dem richtigen Büro und dann den dazu gehörigen Officer. Nach 20 Minuten habe ich das geschafft – nur es gibt keinen Strom. Powercut! Man gewöhnt sich in Afrika wieder daran, dass es halt grade mal keinen Strom gibt. Wie lange dauert das normalerweise? „Don’t know“, antwortet mir der Beamte. Ich setze mich also in den Schatten und warte. Nach 1 Stunde gibt es dann aber wieder Power und ich werde innerhalb weniger Minuten ausgestempelt. Jetzt kommt Kenia. Ich fahre die paar Meter zum Immigration Office. Ein Sicherheitsbeamter sitzt da mit seiner AK-47 und sagt mir, in sehr gutem Englisch, dass gerade niemand da ist, die sind alle beim Mittagessen. Ich staune etwas, sowas bin ich aus den letzten beiden Ländern nicht gewöhnt. Ein einfacher Sicherheitsbeamter spricht richtig gut Englisch. Nur muss ich jetzt wieder warten. Nach zwei Stunden (ist eine ganz schön ordentliche Mittagspause) kommt dann der Immigration Officer und nach weiteren 10 Minuten bin ich offiziell in Kenia. Land Nummer 4 und das erste in Ostafrika.Ich will die nächsten 500 km mit dem Bus fahren. Erstens, ist die Gegend nicht ganz sicher und besonders vor ein paar Jahren gab es immer wieder Überfälle und Zwischenfälle, weil sich in der Gegend Al-Shabab-Mitglieder aus Somalia rumtreiben. Zweitens, sind es 500 km, wo fast nichts außer Wüste ist. Es gibt eine richtige Stadt genau in der Mitte und noch ein paar weitere kleine Polizei/Militär-Stationen. Das heißt, es wird schon mit dem Wasser problematisch und der Wind weht auch in die falsche Richtung. Bevor ich den Bus nehme, muss ich aber noch zum ATM (Bankautomaten) und Geld abheben. Ich werde natürlich von vielen Menschen umringt, die mir den besten Wechselkurs anbieten, den es je gab (habe aber nichts was ich wechseln will) und mir, ohne dass ich was gesagt hätte, helfen wollen ein Busticket zu kaufen. Ich weise alle ab und kaufe mir ein Ticket, ohne Hilfe und ohne Probleme. Das ist das erste mal, dass ich bei einer Busfahrt nicht verhandeln muss, sondern gleich den richtigen Preis bekomme. Das weiß ich, weil ich mich vorher bei verschiedenen Personen erkundigt habe. Mein Fahrrad wird schon auf den Bus gepackt und mein Gepäck in einen großen Sack gesteckt. Dann kommt das, was immer kommen muss. Ich soll für die Dienste zahlen. Ich habe aber nur 1000 (Kenianische Schilling) Scheine (ca.9€). Der Bus fährt aber gleich los und ich weiß, dass ich das Rückgeld nicht bekommen würde. Ein angemessener Preis wären 100 Schilling. Ich behaupte einfach, dass ich kein Geld mehr habe, da ich erst einmal 2000 vom ATM abgehoben habe. Ein Weißer hat aber immer Geld und so wird mir das nicht wirklich abgenommen. Dann fährt der Bus langsam los und ich wühle mich durch die Menschen und springe auf. Wenn ich nicht gefragt werde, ob man etwas für mich machen soll und dann Geld verlangt und das auch nur bei Weißen macht, kann ich das nicht ausstehen. Deswegen macht es mir nichts aus, dass ich den „Helfern“ nichts gezahlt habe. Diese Arbeit kann ich nämlich auch alleine machen. Das System, das diese Menschen anwenden funktioniert trotzdem oft genug. Die meisten Reisenden und Touristen würden nämlich etwas zahlen und meistens zuviel.

Ich mag Busfahrten in Afrika nicht (Ägypten war eine Ausnahme). Es ist heiß und zu voll. Wenigstens haben die Chinesen hier eine schöne neue Straße gebaut. Noch vor 6 Jahren waren die 500 km eine Scheiß-Straße für die man zwei ganze Tage gebraucht hat. Busse gab es damals auch noch keine. Die Landschaft zieht an mir vorbei und ich sehe die ersten Strauße und Impalas. Es ist eine Geröllwüste und man sieht immer wieder Hirten mit ein paar Kühen oder Ziegen. Was die hier essen, bleibt mir allerdings schleierhaft.

Wüste

Wüste

Es wird dunkel und ich bin müde. Schlafen kann ich in dem ruckelnden und viel zu heißen Bus aber nicht. Nach über 10 Stunden Fahrt kommen wir in Isiolo, nachts um halb 2 an. Ich bin platt und finde gleich eine günstige Unterkunft. Danach gehe ich noch kurz ne Runde essen und falle dann um halb 3 tot ins Bett.

Am nächsten Morgen hebe ich mehr Geld ab und setze mich etwas vor ein Hotel, weil ich so freies Wifi bekomme. Ich höre, dass man den Mt Kenia schon von der Stadt aus sehen kann und kann es kaum erwarten loszufahren, um diesen Berg zu sehen. Ich fahre an diesem Tag nur 40 km aus der Stadt in ein kleines Dorf wo ich eine nette Unterkunft finde. Auf dem Weg taucht er dann auf. Noch weit weg und trotzdem beeindruckend. Der erste 5000er, den ich sehe und der zweithöchste Berg in ganz Afrika.

 

Richtung Mt. Kenia

Richtung Mt. Kenia

Mt. Kenia am Morgen

Mt. Kenia am Morgen

Man hat immer wieder Glück und man bekommt ein schönes Zimmer und nette Gastgeber in einer schönen Gegend zu einem günstigen Preis. Hier ist das der Fall und hätte ich nicht das Ziel, bald in Nairobi einzufahren, würde ich hier vielleicht sogar zwei Nächte bleiben.

Am nächsten Tag geht es anfangs die ganze Zeit bergauf und immer in Richtung Mt Kenia. Ich muss schon ganz schön kämpfen und ich fahre sicher deutlich über 1000 Höhenmeter auf über 2000 bis 2500 Meter. Es sieht fast wie in Europa aus, Polen zum Beispiel. Es wird mit Mähdreschern gearbeitet, die ersten, die ich auf dieser Tour sehe. Es fliegen tausende Störche durch die Luft und noch viele weitere sitzen am Boden und suchen nach dem nächsten Snack.

Überall Störche

Überall Störche

Die Pause mache ich am höchsten Punkt und so geht es wieder leicht bergab nach Nanyuki. Der Äquator ist jetzt nicht mehr weit und nachdem ich einen Platz zum Schlafen gefunden habe, suche ich einen Barbier. Ich denke mir, der Bart, den ich die letzten 2 Monate habe wachsen lassen, muss weg. Die Haare will ich auch gleich mal schneiden lassen. Ich will ja halbwegs ordentlich aussehen, wenn ich das obligatorische Bild von mir und dem Äquator (Schild) mache. Für nicht mal 2 Euro kommen erst die Haare dran und dann der Bart. Was für ein angenehmes Gefühl.

Am nächsten Tag geht es raus aus der Stadt und nach gerade mal 500 m sehe ich das Ende der nördlichen Hemisphäre. Ich halte und irgendwie ist es merkwürdig, oder eben wie jedes Mal. Diese Schilder stehen irgendwo und zeigen etwas Besonderes an. Nördlicher und südlicher Wendekreis, Wasserscheiden oder eben der Äquator. Sehen tut man aber gar nichts, und trotzdem weiß man, dass man eine wichtige Linie übertritt. Ich mache also das übliche Foto, rede mit ein paar Souvenir-Verkäuferinnen und fahre dann weiter.

Der Äquator

Der Äquator

Es bilden sich richtige Wolken und etwas später bin ich tatsächlich zum ersten Mal im Regen. Ich hatte zwar schon zwei, drei mal „Regen“ auf dieser Tour gehabt, aber das war immer nur für max. 2 Minuten und ich war auch immer in einem Hotel oder Restaurant. Jetzt habe ich also nach weit über 100 Tagen das erste Mal wieder richtigen Regen und muss mir einen Platz zum Warten suchen. Es regnet so stark, dass ich fast nichts sehe und ich keine Lust habe überfahren zu werden, weil es den Autofahrern genauso geht (angepasste Geschwindigkeit gibt es nicht). Kalt wird es auch und so ist das kleine Restaurant, das ich finde, klasse. Ich esse, trinke heißen Tee und warte bis alles vorbei ist.

Wolken und Regen

Wolken und Regen

Dass es hier regnet, liegt am Mt Kenia. Die Luft kommt vom Indischen Ozean und steigt hier ordentlich hoch. Dann kühlt die Luft ab und kann so weniger Wasser halten. Bedeutet: Regen.

Die nächsten Tage fahre ich bis Nairobi. Am Ende sogar auf einer dreispurigen Autobahn. Ich glaube, dass hier Fahrrad fahren nicht mehr erlaubt ist, Regeln haben in Afrika aber eh nichts zu bedeuten.

Nairobi

Nairobi

Ich fahre zufälligerweise an einem Sonntag in die Stadt, das hat den großen Vorteil, dass deutlich weniger auf den Straßen los ist. Ich bin zwar nicht so ganz von einem Stau betroffen, aber da ist es trotzdem angenehmer. In Nairobi ist Wochentags nämlich ein Megastau. (Stuttgart, London usw. sind angenehm dagegen). Ich gehe zur Jungle Junction, ein Overlander-Platz und Campingplatz, den fast alle Afrikareisenden kennen. Das hat auch seine Gründe, die dann im nächsten Bericht genannt werden.

Addis bis zur Grenze zwischen Äthiopien und Kenia

Von Addis Abeba habe ich also nicht ganz so viel, aber das war nicht so schlimm, da es mich eh wieder aufs Fahrrad zieht. Die Stadt ist zwar interessant mit dem ganzen Leben, aber irgendwie sind die Unterschiede zwischen den Städten nicht so groß. Gut, hier gibt es schon besonders viele Prostituierte, die auf dem Gehweg stehen und auf Kunden warten und viele dunkle Gassen, in denen noch richtig Leben ist (bloß kein Strom). Ich will aber das eigentliche Äthiopien sehen, in diesem Fall den Süden.Ich werde noch von zwei Israelis zum Essen eingeladen, welches sie selber gekocht haben. Nach einem sehr leckeren und netten Mittagessen fahre ich zur kenianischen Botschaft. Ich muss zwar eine Stunde warten, bis der nette Herr im Anzug mir den Reisepass inklusive Visum für Kenia gibt, aber dann kann ich nach 4:00 Uhr noch los und raus aus dieser „Hauptstadt“ Afrikas.

In dem Verkehr dieser großen Stadt komme ich zwar deutlich schneller als die Autos voran, es dauert aber immer noch über 1 1/2 Stunden, bis ich aus der eigentlichen Stadt raus bin. Am Abend geht das übliche Spiel wieder los. Ich schaue und frage mich zu einer Unterkunft durch, muss aber immer aufpassen, dass mir nicht zuviel „geholfen“ wird, da sonst wieder nach Geld gefragt wird. An diesem Abend dauert es besonders lange und die Sonne ist schon längst untergegangen, aber am Ende habe ich ein Bett und gutes Essen.

China ist überall in Afrika

China ist überall in Afrika

Überfahrene Tiere sieht man immer wieder

Überfahrene Tiere sieht man immer wieder

Die nächsten Tage fahre ich nur wenige Kilometer pro Tag, irgendwie habe ich keine Lust das Fahrrad zu bewegen. Ich schaffe es bis zum See Langano und mache dort einen guten Tag Pause. Der See an sich ist schon klasse, da kein Bilharzia, sehr flach und von Bergen auf der anderen Seite umsäumt. Der Strand ist aber noch besser: Palmen, Sand und mein Zelt gleich am Wasser. Als dann noch eine Overlanderfamilie mit ihrem Truck kommt, wird es so richtig gut, eigentlich ist es nämlich langweilig allein nichts zu tun. Die französische Familie ist seit 3 Jahren in Südamerika und Afrika unterwegs mit Kindern im Alter von 8 und 10 Jahren. Wir essen selbst gebackenes Brot und frisch gefangenen Fisch, der über dem Feuer gegrillt wurde. Es ist einfach klasse andere Leute zu treffen, die etwas Ähnliches machen wie ich, weil man dann Informationen austauschen kann und so viele Geschichten zu erzählen hat. Wenn man mit Leuten spricht, die so eine Reise noch nicht gemacht haben, dann bleibt man immer an der Oberfläche und spricht von Ländern oder vom ganzen Kontinent. Mit anderen Langzeitreisenden spricht man dann über diesen und jenen Platz, über die Straßenverhältnisse oder über andere Reisende, die man unabhängig von einander getroffen hat. Das Ganze am Feuer unterm Mond führt zu langen Abenden.

Am See Langano

Am See Langano

Nach über 1 1/2 Tagen verlasse ich das Camp schon wieder, weil ich nichts zu essen habe und ich eh weiter will.

Ich fahre die nächsten zwei Tage bis Awassa. Eine nette kleine Stadt an einem weiteren See. Kurz nach Awassa wird die Straße aber schlecht. „Under construction“ heißt hier aber, dass man die ganze Zeit auf schlechtem Gravel (Steine/Sand/Staub) fährt und man nichts sieht, weil so „viele“ Lastwagen und Busse fahren und deswegen die ganze Zeit eine Staubschicht über der Straße liegt. Atmen kann man auch nicht richtig und heiß ist es sowieso. Mir ist das zu blöd und ich halte Busse an, bis ich den richtigen gefunden habe, der in meine Richtung geht. Am folgenden Tag nehme ich nochmal den Bus und überbrücke so 180 km, was aber nicht heißt, dass ich angenehm reise. Der Bus, ähnlich wie ein VW-Bus, wird vollgepackt mit Leuten (16-20) und heiß ist es in dem Bus auch. In einer Stunde bringen wir durchschnittlich 25km hinter uns (mit den kurzen Stopps). So bin ich mindestens genauso froh aus dem Bus auszusteigen, wie nach einem Fahrtag vom Fahrrad.

Fast schon Regenwald

Fast schon Regenwald

Jetzt kommen die letzten 300 km in Äthiopien mit jeweils einer etwas größeren Stadt nach 100 km, das heißt jeden Tag 100 km. Ich fahre los und am Anfang durch einen Wald, der fast schon Regenwald ist. Die Landschaft öffnet sich dann nach den ersten 30-40 km und wird immer trockener. Es macht richtig Spaß Fahrrad zu fahren, denn die Straße ist gut und obwohl ich auf der Hauptverkehrsroute zwischen Nord- und Zentral-Ostafrika bin, sehe ich nur alle 15 Minuten mal einen Lkw oder ein Auto. Die Landschaft erinnert immer mehr an Namibia und am Abend komme ich nach 100 km am Tagesziel an. Guesthouse suchen, duschen und etwas essen. Um 9 schlafe ich bereits, um am nächsten Tag wieder früh aufzustehen. 6 Uhr und ich bin wach! Ohne Wecker stehe ich trotzdem früher auf, als wenn ich in die Schule gehen müsste. Man gewöhnt sich eben daran den Tag im Rhythmus der Sonne zu leben. Die Uhrzeit spielt für mich fast keine Rolle, es ist bloß diese Gewohnheit am Morgen erstmal auf die Uhr zu schauen. Sonst sehe ich die Sonne und weiß, wie lange der Tag noch geht, mehr brauche ich nicht.

Ich fahre los und habe wieder viel Spaß. Die Gegend wird immer abgelegener und trockener. Ich sehe immer wieder interessante Vögel wie Racken, Greife aber auch Mangusten (Säugetiere). Ich sehe etwas im Augenwickel und halte gleich an. Tatsächlich, die ersten großen Antilopen: Gerenuks, Giraffengazellen, eine sehr elegante Art, die mit dem langen Hals und auf zwei Beinen stehend, Blätter hoch oben erreichen kann. Höher kommen nur Elefanten und Giraffen. Klasse, endlich geht das „Tierafrika“ los. Ich sehe diese schönen Tiere noch zwei weitere Male und freue mich schon auf die ersten Giraffen und Zebras.

Die ersten großen Wildtiere. Giraffengazellen

Die ersten großen Wildtiere. Giraffengazellen

So hoch kommt sein keiner

So hoch kommt sein keiner

Meinen ersten Gaukler (Greifvogel) auf dieser Tour sehe ich am nächsten Tag. Kurz darauf mache ich eine Pause in einem sehr kleinen Dorf. Es gibt einen Laden, wo ich etwas zu essen und zu trinken bekomme. Jemand erzählt mir von einem Platz, wo die Viehtränke ist, nur unweit von hier. Ich denke mir, dass Vieh Wasser bekommt, dürfte wohl nicht so selten hier sein, aber ich weiß auch, dass es in Äthiopien und ein paar weiteren Ländern besondere Brunnen gibt. Ich werde also hellhörig. Ich rechne zwar nicht damit, diese Art der Brunnen an einer großen Straße zu finden, aber wer weiß. Ich versuche rauszufinden wo diese Stelle ist und warum sie besonders sein könnte. Das dauert, weil es immer wieder von vorne beginnt. Irgendwann fahre ich los. Ca. 1 km nach diesem Dorf soll das Ganze sein. Ich sehe Kühe und gehe einfach mal schauen. Dann kommt gleich einer und will Geld dafür, dass ich mir einen Brunnen anschauen darf. Ich sage, dass ich kein Geld mehr habe, weil ich bald in Kenia bin und nur noch ein kleines bisschen Birr habe (ist tatsächlich so) und gehe wieder zurück. Mir wird hinterher gegangen und ich darf doch weiter. Ich gehe durch einen Graben und sehe dann diese Viehtränke/Brunnen. Wahnsinn, hier arbeiten 15 Männer und holen mit Eimern das Wasser aus einem kleinen Loch nach oben. Im Rhythmus wird gesungen, wie man das zum Beispiel in Hatari (dem Film) sehen kann. Man fühlt sich 200 oder 300 Jahre zurück in der Zeit versetzt. Es ist ein Knochenjob und die Männer sind alle ganz schön dürr, dafür dass sie so harter körperlicher Arbeit nachgehen. Ich hatte ganz vergessen, dass es diese Art Brunnen in Äthiopien gibt und freue mich um so mehr, jetzt so einen gesehen zu haben. Gleichzeitig ist es bedrückend, wie die Leute hier schuften, um etwas Wasser aus dem Boden zu holen.

Ein kühles Loch

Ein kühles Loch

Die zweite Ebene

Die zweite Ebene

Ich fahre weiter und sehe kurz darauf einen interessanten Vogel. Ich weiß nicht, was das für ein Exemplar ist und er darf gerne bestimmt werden.

Vogel?

Vogel?

Ich habe Lust in Äthiopien noch mal wild zu campen. So halte ich 20 Km vor der Grenze zu Kenia und schlage mein Zelt im Busch auf. Ich koche und da ich diese halben Packungen nicht mag und Hunger habe, ist ein Topf kurze Zeit später voll mit 500g Spaghetti und einer leckeren Tomatensoße. Gerade als ich anfangen will zu essen, höre ich irgend was. Könnten Kühe sein, was nicht so toll wäre, da bei den Kühen immer ein Wächter mitläuft. Entdeckt werden will ich hier aber nicht. Es ist fast Vollmond und so schnappe ich mein Fernglas und schaue mich mal um. Schon wieder Giraffengazellen. Ich schleiche mich auf 15-20 Meter an und beobachte sie im Mondschein durch mein Fernglas. Sie ziehen dann aber weiter und ich kann endlich essen. Nachdem der Topf leer ist und alles wieder zusammen gepackt ist, lege ich mich in mein Zelt. Kurz bevor ich einschlafe höre ich Hyänen. Wenn man einmal Hyänen gehört hat, wird man diese Laute immer zuordnen können. Ich lausche und die Hyänen kommen immer näher. Riechen sie das Essen? Ich schätze, dass sie bis auf 20-40 Meter in meine Richtung kommen und dann höre ich sie nicht mehr. Irgendwann schlafe ich ein und am nächsten Morgen finde ich keine Hyänenspuren in der Nähe meines Zeltes. Ich packe zusammen und fahre zur Grenze.

Wildcampen

Wildcampen

Moyale heißt die Stadt auf beiden Seiten. Ich habe noch genug Geld um schön Injera essen zu gehen. Nach ein paar Tee, für den ich die allerletzten Birr ausgebe, gehe ich dann zur Grenze. Nach fast genau 10 Wochen kommt wieder ein neues Land – den Bericht dazu dann in den nächsten Tagen.

Dialetzten Km Äthiopien

Die letzten Km Äthiopien

 Bahir Dar und weiter bis Addis Abeba – immer den Berg hoch

Nach über 5 Wochen ohne Fahrradfahren und viel nichts tun will ich jetzt wieder weiter. Die Pause hatte ich nötig und ich habe viele, viele klasse Sachen erlebt und interessante Menschen getroffen. Jetzt bin ich aber wieder froh dass ich weiter reisen kann.

Nach einer entspannten Nacht im schönen Hotelzimmer verabschiede mich von Efrem, dem Besitzer der Lodge. Die ersten Kilometer laufen gut, aber eben auch, weil es leicht bergab geht. Gondar liegt auf 2300 Meter und Bahir Dar, die nächste große Stadt, auf 1800 Meter und ca. 180 Kilometer entfernt. Ich denke deswegen, dass es etwas einfach sein sollte bis Bahir Dar zu kommen. Es ist aber fast egal wie viele Höhenmeter man nach unten fährt denn eigentlich fährt man immer nur hoch. Bergab fahre ich meistens 50, 60 km/h und teilweise bis fast 70 km/h. Bergauf muss ich dagegen kämpfen nicht langsamer als 6, 7 oder 8 km/h zu fahren. Im Norden Äthiopiens gibt es aber meistens nur zwei Richtungen. Hoch oder runter und das in einem anderen Maßstab als wir das in Mitteleuropa kennen. Das zehrt an den Kräften und ich mache immer wieder Pausen. Meistens fahre ich nicht länger als 1 Stunde um dann wieder einen, zwei oder 5 Chai (Tee) zu trinken. Was wirklich klasse ist, weil ein Chai (kleines Glas) 4-9 € Cent kostet und es diese kleinen Chai und Bunna- (Cafe) Läden wirklich überall gibt.

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Wenn man direkt aus Deutschland kommt und nicht gewöhnt ist in solchen Ländern zu reisen, würde man viele dieser Läden übersehen, da sie so unscheinbar sind, aber man bekommt schnell einen Blick dafür. Oft steht eine Wasserkanne vor dem Haus oder so. Ich mache diese Pausen aber auch weil ich in diesen kleinen Läden mal Ruhe vor den Kindern habe. Äthiopien ist ein hartes Fahrradreiseland, aus zwei Gründen. Es geht immer bergauf (vor allem im Norden) und es gibt so viele Kinder die mir hinterher rufen „money money“ oder „pen pen pen“. Wenn ich stehen bleibe kommen immer von irgend wo her Kinder und Erwachsene hergelaufen und oft werde ich nach Kleidung oder Geld und Stiften „gefragt“. Es kommt immer wieder vor, dass mir Kinder versuchen hinterher zu rennen.

Es gibt jetzt zwei Arten wie man reagieren kann. Entweder man ist genervt und man hat so wenig Spaß und zeigt das den Kindern auch. Dann ist aber die Chance dass mal Steine geschmissen werden sicher höher und genießen kann man die Reise auch nicht. Ich habe mich dafür entschieden einfach gutgelaunt zu sein. So einfach ist das natürlich auch nicht, deswegen höre ich viel Musik um so die Kinder weniger zu hören. Gute Laune Musik hilft aber nicht nur dafür, sondern auch wenn man mal wieder einen besonders steilen und langen Anstieg hoch fährt. Ich mache viele Pausen und esse und trinke gut. Außerdem verstehe ich diese Kinder und die Menschen hier. Der Durchschnittslohn von einem Bauarbeiter oder Handwerker oder so, beträgt ca. 45€. Ein Lehrer verdient zwischen 80€ und 110€. Dies ist nicht der Tages- oder Wochenlohn, sondern was die Leute für 1 Monat bekommen. Gearbeitet wird 6 Tage die Woche und Urlaub gibt es keinen. Viele Menschen haben aber gar keine Arbeit und deswegen ist es oft so, dass eine ganze Familie 40€, 50€ im Monat zum Leben hat, teilweise aber auch weniger. Ich kann diese Menschen also nicht verurteilen, dass sie eine Möglichkeit nutzen nach Geld zu fragen, wenn ein Weißer die Straße entlangfährt. Das ist auch nicht wirklich diskriminierend weil so gut wie jeder Weiße in dieser Region, (für deutsche Verhältnisse) normal viel Geld hat, was für diese Menschen aber unglaublich viel ist. Wenn man sich das immer wieder  bewusst macht, dann komme ich damit klar, dass ich von vielen Menschen mit „money money“ begrüßt werde. Es ist aber trotzdem nicht leicht immer wieder an Kindern  mit aufgequollenen Bäuchen (weil sie nicht genug zu essen bekommen) vorbei zu fahren und nicht mehr als freundlich zu grüßen.

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Auf der anderen Seite treffe ich auch wirklich viele nette Menschen, besonders beim Chai trinken. So kann es schon mal passieren, dass ich eine Stunde mit den Locals rede, bevor ich weiter fahre.

So hart es ist durch diese Landschaft zu fahren, so schön ist es auch. Überall grüne Berge und Felder. Hier und da ein Fluss, der tatsächlich Wasser führt, was ich aus den letzten Monaten nicht mehr gewöhnt war. Es gibt überall Tiere, viele Schmetterlinge, Käfer, Echsen und viele schöne Vögel. Ich schau schon gar nicht mehr jedem Greif hinterher weil es so viele gibt.

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Ich lasse mir Zeit und brauche so 2 1/2 Tage um die 180 km zurück zu legen. Im Sudan bin ich immer leistungsorientiert gefahren. Wenn ich fahre, dann auch richtig. Heißt früh aufstehen und lange fahren. Das ist eine sehr deutsche Art Dinge zu erledigen, „wenn man etwas macht, dann richtig“. Ich bin aber nicht in Deutschland und Stress habe ich auch nicht. So genieße ich es einfach, schon um 3 oder 4 Uhr aufzuhören, auch wenn ich erst 60 km gefahren bin, weil ich immer wieder Pausen gemacht habe. Am Abend habe ich so mehr Zeit, um mich etwas auszuruhen und dann noch durch die Stadt zu laufen. Übernachten tue ich immer in Hotels. Hier gibt es kleine Zimmer mit einem Bett für ca. 2-3€ und am Abend esse ich fast immer Tibs mit Injera (Fladenbrot).

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Nach diesen 2 1/2 Tagen fahre ich in Bahir Dar ein. Mit Beginn der Stadt fährt man über eine Brücke. Eine besondere, die erste über den Blauen Nil! Ich weiß, dass man von dieser Brücke immer wieder Nilpferde sehen kann. Ich habe am See Tana zwar schon mal kurz ein (vielleicht zwei) Nilpferde gesehen, aber das war nur zweimal ein Gesicht. Die Brücke ist eng, sodass man auf die anderen Verkehrsteilnehmer aufpassen muss. Ich sehe aber trotzdem riesige graue Fleischklöpse. Ich muss zweimal schauen, um sicherzugehen, dass es sich hier nicht um Steine handelt. Ich parke mein Fahrrad neben dem Polizisten der die Brücke bewacht und frage um Erlaubnis von der Brücke die Nilpferde zu fotografieren (sollte man immer vorsichtig sein, Brücken sind strategisch wichtig!). Er gibt mir die Erlaubnis, aber ich solle mich beeilen. Warum weiß ich auch nicht, aber was solls, er passt auf mein Fahrrad auf und ich laufe zurück, um die Nilpferde abzulichten. Es sind beeindruckende Berge, die da aus dem Wasser herausragen. So toll sind das Mittagslicht und der Ort zum Beobachten aber auch nicht und ich gehe wieder zurück zum Fahrrad.

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Nachdem ich dem Polizisten (freiwillig) die Fotos von den Hippos gezeigt habe, reden wir noch etwas. Dann fahre ich aber die letzten Kilometer zum Hotel im Stadtzentrum. Das Fahrrad läuft und so fahre ich für mehrere Minuten in einer Kolonne von Hochzeitsfeiernden mit. Es wird von mehreren Personen alles gefilmt und ich bin mir sicher, dass ich in dem Video zu sehen bin, da ich mit verschieden Feiernden rede und wir so unseren Spaß zusammen haben. Irgend wann kommt dann aber mein Hotel. In den größeren Städten mache ich gerne mal eine Pause und suche mir dafür ein etwas besseres Hotel. Eigenes Bad, schönes Bett und WiFi. Hier bekomme ich aber noch dazu ein großes Zimmer mit Sofa und Fernseher und einer schönen großen Terrasse. Mit etwas Handeln bekomme ich sogar noch einen Rabatt für 4 Nächte. Die erste Dusche seit 3 Tagen führt dazu, dass man sich wie ein neuer Mensch fühlt. Ich nutze die Tage um etwas Italienisch essen zu gehen. Ich weiß, dass es hier eines der besten Restaurants für Pizza in ganz Äthiopien gibt (ehemalige italienische Kolonie). Das kann ich im Nachhinein bestätigen, auch wenn die Pizza in Italien natürlich noch besser ist. Bahir Dar liegt direkt am See Tana an dem ich auf der anderen Seite schon über 3 1/2 Wochen verbracht habe. Beim morgendlichen Frühstück auf meiner Terrasse fliegen gerne Schreiseeadler oder African Harrier-Hawk vorbei und und immer wieder Silvery-cheeked Hornbills.

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Am Nachmittag laufe ich gerne am See entlang, um dann nach der Pizza irgendwo in die Stadt zulaufen. Ich habe mein iPhone dabei (kann mich im Notfall immer zurück navigieren, brauche ich aber normalerweise nicht) und so laufe ich ziellos durch die Gegend und sehe deswegen Straßenzüge, wo sich normalerweise kein Tourist verirrt. Das ist aber das Beste, dahin zu gehen, wo man keine Weißen trifft. Hier gibt es die kleinen Tee- und Cafe Shops, wo ich schon mal für Stunden hängen bleibe und mich mit Kath kauenden Menschen unterhalte. Kath sind Blätter, die gekaut werden und eine ähnliche Wirkung wie Gras haben. Die Stimmung ist entspannt und so komme ich manchmal erst um 10 oder 11 Uhr wieder zurück ins Hotel.

Das WiFi nutze ich hier auch ausgiebig, da ich für meine Zeit nach der Fahrradtour einiges planen muss und auch mal die Chance nutze durchs Internet zu surfen. Das ein oder andere mal skype ich mit der Familie.

Nach diesen 4 Tagen fahre ich weiter. Die vielleicht heftigste Strecke der ganzen Tour liegt jetzt vor mir. Bahir Dar bis Addis Abeba. Ich fahre aus der Stadt und da geht es schon los. Am ersten Tag übernachte ich auf ca. 2300 Metern und habe auf 70 Kilometer wahrscheinlich um die (vielleicht auch mehr) 1000 bis 1200 hm gemacht. Die Straße ist gut und die Landschaft super schön. Am Abend fahre ich dann in eine kleine Stadt ein und suche nach einem Platz zum Schlafen. Ich finde auch einen. Nach dem ich mich etwas gewaschen habe, kommt eine Mitarbeiterin auf mich zu und versucht mir klar zu machen, dass ich nicht hier schlafen kann. Im ersten Moment weiß ich zwar nicht wirklich wieso, aber gut. Sie führt mich zu einer anderen Unterkunft, die auch noch schöner ist. Im Nachhinein bin ich mir ziemlich sicher, dass das erste „Hotel“ ein Bordell war. Das erklärt auch den sehr günstigen Preis fürs Zimmer, da davon ausgegangen wird, dass man eben noch extra Leistungen dazu bucht. Als die Besitzerinnen gemerkt haben, dass ich nur übernachten will, wurde ich zu einer andern Unterkunft gebracht.

Die nächsten Tage verlaufen ähnlich. Ich fahre gemütlich um ca. 8 Uhr los. Mache immer wieder Pausen, um Tee zu trinken und etwas zu essen. Am Nachmittag suche ich mir dann einen Platz zum Schlafen und Ausruhen. Das Essen ist gut und ich höre immer noch gerne Musik. Es ist oft schon ganz schön Arbeit sich die Berge hoch zu kämpfen, um sie dann in nur wenigen Minuten wieder runter zu fahren und wieder einen langen Anstieg vor sich zu haben. Mit den Menschen komm ich immer noch zurecht und ich treffe immer wieder auf sehr nette Personen. Nach 4 Tagen Fahrt mache ich in Debre Markus einen Tag Pause.

Ich sehe in diesen Tagen meine ersten weißen Störche (die im Sommer bei uns in Europa sind) und auch an Greifen mangelt es hier nicht.

Dann kommt die Nilschlucht. Das bedeutet für mich erst steil 1500 Höhenmeter nach unten zu fahren, um dann 2000 Höhenmeter nach oben zu klettern. Eine riesige Schlucht. Ich fahre früh am Morgen los um der Hitze im unteren Teil zu entgehen. Ich würde ja gerne meinen Geschwindigkeitsrekord brechen der bei 69 km/h liegt, aber das ist auf dieser Straße nicht möglich.

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Ich schaffe es auch so mit grade mal 40 bis 50 km/h immer mal wieder ganz abzuheben. Die Busse fahren aber noch schneller, können aber die sehr langsamen LKWs nicht so gut überholen wie ich. An der Seite schieße ich einfach an den  langsamen LKWs (15 Km/h) vorbei und liefere mir so über mehrere Minuten ein Rennen mit einem Busfahrer.

LUK_8141Leider geht es nicht für immer bergab und irgendwann fahre ich über die Brücke, die über den Blauen Nil führt. Jetzt geht es los. Ich fahre schnell nur noch 6, 7, 8 Stundenkilometer und rechne aus wie lange ich für den ganzen Anstieg brauche. Dann kommt ein langsamer LKW. Ich sehe das sofort, weil es immer eine Art von LKW gibt, die langsam genug ist, um sich daran festzuhalten. Ich habe ehrlich gesagt keine Lust mich 5, 6 Stunden den Berg hoch zu quälen und halte mich am Ende des LKW fest. Wer jetzt glaubt, das sei einfach, täuscht sich. Auf der schlechten Straße muss man ganz schön aufpassen, nicht unter die Räder zu kommen (Wort wörtlich). Vor allem ist es aber wahnsinnig anstrengend, sich mit einer Hand am LKW festzuhalten, wenn man die ganze Zeit nur steil bergauf fährt. Man kann die Position nicht ändern oder mal den Arm entspannen. Dann sehe ich, dass es eine Möglichkeit gibt den Fuß beim LKW einzuklemmen. Das ist zwar etwas verrückt, aber sonst hätte ich mich die 1h 45 Minuten nicht festhalten können. So viele langsame LKW kommen dann aber auch nicht und ich wollte wirklich nicht selber hochstrampeln. Ich hänge also eine ganze Weile an diesem LKW und so habe ich Zeit, auf eine wirklich verrückte Idee zu kommen. Ich hätte gerne ein Foto von der ganzen Situation. Dafür muss ich meinen Fuß richtig festklemmen und mit nur einer Hand mein Fahrrad lenken. Mit der andern versuche ich mein Smartphone aus der Halterung zu bekommen. Ist gar nicht so einfach! Irgendwann habe ich das aber geschafft. Selbst ein Foto zu machen ist jetzt noch schwer. So richtig toll ist es zwar nicht geworden, aber man bekommt eine Vorstellung.

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Von diesem Aufstieg habe ich 2 Tage lang einen Muskelkater – im Arm! Berg hochfahren kann man auch in Europa, sich an einem LKW festhalten dagegen eher nicht. Ist also auch eine Erfahrung, irgendwie hat es auch Spaß gemacht.

Am nächsten Tag kommt aber schon der nächste lange Anstieg. Gut, es sind grade mal 700 Höhenmeter am Stück, aber der führt auf einen Pass, der über 3100 Höhenmeter hat. Da habe ich dann doch zu viel Ehrgeiz und fahre alles selber. Pass über 3000 Höhenmeter befahren, Check.

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Nach 8 Fahrtagen komme ich dann in Addis Abeba an. Ich suche nach einem Hotel und merke schnell, Addis ist relativ teuer. Sicher 50% teurer als der Rest Äthiopiens. In Addis will ich eigentlich nur mein Visum für Kenia holen. Ich warte hauptsächlich darauf, dass es Montag wird und ich mein Visum beantragen kann. In Addis treffe ich andere Reisende, die mit dem Motorrad von Südafrika bis in die Schweiz fahren oder mehrere Monate als Backpacker in Ostafrika unterwegs sind. Es ergeben sich interessante Gespräche, aber als ich am Dienstag mein Visum bekomme, bin ich froh und fahre noch am Nachmittag aus der Stadt.

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Die Simien Berge und Gorgora

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Ich laufe durch Gondar und klappere einen Tour-Organisator nach dem anderen ab. Man kann zwar auch alles alleine organisieren, es ist aber halt deutlich entspannter und angenehmer, wenn man eine all inklusive Tour für 4 Tage bucht, weil dann alles für einen gemacht wird (in diesem Fall). Zelte werden aufgestellt, es wird gut gekocht und man muss nur ein bisschen seines Gepäcks tragen, all das was ich sonst eben immer selber mache. Das Problem ist wie immer das Geld. Diese Touren sind nämlich leider (wie so oft in Afrika, wenn es um touristische Sachen geht) überteuert. Ich bin jetzt aber schon über 2 Monate in Afrika und weiß halbwegs, wie ich an einen guten Preis komme. Das Gespräch läuft meistens so ab. Ich komme rein und sage, ich will 4 Tage in die Simiens (eines der höchsten Gebirge Afrikas), ich kenne den normalen Preis (250-300$), ich habe Zeit und kann morgen oder auch erst in 3 Tage anfangen und deswegen kann man mich in irgendeine Gruppe dazu tun und ich bin mit dem Fahrrad unterwegs. Also hätte ich gerne einen guten Preis, sonst gehe ich zum nächsten Anbieter! So konnte ich fast immer das nervige Handeln abkürzen und kam gleich zu einem Preis von 200-220$. Damit war ich aber noch nicht so ganz zufrieden und fing an andere Reisenden zu suchen, da viele ihre Tour in dieser Stadt buchen. Ich finde zwei US-Amerikaner, die den gleichen Plan haben, was geschickt ist, da man einen besseren Preis bekommt, wenn man für mehrere gleichzeitig bucht. Ich gehe also wieder los und finde dann einen ordentlichen Anbieter, bei dem ich eine Preis von 180$ bekomme (mit etwas handeln). Das ist nicht so schlecht, da es ca. 100$ weniger als der Durchschnittspreis für diese Tour sind. Ich buche also und nach dem ich das Geld los bin (reicht sonst für einen halben Monat), freue ich mich richtig auf die nächsten Tage. Die Simiens sind einer der wenigen Ziele, die ich auf diese Tour auf jeden Fall sehen will.

Ich werde am nächsten Morgen von einem Fahrer abgeholt und zusammen mit den 4 Anderen, fahren wir nach Debark (100km), die Stadt, bei der wir uns beim Nationalpark anmelden und der Guide, Koch und Scout zu unserer Gruppe stoßen. Dann fahren wir in den Park und immer hin auf über 3000 Meter.

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Wir werden ausgeladen und laufen immer am Kliff entlang, wobei zuerst eher nur die unglaubliche Aussicht bestaunt wird. Nachdem die ersten Fotos gemacht sind, kann man dann tatsächlich mal laufen. Ich merke schnell, dass ich mir viel Zeit lassen kann, um in die Weite zu blicken und diese unglaubliche Landschaft mit meiner Kamera festzuhalten, weil meine Kondition (selbst nach 3 Wochen nichts tun und längerer Krankheit) deutlich besser ist als die der anderen Gruppenmitgliedern oder auch des Guides und Scouts. Ich laufe also immer wieder zügig voraus und habe dann wieder ein paar Minuten für Fotos und zur Luftraumüberwachung, denn es wimmelt nur so von Greifen und sonstigen kleineren Vögel.

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Der erste Tag ist eher kurz, gerade mal 3-4 Stunden laufen wir bis wir am Camp ankommen und mit Tee, Cafe und Popcorn (wird gerne zu Café in Äthiopien gegessen) empfangen werden. Die ersten Geladas (eine Pavianart) haben wir auf dem Weg gesehen, genauso wie viele Bartgeier, Augurbussarde und viele weitere (teils Endemische) Vogelarten.

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Nach dem Sonnenuntergang gibt es dann ein leckeres 3-Gänge-Menü, bei dem ich ordentlich esse. Insgesamt habe ich in diesen Tagen wieder richtig Appetit bekommen und esse für meine Verhältnisse wieder richtig, was ich nach der Krankheit vor 3 Wochen nicht mehr gemacht habe. Am Feuer sitzend vergeht in der kleinen Hütte die eine oder andere Stunde, bis ich dann in mein Zelt verschwinde. Ich schaue auf mein Handy als ich schon in meinen drei Schlafsäcken liege und merke, dass es grade mal 20:30 Uhr ist. Mhhh, so ist das halt wenn es draußen kalt ist und nichts zu tun hat sobald es dunkel ist, was soll’s.

Nach einer angenehmen Nacht stehe ich um 5:30 Uhr auf, ohne dass ich einen Wecker gestellt hätte, würde mir in Deutschland auch nicht passieren. Es ist verdammt eisig (ca. 0 Grad Celsius) und ich weiß nicht wie es der Scout aushält, hier mit einer dünnen Decke in einem Busch gekauert, die Nacht im Freien zu verbringen. Ich ziehe alles an was ich habe, inklusive der dünnen Handschuhe die ich wahrscheinlich das nächste Mal erst wieder in Südafrika brauche, genau wie meine dicke Regenjacke. Ich laufe zu einem Aussichtspunkt und warte. Der Himmel zeigt aber grade erst eine leichte Färbung und ich weiß, dass es jetzt noch eine weitere Stunde dauert bis die Sonne dann auch wirklich aufgeht. Das warten wird aber belohnt, auch wenn ich mich kurz nach Sonnenaufgang sofort aufmache um den frisch gemachten Tee zu trinken und das Frühstück zu genießen.

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An diesem Tag haben wir die beste Sicht. Besonders der Morgen ist so klar wie sonst kein zweites Mal in diesen Tagen. In der Regenzeit muss das aber noch beeindruckend sein. Wir laufen und immer wieder kommen wir zum Kliff, das hier teilweise über 1500 Meter abbricht und dann in eine weite Landschaft ausläuft. Immer wieder fliegen große Vögel vorbei und schrauben sich elegant in die Höhe. Weißrückengeier, Rüppellgeier und Bartgeier sind auf jeden Fall dabei, genauso wie verschiedene Falken, Bussarde und endemische Vögel wie der Blue Rock Thrush oder der Thick-billed Raven. Sogar Säugetiere gibt es hier immer wieder zusehen. Klar, der Gelada Pavian aber auch ein Buschbock und Klippspringer (beides zwei kleine Antilopen) sind hier zuhause und zeigen sich auch mal.

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Wir laufen zu einer Stelle an der man einen großen Wasserfall sehen kann. Mitten in der Trockenzeit ist der zwar nicht wirklich beeindruckend, aber wenn man weiß, dass hier das Wasser über 500 Meter in die Tiefe stürzt, dann merkt man um ein neues, wie gewaltig diese senkrechten Wände rechts und links wirklich sind.

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Nach ca. 6-7 Stunden laufen kommen wir dann am nächsten Camp an und ich merke, dass das ein Preis ist den man zahlt wenn man mit einer solchen Gruppe unterwegs ist. Man kann einfach keine ordentlichen Distanzen laufen, weil die Route auch für 65 jährige, die halbwegs fit sind, problemlos zu bewältigen sein soll. Naja, das hat den Vorteil einer langen Nachmittagspause. Zum Sundowner gehen manche auf einen nahe gelegenen Berg, der auf immerhin über 3900 hm liegt.

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Das Licht ist gigantisch und als die Geladas kommen und in die Steilhänge gehen um zu schlafen, wird das Ganze noch mal richtig beindruckend. Die Geladas kommen grasend und manchmal etwas kämpfend näher und einer nach dem andern verschwindet wieder in der senkrechten Wand zum schlafen.

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Als ich nur noch alleine am Gipfel bin, fangen die Geladas plötzlich an zu brüllen und zu schreien. Ich merke sofort, dass es wegen irgendeinem anderen Tier sein muss und bemerke ein Streifenschakal, der vielleicht 50 Meter von mir entfernt ist. Ich bin mir sicher, dass er mich gesehen hat und trotzdem kommt er bis auf 15 Meter in meine Richtung. Von den Geladas sehe ich nichts mehr bis ich mich umdrehe. Die haben sich nämlich alle hinter mir versammelt. „Der große Weiße wird als erstes gefressen, hahaha“, sind wohl ihre Gedanken.

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Irgendwann sind dann alle Tiere weg und ich gebe etwas gas wieder vom Berg runter zukommen, denn das Abendessen wartet schon. Das Camp liegt auf über 3600 hm und in der Nacht wird es dementsprechend kalt, ca. -5 Grad.

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Nach einem Frühstück mit Pfandkuchen laufen wir wieder und kommen nach ein paar Stunden auf den höchsten Berg dieser Trekkingtour, der gleichzeitig auch mein höchster Gipfel ist. 4070 Meter über dem Meeresspiegel und die Aussicht ist wie immer atemberaubend.

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Ich scanne immer wieder die Gegend mit meinem Fernglas, aber leider finde ich den sehr seltenen äthiopischen Wolf oder den Walia Ibex (eine Steinbockart) nicht. Am Abend haben wir wieder schön Zeit beim Camp bevor es Abendessen gibt und ich laufe mit dem US-Amerikaner etwas herum um nach Vögeln, sonstigen Tieren und der Landschaft zu schauen. Plötzlich sehen wir eine Walia Ibex durch das Camp laufen. Ein beeindruckendes Tier, selbst wenn es nicht durch senkrechte Steilhänge klettert.

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Nervig sind manche Touristen, die bis auf ein, zwei Meter an das Tier herangehen (teilweise von hinten) um Fotos zumachen (natürlich mit dem Smartphone). Ich muss mich schon zusammenreißen, aber eigentlich gehören diese Leute geschlagen, denn irgendwann passiert etwas und dann ist das Geschrei groß. Würde mich zwar nicht stören, aber am Ende wird das Tier als gefährlich erklärt und im Zweifel geschossen, da es immer mal wieder durchs Camps läuft. Einfach etwas Respekt zeigen und etwas Abstand halten, besonders bei einer Art von der es nur 500 Tiere gibt. Die Guides unternehmen aber nichts, was ein weiterer Beweis für die Unfähigkeit der Guides ist, komme ich aber gleich noch zu.

Am nächsten Morgen wollen wir eigentlich noch mal ein paar Stunden laufen (wie bezahlt), was wir aber nicht machen da der Minibusfahrer schon wartet. Das finde ich nicht lustig was auch daran liegt, dass am Morgen das Frühstück sehr mager ausgefallen ist. Es gab nämlich kein Brot mehr, keine Marmelade oder Honig, keinen Zucker und kein Wasser und so konnten wir nur ein kleines bisschen Weizenbrei essen. Als ich das dem Guide erkläre, lautet die Antwort nur, dass 180$ ja auch nicht viel Geld sei. Mir bleibt bei dieser Antwort etwas der Mund offen stehen und frage dann, ob er mir denn mein Geld zurückgeben kann, wenn für ihn das nicht viel Geld ist. Neben der Unfähigkeit mit Problemen umzugehen, können diese Guides nicht führen, teilweise sahen wir ihn für Stunden nicht, weil er nicht mit der Gruppe gelaufen ist sondern irgendwo. Außerdem haben er und die meisten andern auch keine Ahnung von Tieren (verwechseln Falken mit Adlern usw. wenn sie die denn mal sehen) und hat auch kein Interesse uns über die Simiens zu informieren und Sachen zu zeigen. Er macht also seinen Job gar nicht oder nur sehr schlecht und versteht dann die Welt nicht, als ich und die anderen sagen das wir ihm kein Trinkgeld geben, was er aber für selbstverständlich hält. Denn diese 3 1/2 Tage waren wirklich das Geld wert, aber hauptsächlich der Landschaft wegen und nicht wegen des Services.

Nach einer 5 stündigen Fahrt kommen wir wieder in Gondar an und werden von dem Chef des „Reisebüros“ zum Doro Wat mit Injera (irgendwas zwischen Fladenbrot und Pfandkuchen) eingeladen. Doro Wat ist Hühnchen mit Tomaten / Chilisoße. Das bekommt man normalerweise nicht, denn es dauert viele Stunden das vorzubereiten und zu kochen, aber schmeckt dafür auch richtig gut. Zur Verabschiedung werde ich noch auf eine Nacht in seiner Lodge eingeladen. Das wird mir noch sehr weiterhelfen und macht so den schlechten Services in den Bergen wett.

Ich verbringe noch einen ganzen Tag in Gondar und nutze die Zeit um einen Bericht zuschreiben, Bilder anzuschauen, und durch die Stadt zu schlendern. Erst gehe ich schön Tibs mit Injera („geschnetzeltes“ Fleisch) essen, danach einen großen Salat mit allem von Kartoffeln bis Avocado (mhhhh) und zum Abschluss einen schönen Mangofruchtsaft trinken. Am Abend nutze ich dann sogar den Fernseher auf meinem Zimmer und schaue bisschen Fußball und einen Film. Habe ich auch schon seit Deutschland nicht mehr gemacht.

Am Sonntag mache ich mich wieder auf um zum Tim&Kim Village zukommen. Eigentlich sind das nur 2h mit dem Bus, aber bevor man den nehmen kann, muss ich wegen meinem großen Rucksack erst einmal verhandeln, wo mein Gepäck hinkommt und dann auch gleich um den Preis fälschen. Ich weiß das diese Busfahrt 35 Birr (1,6€) kostet. Der Preis liegt für mich und das Gepäck aber plötzlich bei 100 Birr. Ich frage ob jemand aus dem Bus mir beim verhandeln helfen kann. Eine Frau kommt gleich mit zum Busfahrer und verhandelt mit mir und für mich. Irgendwann werde ich wirklich wütend und sage ihm etwas lauter, dass er mir diesen Preis nur gibt, weil ich weiß bin und dass ich jetzt den richtigen Preis will, also 35 Birr. Er lässt sich nur auf 50 Birr runterhandeln und es ist 6 Uhr am Morgen und eigentlich ist es mir echt zu blöd. Was soll’s, ich steige ein und nach 10 min Fahrt will er mein Geld. Ich gebe ihm genau 35 Birr und schaue stur nach vorne. Nach 15 Sekunden werde ich wieder angetippt und nach Geld gefragt. Ich reagiere einfach nicht und höre dann wie die Frau, die mir schon mal geholfen hat, nochmal mit ihm redet. Danach höre ich nichts mehr und zahlen muss ich auch nicht mehr. Wenn man wirklich Hilfe will, dann sollte man einfach Frauen fragen. Nach meiner Erfahrung und auch der von andern Reisenden ist das viel, viel besser als Männer um Hilfe zu bitten (das trifft jetzt vor allem auf Äthiopien zu 😉 ).

Ich komme bei der Lodge an und es fühlt sich fast wie heimkommen an. Es ist einfach wirklich schön hier und ich werde freundlich begrüßt. So kommt es auch dazu, dass ich wieder 10 Tage hier bleibe (insgesamt über 3 1/2 Wochen). Was ich mache? Eigentlich das was ich beim ersten Aufenthalt auch schon gemacht habe. Reden, essen, nach Tieren schauen, die Landschaft genießen und nichts. Ich sehe viele klasse Tiere wie Civetkatzen, Kleinfleck-Ginsterkatze und dann… . Als ich grade am Kochen bin sehe ich im Augenwinkeln etwas über den Rasen schleichen und im Gebüsch verschwinden. Ich gehe sofort nach und sehe wie eine Katze wieder in die andere Richtung im Gras verschwindet. Ohhh was kann das sein? Ich weiß welche Katzen hier vorkommen und mache im Kopf eine Liste während ich versuche, noch mal einen Blick auf die Katze zu bekommen. Das schaffe ich auch, aber wieder nur für einen kurzen Augenblick. Diese Katze ist etwas größer als eine normale Hauskatze und hat irgendwie einen leichten orangenen tatsch im Fell und definitiv irgendwie eine „Zeichnung“, der Kopf ist eher schmaler für die Größe und am Ohr sind keine Puschel zu erkennen. Ziemlich scheu ist sie auch. Wenn man jetzt die Liste mit Katzen Vorort durchgeht, dann bleibt nur der Serval übrig. Ein Serval ist aber so unglaublich selten und ich bin mir deswegen immer noch nicht zu 100% sicher. Das wäre dann natürlich der absolute Hammer.

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Irgendwann geht aber auch die Zeit an diesem Ort zu Ende und ich will wieder weiter. Nach über 5 Wochen mache ich mich mit dem Fahrrad auf um Richtung Süden zu fahren. Davor ist aber noch in Gondar das wichtigste Fest für Äthiopien (neben Ostern), Timkat. An diesem Tag werden die sonst nicht zugänglichen Kreuze auf einem großen Umzug gezeigt. Das Problem, das man als nicht vorausplanender Reisender jetzt hat, ist die Situation der Unterkünfte. Alles (für weiße Touristen sowieso) ist 4x so teuer und fast immer ausgebucht. Ich habe aber noch das Versprechen des Reisebüros und Lodge Besitzers. Am Vormittag vor dem großen Tag komme ich dort an und es ist natürlich alles ausgebucht. Ich darf aber auf einem kleinen Platz hinter der Lodge mein Zelt aufstellen und da schlafen. Da Timkat über 2 1/2 Tage geht, darf ich dort 3 Tage umsonst schlafen. Nicht nur das, ich bekomme sogar das Frühstück noch dazu. So edel habe ich schon seit sehr langem nicht mehr gegessen!

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Das Fest ist eine Mischung aus Karneval und christlichen Ritualen. Es gibt Taufen und Straßenzüge (ohne Süßigkeiten). Gondar ist auch noch die beliebteste Stadt um dieses Fest zu erleben und so sind unglaubliche Menschenmassen in der Stadt. Die Stimmung ist schon besonders, aber ich war eben auch noch nie der Typ für sowas. So bin ich dann auch immer mal wieder froh auf dem Gelände der Lodge zu sein. Man muss natürlich aufpassen, dass einem in diesem Gedrängel nichts gestohlen wird, womit ich aber keine Probleme hatte. Kein Geldbeutel und Handy mitnehmen, nur etwas Bargeld. Den Kameragurt so um das Handgelenk wickeln, dass man ihn nicht einfach mitnehmen kann. Dann sollte nichts passieren.

Am letzten Abend bekomme ich dann sogar noch ein Zimmer. Was für ein Luxus! Es gibt eben auch wirklich nette Äthiopier!

Die große Pause

Von Gondar habe ich also nicht viel gesehen, ist aber auch nicht schlimm, da ich hier noch ein paar mal vorbei komme. Am Samstag hat neben meiner Mutter auch Mark, der englische Radfahrer, Geburtstag. Am Mittag treffen wir uns und er bekommt von seinem Hotel sogar einen Kuchen. Das ist auch das erste mal, dass ich etwas Hunger bekomme und mehr als nur ein paar Pommes, etwas Brot oder Spaghetti esse. Am Tag darauf werden wir von Mubratu abgeholt. Er nimmt uns mit zum Tim&Kim Village, dass heute von Kim und Ihm gemanaged wird. Über eine holprige Piste (Sandstraße) fahren wir 1 1/2 Stunden. Als wir ankommen wird sofort klar, dass ich hier länger bleibe. Am Ende wird es noch ein bisschen mehr, aber ich will nicht zu viel verraten. Die Lodge liegt auf 1800 Metern am See Tana, der größte See in Äthiopien. Ca. 500 Meter vom Dorf Gorgora ist es Idyllisch in die Landschaft eingebettet und lädt sofort dazu ein, die Welt da draußen zu vergessen. Ich kann campen und koche meist selber, was es dann sogar richtig günstig macht.

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Kim und Ihr Ex-Mann Tim kommen aus den Niederlanden und haben vor über 8 Jahren begonnen, die Lodge aufzubauen. Das führt dazu, dass es ein bisschen „europäische Struktur“ und Ordnung hat, was mir in diesem Moment sehr gut tut. Afrika kann nämlich unglaublich schön sein, aber eben manchmal auch sehr hart. Ein bisschen abstand dazu war genau das Richtige, um den Kopf wieder frei zu bekommen und sich neu auf die Menschen ein zulassen.

Neben Kim und Mubratu sind auch Nico und Fanna auf der Lodge. Beide kommen auch aus den Niederlanden und wollen Ihre eigene Lodge aufbauen. Um ein Einblick zu bekommen was das bedeutet, sind sie für insgesamt 4 Monate in Äthiopien.

Die Gegend ist klasse um Tiere zu sehen. Ich habe zwischen 30 und 40 für mich neue Arten gesehen. Die meistens davon Vögel und ein paar Säugetiere. Ich könnte jeden Tag Afrikanische Schreiseeadler beobachten, 2 Ibis-Arten, 4 Eisvogelarten, African Openbills (Klaffschnabel-Störche), Green Woodhoopoe, Greyish Eagle-Owl, Hammerkop, Long-crested Eagle, Pallid Harrier, Silvery-cheeked Hornbill, Woolly-necked Stork, Yellow-billed Stork usw.

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Neben einer tollen Fauna gibt es aber auch eine klasse Landschaft. Der See ist so groß das man sich manchmal eher wie am Meer fühlt. Es gibt überall kleinere und größere Hügel und super Stellen um das erste und das letzte Licht des Tages zu sehen.

Was diese Stelle für mich so besonders macht sind die Menschen. Nico, Fanna, Kim und Mubratu aber auch die ganzen Reisenden die vorbeikommen. Aus der ganzen Welt und teilweise selber auf großen Reisen. Die Gespräche sind klasse und so bekommt man neue Sichtweisen und das hilft einem bei vielen Dingen. Um etwas vorzugreifen, ich kann dadurch jetzt mit den Menschen hier besser umgehen, auch wenn die manchmal wirklich sehr anstrengend sind. So habe ich eine gute Zeit, wo Andere manchmal nur genervt sind (was wirklich sehr einfach sein kann).

Wenn man oft alleine reist weiß man das doppelt zu schätzen. Besonders mit Fanna und Nico aber auch mit Kim und Mubratu habe ich mich so angefreundet, dass man mal mehr als nur die üblichen Gespräche führen konnte. Oft sitzen wir bis 4 oder 5 Uhr am Morgen zusammen und reden. Was insofern anstrengend ist da ich um spätestens 9 Uhr wieder aufstehen muss, weil die Sonne dann das Zelt in eine Sauna verwandelt.

Vielen dank an an Fanna, Nico, Kim und Mubratu für die unglaublich tolle Zeit.

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Die Tage verfliegen und man fragt sich jeden Abend was man eigentlich gemacht hat. Ein typischer Tag sieht so aus: Ich stehe zwischen 6 und 9 Uhr auf, kaufe frisches Brot und frühstücke. Honig, Marmelade und Tee, fast wie Zuhause. Wegen der Tierbeobachtungen und teilweise stundenlanger Gespräche kann es dann aber auch schon mal 12 Uhr sein. Ich gehe oft für ein paar Stunden nach Tieren schauen, sortiere Bilder oder lese in Reiseführern. Manchmal mache ich aber auch nichts und schau einfach nur in die Landschaft. Am Abend gucke ich mir immer das schwindende Licht an und wie die Sonne schon früh hinter einem Hügel verschwindet. Danach koche ich oder gehe zur Lodge um dort zu essen. Den Abend verbringe ich dann immer mit den anderen. Wie schon geschrieben, sitzen wir teilweise bis 4 oder 5 Uhr zusammen (Ohne andere Touristen, die gehen irgend wie immer früher ins Bett). Fanna und Nico hatten dann aber noch eine Idee. Wir wollten Hyänen sehen, die hier in der Gegend verbreitet sind. Also heben wir Fleischreste auf, von den hier geschlachteten Schafen und lassen es schön in der Sonne verrotten. Das stinkt unglaublich und soll die Tiere anlocken. In der Nacht haben wir uns auf die Lauer gelegt. Wir waren am Wasser in einem Busch oder Baum. Der Baum ist besonders, da riesig und nicht einfach zu beklettern. Den Gedanken, wie ich da wieder runter komme, habe ich einfach mal verdrängt. Typisch afrikanisch eben, das Problem habe ich später, also mache ich mir jetzt keine Gedanken darum. Mit Hilfe schaffen es Fanna (etwas kleiner) und dann Nico auch auf den Baum. Wir saßen für 2 Stunden in dem Baum. Gesehen haben wir eine Whitetailed Mongose und sowas wie einen Buschbock (ähnlich Reh). Durch mein Fernglas konnte ich das aber nicht genau erkennen, so hell ist der Mond eben doch nicht.

Irgendwann ist es definitiv zu spät, um weiter zu machen. Wir alle müssen früh raus, um 7 Uhr (Fanna, Nico) oder ich um 9 Uhr. Es war ein schöner Abend, auch wenn wir keine Hyänen gesehen haben, was wohl eher ungewöhnlich war.

Ich war auch an Weihnachten und Silvester bei der Lodge. Jeweils ein besonderes Erlebnis, das so komplett anders als war, als das was ich aus Deutschland gewöhnt bin. Besonders in Erinnerung bleibt mir das hervorragende Essen. Die Hauptspeise an sich war schon immer extra lecker, aber der Nachtisch war einfach genial. Olebollen (hoffe das stimmt so halbwegs), ein frittierter Teig mit Rosinen, Äpfeln oder Ananas gefüllt. Man lernt so etwas echt zu schätzen, wenn es der erste richtige Nachtisch ist, den man seit vielen Wochen bekommt.

Zu den Säugetieren: ich sehe die ersten Paviane auf dieser Tour, Vervet Monkeys, Common Large-spotted Genet (eine Zibetkatze), 2-3 verschiedene Mangustenarten und eine Civet. Alles eindrückliche Erlebnisse.

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Diesen afrikanischen Schreiseeadler sehe ich von meinem Zeltplatz. Ich wollte natürlich näher hinlaufen was an dieser Stelle auch ganz gut geht. Ich sitze nach ein paar Minuten, nur ca. 12 Meter von diesem schönen Adler entfernt und warte. Er lässt sich nicht stören und ich weiß das er jeden Moment loslegen kann da er in diesem Baum sicher nicht über die Nacht bleibt. Ich habe meine Kamera richtig eingestellt und warte. Nach 15 Minuten fliegt er dann in Richtung nächsten Baum und ich schaffe es dieses Foto zu schießen. Darauf bin ich besonders stolz da ich die gleiche Situation ein paar Tage später noch mal hatte und da aber kein brauchbares Bild rausgekommen ist.

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Nach zwei Wochen wollte ich dann aber doch wieder los. Ich ließ mein Fahrrad diesmal bei der Lodge (da ich weiß das es dort sicher ist) und machte mich auf nach Gondar. Von drei Deutschen, die gerade durch Äthiopien reisen, werde ich mitgenommen. Von dort aus sollte es in die Simien-Berge gehen.

Das erzähle ich dann beim nächsten Mal.

Khartoum bis Gondar / Äthiopien

 

Der Wecker klingelt um 4 Uhr Morgens. Ich finde das zwar nicht so richtig lustig, aber ich will eben vor dem dichter werdenden Verkehr aus der Stadt sein. Zelt zusammenbauen, alles Packen und noch mal kontrollieren ob auch wirklich alles dabei ist. In der Dunkelheit ist schnell was übersehen. Um kurz nach 5 geht es los. Es ist merkwürdig im Dunkeln durch die Stadt zu fahren. Immer wieder schaut Sicherheitspersonal, Militär und Polizei misstrauisch hinter mir her. Ich nehme die Straße auf der Ostseite des blauen Nils, da ich mir da etwas weniger Verkehr erhoffe. Die ersten 30 Km geht das gründlich schief. Noch dazu ist die Straße schlecht und ich kann nur hoffen, dass ich nicht von einem zu nah überholenden Bus überfahren werde und das mein Fahrrad diese Straße aushält. Wir, das Fahrrad und ich, überleben dieses Stück Straße und bald wird es auch etwas besser, aber noch mal möchte ich da nicht mehr fahren.
Pünktlich zum Sonnenaufgang kaufe ich Brot. Mit dem Verkäufer ergibt sich ein Gespräch über rund 45 Minuten. Er ist gelernter Ingenieur, kann aber nirgends sonst Arbeiten. „Die Regierung macht es sehr schwer eine Arbeit zu finden“. Er will wissen wie er nach Deutschland oder England gehen und dort arbeiten kann. Ich will im nicht sagen, dass es gerade jetzt wohl eher unmöglich ist, mache aber klar das es sehr schwer ist die entsprechenden Papiere zu bekommen. Diese Gespräche muss ich immer wieder führen und sie lassen einen – ganz egal wie man zum Thema Einwanderung stehen mag – Deutschland aus einem völlig andern Blickwinkel betrachten. Am Ende wird es mir immer wieder bewusst, welches Privileg es ist, dass ich in Deutschland, in dieser Zeit geboren bin. Dieses Privileg, das mir Möglichkeiten eröffnet, die viele Menschen, die ich auf meiner Reise treffe, nicht haben und nie haben werden.
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Ich radle weiter, rechts und links wird es immer grüner. Felder und vereinzelt Bäume sind zu sehen. Wenn die Straße etwas weiter vom Nil wegführt wird es zwar wieder trocken und staubig, aber insgesamt verändert sich die Landschaft nun spürbar. Die ersten Tiere sind am Straßenrand zu sehen. Das führt allerdings dazu, dass ich immer öfters stoppe um Fotos zu machen. Wie ich das in anderen teilen Afrikas machen soll weiß ich nicht, so würde ich aber nur wenige Kilometer pro Tag fahren.
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Die Sonne nähert sich schon wieder dem Horizont und ich brauche einen Platz zum Übernachten. Ich sehe ein „Haus“ und ein Scheune vor ein paar Feldern. Nachdem ich mich umgeschaut habe, erscheint nach ein paar Minuten ein Mann. Ob ich hier neben dem Haus schlafen darf, frage ich auf Englisch. Mein Gegenüber versteht mich nicht. Nach ein-zwei Minuten, in denen ich mit Händen und Füßen klar mache, was ich will, wird mir bedeutet, dass ich im Haus schlafen soll. Na gut, dass ich mein Zelt aufstelle, wurde wahrscheinlich nicht erwartet. Das führt aber nur zu einem Schmunzeln und als ich signalisiere, dass es zum Schutz gegen die Moskitos ist, verstehet er es sogar. Mir wird Tee gebracht und auf der anderen Straßenseite sind noch mehr Bauern. Sie bauen Tomaten an. Wir haben einen schönen Abend am Feuer, mit Tee und netten „Gesprächen“. Dabei kann niemand außer mir Englisch sprechen – Deutsch sowieso nicht. Die Menschen sind einfach so freundlich, dass ich mich schon fast schlecht fühle, als ich einfach nur noch ins Bett will. Ist nämlich schon 9 Uhr, was mir deutlich macht, dass ich in einem anderen Rhythmus bin, als in Deutschland.
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Nachdem ich mich von allen verabschiedet habe fahre ich am nächsten Morgen weiter. Am Mittag bin ich eben dabei, einen Northern Carmine Bee-eater (Karmin-Bienenfresser) zu fotografieren. Ich werde dann gleich von Zwiebelbauern gerufen. Wir unterhalten uns etwas und dann muss ich noch von den hier arbeiteten Kinder ein Bild machen. Einfacher gesagt als getan. Ich habe nur mein Teleobjektiv auf der Kamera, heißt ich muss 10-15 Meter von den Kindern entfernt stehen um ein Gruppenbild zu machen. Am Anfang bleiben die Kinder noch mehr oder weniger brav stehen, aber dann fangen alle an, auf mich zu zulaufen und sich nach vorne zu drängeln, weil jeder auf dem Bild sein will. Irgend wie habe ich das von Deutschland andersrum in Erinnerung ;-). Alle haben noch ihre Messer dabei, was zu tollen Bildern führt.
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An diesem Abend will ich in Wad Madani in einem Hotel schlafen, um morgen Wifi zu haben (Geburtstag meines Vaters). Ich finde aber nur ein richtiges Hotel, das eigentlich über dem liegt was ich ausgeben will (25€) aber ich sehe im Eingang ein Reiserad mit Brooks-Sattel. Wem gehört dieses Fahrrad, ist meine erste frage. Jetzt ist aber auch klar, dass ich nicht wo anders schlafen kann und nach dem der andere Reiseradler grade nicht da ist, verhandle ich den Preis. Ich würde zwar lieber mein Zelt im Garten aufstellen aber dann wird mir ein Zimmer für die Hälfte angeboten. Na dann. Habe bis jetzt eh nicht mehr als 6€ pro Tag ausgeben und zu viel Sudanesische Pfund habe ich auch.
Das Fahrrad gehört einem 60-jährigen englischen Reiseradler. Später mehr dazu.
Am nächsten Tag will ich mit meinem Vater reden, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Das geht aber gründlich schief, da nirgends Wifi zu finden ist und im „Internetcafe“ dauert das Laden von „Facebook“ ungelogen über 10 Minuten.
Ich treffe einen Medizinstudenten im Hotel. Wir verabreden uns für den Abend, er will mir die Stadt, die Uni und das Krankenhaus zeigen. Nach dem ich eh von Mark (dem englischen Fahrradfahrer) zum Essen eingeladen bin, gehe ich mit dem Studenten in die Stadt. Die Uni ist zwar etwas runtergekommen, aber das Leben davor ist das Gleiche wie in Deutschland. Studenten/innen sitzen zusammen, reden oder lernen und trinken (aber natürlich keinen Alkohol). Ich finde das klasse: Gleichaltrige zum Reden, zum ersten mal auch Frauen. Wir reden über Gott und die Welt. Danach wird mir das Krankenhaus gezeigt. Ich muss immer wieder denken, hoffentlich schaffe ich es nach Südafrika, falls ich je ins Krankenhaus muss (am Besten natürlich garnicht). Die Zustände sind „garnicht schön“.
Die nächsten zweieinhalb Tage fahre ich zusammen mit Mark nach Gedaref. Aber erst, nachdem ich ihn fast ins Gefängnis gebracht habe. Denn als wir am Morgen losfahren und nach ein paar Minuten über den blauen Nil fahren, will ich ein paar Fotos von der Brücke machen, da das Licht klasse ist. Das Problem ist nur, dass es streng verboten ist, Fotos von Brücken zu machen. Am Anfang der Brücke steht auch ein Polizist aber ich denke mir, was solls, wird schon klappen. Ich mache kurz zwei Fotos und stecke die Kamera weg. Mark läuft auf die andere Seite um da, etwas auffälliger als ich, Fotos zu machen. Ich sehe den Polizisten zu uns laufen und rufe zu Mark, dass wir jetzt sofort weiter fahren müssen! Das tun wir auch, aber der Polizist hält ein dreirädriges Motorrad an und überholt so Mark und stoppt Ihn. Ich denke mir, dass ich jetzt auch nichts machen kann und fahre weiter. Nach 500 Meter stoppe ich und warte. Mann, ich bin aber auch blöd. Es ist halt der Reiz des Verbotenen und wenn eine Regel so blöd ist, breche ich sie gerne mal. Nun sitze ich aber da, trinke Tee und überlege was ich machen soll, falls Mark in den nächsten Stunden nicht auftauchen sollte. Ich habe zwei SD-Karten in meiner Kamera, eine nehmen ich heraus und schiebe sie in eine Socke und auf der Zweiten lösche ich alle kritischen Bilder,  falls ich auch noch kontrolliert werde. Gott sei dank kommt Mark nach 1 1/2 Stunden und wir fahren weiter. Er musste nichtmal eine Strafe zahlen.
Die Km laufen nicht wirklich einfach, da der Wind schlecht ist und am Mittag kommen wir zu einem Checkpoint. Der oberste Polizist kommt aus dem Schatten gelaufen, um uns persönlich zu kontrollieren. Das kann ich schon gar nicht leiden, wenn nur die weißen Radfahrer kontrolliert werden. Er will die Pässe sehen und Mark zeigt seinen auch gleich. Jetzt wird es schon wieder problematisch, denn im Sudan muss man sich (wie schon beschrieben) registrieren lassen. Ich habe diese Registrierung aber nie machen können. Der Polizist kontrolliert das aber. Es gibt wie immer nur eine Sache die jetzt funktioniert, Geduld. Ich trinke die erste Wasserflasche aus und sage, dass ich gleich nach dem Reisepass schaue. Dann fange ich an die zweite Flasche zu trinken. Der Polizist will jetzt aber wirklich den Reisepass sehen. Ich denke irgendwann, das hat jetzt noch nicht so richtig funktioniert. Ich öffne eine der Fronttaschen. Zum Glück weiß ich nicht in welcher Tasche der Reisepass ist und fange an zu suchen. Dann fragt der Polizist was für einer Arbeit ich in Deutschland nachgehe. Weil es einfach und unverdächtig ist, sage ich „Deutschlehrer“ (Ja, für jeden der mich kennt mag das etwas merkwürdig klingen, es funktioniert aber immer). Dann dürfen wir einfach weiter fahren. Puhh, das habe ich aber grade noch mal geschafft.
In den nächsten 2 Tagen passiert sonst nichts groß. Die Landschaft ändert sich und wird immer schöner. Wir fahren durch Gebiete die auch in Namibia sein könnten. Berge aus dem gleichen Granit aus dem auch die Spitzkoppe (Berg in Namibia) ist.
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Ich sehe immer wieder Greifvögel usw. wie zum Beispiel einen Kampfadler neben der Straße.
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Es ist sehr angenehm, mit jemandem zu fahren und immer mal wieder richtig reden zu können. Das Wasser ist auf diesem Abschnitt katastrophal, aber wir müssen es nicht trinken, denn wir können frisches Wasser kaufen.
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In Gedaref trennen sich dann unsere Wege. Mark macht zwei Nächte Pause und ich fahre gleich weiter. Die Menschen werden immer ärmer, bleiben aber trotzdem sehr freundlich.
Nach anstrengenden Tagen komme ich an die Grenze zu Äthiopien. Jetzt wird es wieder spannend. Darf ich ausreisen, ohne dass ich mich je registriert habe? Der Beamte schaut meinen Pass an und weißt mich genau darauf hin. Ich sage einfach, dass ich schon für eine dreitägige Registrierung in Dongola gezahlt habe. So richtig nimmt mir der Beamte das zwar nicht ab, aber nach ein paar Minuten diskutieren bekomme ich den Exit-Stempel. Was sicher geholfen hat war, dass es schon spät war und alle Feierabend machen wollten. Ich schlafe trotzdem noch eine Nacht im Sudan weil ich jetzt noch Geld wechseln muss (es braucht Zeit um einen guten Wechselkurs zu finden) und ich will auch noch etwas einkaufen. Im Nachhinein habe ich so auch noch eine ruhige Nacht.
Am nächsten Morgen fahre ich nach Äthiopien – meinem dritten Land auf dieser Reise. Ich werde zum Immigrationsoffice geleitet. Die erste Frage lautet, wo ich hin will? Eine lustige Frage, da es genau eine Richtung für mich aus dem Sudan kommend gibt und zwar nach Gondar/Äthiopien. Mir wird gesagt: „you can’t go there because there is fighting on the street!“ Ich stehe etwas entgeistert da. Ich kann jetzt nicht mehr vor – und zurück kann ich ohne Visum auch nicht. Das Visum bekommt man aber nur in Addis. Mir wird gesagt das ich noch 40 Km fahren kann und dann muss ich die Polizei oder das Militär fragen. Das ist zwar nicht weit, aber ich schleppe eine leichte Lebensmittelvergiftung mit mir rum und so brauche ich ewig für die kurze Strecke. Ich mache 3 Stunden Mittagsschlaf um komme erst am Nachmittag in Shehedi an. Auf der Polizeistation treffe ich dann auch gleich Trevor wieder. Er steckt hier schon den ganzen Tag fest. Wir versuchen Informationen zu bekommen. Das geht hier aber fast gar nicht. Im Grunde werden uns immer neue Information gegeben und eigentlich heißt es immer wieder nur, setzt euch, trinkt ein Café, morgen… „Morgen“ ist so ganz nebenbei das wichtigste Wort in Afrika. Nege heißt es in der hier verbreiteten Sprache Amharic. Damit müssen wir uns nun eben abfinden. Der nächste Tag verläuft gleich. Mal heißt es wir können in 30 Minuten gehen, dann wieder Nege. Wir finden das gar nicht lustig und rufen bei der britischen Botschaft an. Die können uns aber auch nicht weiter helfen. Ich kann fast nichts essen und trinken, ohne dass sich mein Magen umdreht und wir wissen nicht wie lange wir hier noch festsitzen, einen Tag, eine Woche, einen Monat? Die Polizei findet das durchaus lustig, die arbeiten aber eh nicht. Am nächsten Tag soll ein Militärkonvoi fahren und wir hoffen, dass das stimmt. Tatsächlich, ein Militärkonvoi geht, aber wir müssen den Bus nehmen. Die Polizei weiß genau, dass wir den Bus nehmen werden und so sollen wir 150 $ für 2 Personen zahlen. Der eigentliche Preis beträgt 3$ pro Person. Wir sind angefressen und drücken den Preis. Trevor schmeißt fast einen Stein durch die Scheibe des Busses und ich drücke den Preis noch mal auf 70$. Dann steigen wir wütend in den Bus ein. Vorne zwei Militärautos und hinten auch nochmal, so fahren wir über die einsame Straße.
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Nach fast 6 Stunden Fahrt, für 160 Km kommen wir 11 Km entfernt vom Gondar-Stadtzentrum an. Ich fahre die 11 Km mit dem Fahrrad und benötige dafür auch noch mal fast 2 Stunden weil ich wegen der Lebensmittelvergiftung so platt bin. Ok, das iPhone muss ich auch noch kurz in einem Hotel etwas laden, da ich es für die Navigation brauche.
Als ich beim Lshaped Hotel ankomme bin komplett fertig. Das Zimmer ist das beste das ich auf dieser Reise bis dato gehabt habe und die nächsten 4 Tage nutze ich, um im Bett zu liegen, das halbwegs ordentliche Wifi zu nutzen und einmal am Tag eine Kleinigkeit zu essen.
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Die letzten Tage im Sudan waren echt anstrengend und die erste Zeit in Äthiopien war richtiger Mist. Nach diesen 1 1/2 Wochen habe ich spürbar abgenommen und sehne mich nach einer richtigen, erholsamen Pause. Die kommt dann auf meiner nächsten Station, und was für Eine. Das gibt’s dann im nächsten Bericht.

Die Radreise beginnt

Wadi Halfa – Wüste (an der A1): 20 km

Wüste (an der A1) – Wüste (an der A1): 111 km

Wüste (an der A1) – Erau (an der A1): 86 km

Erau – Wüste (an der A1): 96 km

Wüste (an der A1) – Dongola: 105 km

Dongola 2 ganze Tage Pause

Dongola – Al Dabbah: 160 km

Al Dabbah – Cafeteria (Wüste):149 km

Cafeteria (Wüste) – Cafeteria (Wüste): 159 km

Cafeteria (Wüste) – Khartoum: 60 km

 

Ich war froh auf der Fähre zu sein. Es hat alles mit dem Visum geklappt und auf die Fähre zu kommen war erstaunlich gut machbar. Ich hatte einen zweiten Radfahrer in Assuan getroffen, ein Chinese, mit dem ich die ersten Tage zusammen fahren wollte. Wir hatten fast Vollmond als wir ablegten und so konnte man viel von der Umgebung erkennen. Die Landschaft glitt an uns vorbei und die Lichtglocke über Assuan verschwand im Nichts. Am Abend wurde ich von ein paar Sudanesen zum Full (Bohneneintopf mit Brot) eingeladen und einen Tee gab es auch dazu. Schlafen wollte ich auf Deck. Das tat ich auch, mehr oder weniger, denn es war ziemlich kalt und windig. Deswegen schaute ich mir schon ab 4 Uhr die Landschaft und dann denn Sonnenaufgang an. Es ist eine bizarre Gegend, eigentlich nur Wüste und mittendrin der größte künstliche See der Welt. Nachdem die Sonne schon ein paar Stunden wärmend auf mich strahlte, kam Abu Simbel in Sicht. Ein weitere Sehenswürdigkeit Ägyptens weswegen Menschen aus alles Welt hier her kommen. Ich hatte aber nur noch die beginnende Radreise im Kopf.

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Um 14:00 Uhr „legten“ wir dann an, wobei dieser Vorgang nicht mit dem Anlegen in Europa vergleichbar ist. Der Hafen ist irgend wie ein Steg der im Wasser versinkt, viele Menschen machen irgend was, nur nicht produktiv und man fragt sich ein bisschen wie es geschafft wird die Fähre fest zu machen.

Wir bekamen ein Reisepermit und nachdem unser Gepäck gecheckt wurde, durften wir um 3:00 Uhr endlich los. Noch kurz in Wadi Halfa eine Kleinigkeit zu Essen einkaufen und ab in Wüste. Den Polizei Checkpoint fahre ich noch an, auch wenn diese eher an unseren Fahrrädern und deren Technik interessiert sind, als an unseren Pässen. Dann aber ist es endlich soweit: die ersten Kilometer in der Wüste und das erste mal in der Sahara schlafen. Nach einer Portion Reis, die eher wegen des Hungers gegessen wurde, als wegen des Geschmacks schaute ich mir meinen ersten richtigen Sahara-Sonnenuntergang an. Es war klasse mitten in der Wüste zustehen und am Anfang dieser Reise zu sein.

Die Nacht war schon wieder nicht gut, einfach zu kalt ohne Zelt. Ich dachte das sich das zwar ändern würde, was es aber nicht tat.

Wir standen bereits um 6 Uhr auf, um die Morgenstunden zu nutzen . Bis hierhin war eigentlich alles einfach und plötzlich war es soweit: ich saß auf dem Fahrrad und fuhr durch die menschenleere Sahara. Startschuss – jetzt so richtig.

Das Fahrrad lief, die Straße war gut, der Wind kam von hinten, so machte das richtig Spaß.

Irgendwann kam dann der Hunger – doch wir hatten nur Nudeln und Reis, aber nichts dazu. Wie bereits beschrieben ist nicht viel los in der Sahara. Irgend wann tauchte aber ein Polizeicheckpoint, auf, bzw. das was mal einer werden soll. Er befindet sich nämlich grade im Bau. Frechheit siegt bekanntlich, also fragte ich einfach, ob sie etwas zu essen hätten. Zwar eher, ob ich etwas kaufen könne, aber ich wusste natürlich, dass sie keinen Laden hatten. Nach ein paar Minuten Verwirrung, – es fragen wohl nur selten Fahrradfahrer nach Essen bei der Polizei, hieß uns der Kommandant des Checkpoints willkommen. Es wurden uns Stühle und kühles Wasser gebracht und nach ein paar Minuten auch etwas zu Essen. Eine Kartoffel-„Soße“ mit Brot, sehr lecker. Dann mussten wir aber weiter. Es wurde heißer und heißer. Gegen 34 Grad am Mittag, nur kein Schatten auf der Straße. Die Sonne strahlt stärker als bei uns in Deutschland im Sommer. Dabei ist es hier auch Herbst.

Deswegen muss man Wasser trinken, viel Wasser und noch mehr Wasser. In der Wüste ist das nicht immer ganz einfach, klappt im Sudan (entlang der Straße) aber erstaunlich gut. Es gibt immer wieder Wassertankstellen an den man, mitten im Nichts, frisches und gutes Wasser umsonst bekommt. Das ist wirklich toll und führte dazu, dass ich im ganzen Sudan nie mehr als 2 Liter Wasser bei mir hatte.

Nach einer weiter Mittagspause fuhren wir noch mal weiter durch eine wunderschöne Landschaft. Rechts und links standen ein- bis zweihundert Meter hohe Berge und die tief stehende Sonne beleuchtete alles mit einem warmen Licht.

Das Zelt stellten wir ein paar hundert Meter neben der Straße auf und genossen den Sonnenuntergang.

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Die nächsten Tage liefen ähnlich. Immer wieder schöne Landschaften und klasse Begegnungen mit Sudanesen.  Nach 3 Tagen trenne ich mich aber von meinem chinesischen Mitradler, da ich deutlich schneller bin (er ist seit China unterwegs) und er fast kein Englisch spricht. Eine Unterhaltung kommt also nicht in Gang und das macht es doch anstrengend.

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Am Tag darauf sehe ich meine ersten Wölfe. Afrikanische Goldwölfe (Canis anthus). Erst laufen sie 150 Meter vor mir über die Straße und dann sehe ich sie noch mal als sie über eine Anhöhe laufen.

Bald darauf erreiche ich  Dongola, eine Stadt aus eher niedrigen Häusern. Der Sudan ist eben doch ein Dritte-Welt-Land und die Städte zeigen das deutlich. Viel ist aus Lehm gebaut und nur wenige Meter hoch. Ich bin nach 105 Km in heißem Wetter und bei mittelmäßigem Wind so platt das ich das erstbeste Hotel nehme. 7€ ist zwar eher viel für eine Übernachtung für mein Budget, aber was soll’s. Ich schlafe in einem Wellblechhotel. Das Dach und zwei Seitenwände sind wirklich aus Wellblech und das „Bad“ ist gar nicht schön. Am Tag darauf gehe ich auch in ein anderes Hotel, dass besser ist und nur ca. 4€ pro Nacht kostet. Es hat sogar, was wirklich hervorzuheben ist, Wifi!

Eine sudanesische Eigenart ist, dass man sich innerhalb von 3 Tagen registrieren muss, was immerhin 50€ kostest und gar nicht so einfach ist. Ich brauche viele Stunden um die Polizeistation ausfindig zu machen. Nur ist es nicht die Polizeistation sonder die „Sekuritie“-station. Mir wird erklärt, was ich brauche: „ein Zettel geben das welcher beweisen soll das ich registriert bin“. Der gilt aber leider nur für Dongola, ist aber kostenfrei. Ich versuche lang zu erklären das ich noch was anderes brauche, gebe dann aber irgend wann auf, weil niemand auch nur halbwegs Englisch spricht.

Im Hotel wird mir gesagt, dass ich keine Registrierung mehr brauche und so denke ich mir halt, dass ich nicht mehr machen kann. Fast keiner spricht Englisch und niemand weiß etwas über die Registrierung.

Um die nächsten Tage kurz zu halten: ich radel zwischen 5 und 6 Uhr morgens los. Jeden Tag fahre ich zwischen 149 und 160 km und das bis auf den ersten Tag durch einen leichten Sandsturm. Fast immer macht das richtig Spaß, weil ich teils über 30 Km pro Stunde hinter mir ließ. Wenn aber der Wind von der Seite kam und dann Lastwagen oder Busse mich überholten, wurde mir ordentlich Sand ins Gesicht gewirbelt. Davon abgesehen, sind diese Tage aber eine tolle Erfahrung.

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100 Km vor Khartoum änderte sich die Vegetation zum erstmal. Von gar keiner zu immer wieder einigen Dornbüschen. Ich fahre am Donnerstagmittag in Khartoum ein. Ich will zum Youth-Hostel, um mich dort mit Travor (einem englischen Backpacker) zu treffen. Der Verkehr machte mir diese 20 Km allerdings nicht einfach. Das Youth-Hostel war es aber wert: grüner Rasen, Bäume, sogar ein paar Blumen gibt es. Wenn man viele Tage durch die karge Wüste gefahren ist, lernt man das zu schätzen.

In Khartoum gibt es ein paar Dinge die ich machen will. Visum für Äthiopien holen, Fahrrad putzen, ein bisschen entspannen, der Zusammenfluss von Weißem und Blauem Nil und eine Sufi-Feier anschauen.

Die ersten beiden Dinge klappen wunderbar, entspannen irgendwie auch, aber etwas mehr Zeit hätte hier nicht geschadet. Die Vereinigung von den beiden Nilströmen haben wir uns am letzten Abend angeschaut, am wirklich letzten festen Punkt da zwischen. Die Sufi-Feier war auch ein Erlebnis für sich: viele Trommeln und Tänzer und Zuschauer, die in Ekstase fallen.

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Khartoum ist eine Stadt der zwei Welten: auf der einen die Glanzvolle, die etwas an Dubai erinnert und auf der anderen die Stadt aus niedrigen Lehmhäusern und voller offensichtlicher Armut. Es ist aber klasse, dass man hier als weißer Tourist auf die Straße gehen kann und sich nicht beobachtet oder gar unerwünscht vorkommt. Man bekommt, wie im ganzen Sudan, fast immer den richtigen Preis, und man fühlt sich sicher. Die Teile des Sudan die ich bereist habe, dürften so sicher sein wie Deutschland. Kriminalität ist fast nicht vorhanden und die Menschen sind super freundlich.

Luxor – Assuan: Es geht immer weiter südlich

Das „Bob Marley Peace Hotel“ wurde mir von einem anderen Reisenden empfohlen, völlig zurecht! Grandios ist sicherlich die Dachterrasse. Aber ich war ja nicht zum Spaß in Luxor! Wenn man schon mal da ist, muss man sich die vielen Sehenswürdigkeiten schon anschauen, oder besser gesagt ein paar davon. Es sind einfach zu viele um sie alle in ein paar Tagen zu erkunden.
Gleich am ersten Morgen stand ich um 4 Uhr auf um mich von einem Mini-Bus abholen zulassen. Eine Ballonfahrt für 30€, dass kann ich mir nicht entgehen lassen. Zumal ich die Preise für eine Ballonfahrt in Namibia kenne. Nach einem Tee und der Überfahrt auf die Westseite des Nils (Westbank) kamen wir zu dem Platz wo unser Ballon fertig gemacht wurde. Es war noch komplette Nacht, hatte aber trotzdem schon um die 15 Grad. Dann ging es los, über die Tempel und Monumente die Luxor so berühmt machen. Es war ein tolles Erlebnis und so den Sonnenaufgang zu erleben hatte auch seinen ganz besonderen Reiz.
In den nächsten Tagen besuchte ich den Luxor Tempel, Karnak, Tal der Könige und weitere Tempel. Die eigentlich eingeplanten zwei ganzen Tage reichten aber nicht und da ich es mir zeitlich leisten konnte, blieb ich einfach noch einen weiteren Tag. Ich genoß es,  länger als die anderen Touristen diese beeindruckenden Anlagen auf mich wirken zu lassen. Ich wurde auch etwas entspannter, da ich mich immer besser in Ägypten zurecht fand – selbst mit Menschen die nur Geld mit mir verdienen und mir irgend etwas aufdrängen wollten (auch wenn ich das nicht wollte). Da ich Zeit hatte und offen war für Begegnungen mit den Ägyptern wurde ich immer wieder auf einen Tee eingeladen oder einfach nur auf ein Gespräch. Das Fahrrad bestätigte sich mal wieder als optimales Reiseverkehrsmittel, da ich überall hin kam, ohne um dem Preis für eine Pferdekutsche oder ein Taxi feilschen zu müssen und trotzdem nicht von deren Fahren angebettelt wurde. Durch die wenigen Touristen sind nämlich die Preise gefallen und auch um nur ein paar Cent zu verdienen, wird man dauernd (ohne Fahrrad) angesprochen.
Luxor ist klasse, wenn man von den doch sehr aufdringlichen Verkäufern absieht. Es ist aber eine Touristenstadt und für solche Städte mache ich diese Reise nicht. Ich will weiter, in den Sudan. Davor muss ich aber noch nach Assuan, Visa und Fährticket kaufen und mich mal richtig sortieren. Mit dem Zug bin ich für 36LE (ca. 4.5€), 3h Wartezeit und 3,5h Fahrzeit in Assuan. Ein halbwegs billiges Hotel habe ich mir schon rausgesucht. Die Tage nutze ich, um mir Assuan anzuschauen, das Visum für den Sudan zu holen und die genauen Daten für die Fähre zu bekommen.
Hier gibt es einen großen Markt, der mehr oder weniger in einer langen Gasse verläuft. Leckeres Essen, Kleider, Gewürze und alles was man zum Leben braucht kann hier eingekauft werden. Ich laufe jeden Tag mehrmals diese Gasse entlang um mir Essen zu besorgen und mich einfach treiben zu lassen. Noch mehr als in Luxor hatte ich hier Zeit. Das führte zu vielen Gesprächen mit den Händlern und als ich klar machte das ich nichts kaufen wollte, konnte man mit ihnen nette Gespräche führen. Nach ein, zwei Tagen hatte ich dann schon mehrere Händler die mich mit Namen ansprachen, wenn ich mal wieder an den Ständen vorbei ging. So hatte ich also meine Kontakte und wusste am 3. und 4. Tag wo ich Geld auf dem Schwarzmarkt (und zu welchen Preisen) wechseln konnte, wo ich ein paar Informationen über Ägypten und Assuan bekomme, wo die Sudanesischen Händler sind, um mit denen über den Sudan zu reden. Wo ich gut essen kann und bei wem ich immer einen Tee angeboten bekomme. Das bedeutet das ich für den ca. 1Km langen Markt schnell 2h brauchte um durchzulaufen, deswegen hatte ich auch meine Schleichwege und Gassen wo ich den freundlichen Händlern auch mal ausweichen konnte, wenn ich nicht so viel Zeit hatte. In diesen Tagen kam ich an gute Informationen, Sudanische Pfund und Tipps, an die ich sonst nicht so einfach gekommen wäre. Über diese Kontakte fand ich auch nach stundenlanger Suche Spiritus, den ich für meine Kochen brauche. Gut, ich bin fast gestorben bis ich den hatte, aber das kann halt passieren.
Ich Lief über den Basar und fragte die Leute, die ich schon kannte. Ein Mann lief 30 Minuten mit mir durch Assuan und fragte in Läden nach. Schließlich fuhren wir zu dritt auf einem kleinen Motorrad durch Assuan. Es kam wie es kommen musste, wenn der Fahrer sich die ganze Zeit unterhält und dabei immer wieder für mehrere Sekunden nach hinten schaut. Zum Glück fuhren wir grade relativ langsam, nur 15 – 20 Km/h, als der Fahrer mal wider nach hinten redete und schaute und dabei immer weiter nach rechts fuhr. Ich dachte, dass auf der vor uns liegenden Strecke noch genug Zeit wäre um gegenzulenken. Aber wenn man immer schön nach hinten schaut, dann eben nicht! Ca. 7 Meter vor einem geparktem Auto machte ich den Fahrer auf das kommende Hindernis aufmerksam, besser gesagt versuchte ich es. 3 Meter vor dem Aufprall, so viel war jetzt schon klar, wurde ich ein klein wenig hektischer und griff an den Lenker. Ich lenkte wenigstens etwas nach links und der Fahrer bremste noch ein bisschen, deswegen stießen wir nur mit ca. 10 Km/h, etwas seitlich aufs Auto auf. „Oh mein Gott, wenn man fährt und noch zwei weitere Personen auf dem Motorrad sind, dann schau ich halt auf die Straße, in Ägypten schon zwei mal!“ Dachte ich mir und prüfte kurz ob ich irgend wo verletzt war. Nö, mir ging es gut, aber der Fahrer hatte eine Prellung am rechten Knie und ein par Schnittwunden. Der Besitzer des Autos war auch gleich da und frage nach was das eigentlich soll (vermutete zumindest, ich spreche nun mal kein Arabisch). Was soll’s, nach ein paar Minuten Diskussion und dem wieder zurecht Biegen der leicht kaputten Autoteile, ging es weiter. Das wird hier halt anders geregelt, solange das Auto fährt ist alles gut. Licht, Kratzer und sowas können da sein, müssen aber eben auch nicht. Spiritus fanden wir in den nächsten 45 Minuten aber trotzdem nicht und ich war heil froh als ich wieder zu Fuß gehen konnte. Sicher war ich mir nämlich nicht ob es beim nächsten (sicherlich irgend wann kommenden) Unfall wieder so glimpflich ausging.
Am Abend habe ich dann noch mal jemand anderes gefragt und ich hatte nach kurzen 30 min Spiritus.
Assuan hatte ich also überlebt, nun musste ich es nur noch auf die Fähre nach Wadi Halfa schaffen. Am Sonntag stand ich früh auf, um pünktlich um 8:30 Uhr am Sudanesischen Konsulat zu sein. Fingerabdrücke (von allen 10 Fingern!) abgeben um dann gesagt zu bekommen das die Pässe erst ab 11 Uhr abholbereit seien. Klasse, nach zwei Tagen + Wochenende (Freitag, Samstag) brauchen die hier immer noch Zeit. So ganz nebenbei, an alle, die wie ich in den Ländern des Schengen-Abkommens groß geworden sind: das ist eine ziemlich geile Sache!
Immerhin kam der Chinese mit dem ich die ersten Tage fahren wollte und den ich ein paar Tage vorher getroffen hatte auch noch an. Ein Engländer, der als Backpacker nach Kapstadt will, kam auch noch ins Konsulat. Mit Ihm konnte ich die nächsten Stunden endlich einmal ordentlich reden. Gutes Englisch und sehr gute Informationen.
Um kurz nach 10 Uhr waren dann die Pässe da, das ist Afrika! Die Pässe sind halt da wenn sie da sind, und fertig.
Die 16 Km zum Hafen waren in einer guten Stunde erledigt, tüchtig Gegenwind, ordentlich Höhenmeter und schön viel Gepäck.
Auf die Fähre haben wir es erstaunlich gut geschafft und nach 6h Wartezeit bis zur Abfahrt  ging es dann endlich Richtung Sudan. Die 6h kamen mir eh nicht so lange vor. In Afrika lernt man Geduld zu haben und mit Zeit sehr entspannt umzugehen.

PS: Wo ich gerade bin kann man nachschauen, wenn man oben links auf der Webseite die drei Menüpunkte durchgeht. Im rechten Menüpunkt erscheint eine Karte mit meinem halbwegs aktuellen Standtort. Darunter könnt Ihr Euch auch für den Newsletter eintragen.

Für Bilder reicht leider die Geschwindigkeit des Wlans hier nicht.

Fahrradfahren – in dem Verkehr?!

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Ich stand am Morgen (10.11.) auf meinem Balkon und schaute auf die Straße runter. Der Verkehr wurde immer dichter und ich war am überlegen ob ich wirklich hier Fahrrad fahren wollte. Hmmm,  irgendwann musste ich halt mal damit anfangen, es sollen ja noch ein paar Kilometer folgen. Also was soll’s, Fahrrad aus dem 5. Stock runter getragen und den Verkehr noch mal ein, zwei Minuten beobachtet. Jetzt gab es kein zurück mehr! Einfach in die Pedale treten und plötzlich war ich mitten drin im Gewusel. Gut, drei- vier-hundert Meter habe ich schon gebraucht, aber dann war ich in meinem Element. Es macht so viel Spaß in diesem Verkehr mit dem Fahrrad zu fahren! Man kann jede Lücke nutzen die einem die Autofahrer lassen und ist damit sicher doppelt so schnell. Sicherheitsabstand ist nicht vorhanden, aber das passt schon, es gibt es halt mal keine Sicherheit. In Deutschland Fahrrad zu fahren erscheint mir als langweilig, weil alles geregelt ist und Sicherheit immer an erster Stelle liegen soll. Hier passt man halt auf und gut ist.

Ich mache mich als erstes auf den Weg zum Hauptbahnhof, um mir ein Zugticket nach Luxor zu kaufen. Nach ca. 1 Stunde Anstehen wurde mir gesagt, dass Touristen kein „normales“ Zugticket bekommen, nur für den Schlafwagenzug (6-7x so teuer). Nach ein paar Minuten Diskussion dann die Info, dass man das Ticket doch auch an einem Automaten kaufen könne. Nach 4 mal Ausprobieren gab ich gefrustet auf. Dann mach ich das halt Morgen – dachte ich mir.

Als nächstes hatte ich mir vorgenommen das islamische und koptische Viertel anzuschauen. Bis zu 1400 Jahren alt ist das islamische Viertel und heute zum Teil ein Markt.  Mir wird wieder überall versucht etwas zu verkaufen, aber ich treffe auch viele nette Leute. Meine Kamera erregt manchmal mehr Aufmerksamkeit als mir lieb ist, aber ich bekomme so auch ein paar nette Bilder von Menschen (eigentlich nicht so meine Sache). Als ich zurück zum Fahrrad komme sehe ich das jemand versucht hat, die Zahlenkombination zu knacken. Naja, das Fahrrad ist ja noch da.

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Aber jetzt, ich kaufe mir doch mal was zutrinken. Ein Liter Cola für ca. 0,75€, dass ist schon in Ordnung.

Am Abend gehe ich wieder raus, ich liebe diese Nachtleben hier. Es ist immer was los und man kann an so vielen kleine Straßenständen Essen kaufen.

Da der Verkehr kein Problem mehr darstellt, fahre ich am nächsten Tag zu den Pyramiden. 16 Km die mir wieder richtig viel Spaß machen. Was genau so Klasse ist? Dass ich Ecken zu sehen bekomme, die man sonst eben nicht sieht. Kleine Märkte, Gassen und Straßen in denen das Leben pulsiert.

Bei allem Spaß hier zu fahren, man muss sich aber schon auf den Verkehr konzentrieren. Irgend wann schau ich wieder mal hoch und sehe plötzlich die erste der großen Pyramiden. Wahninn, einfach nur gigantisch. Das haut einen echt um. Ich fahre bis zum Eingang der Pyramiden. Dem Angebot, mir in einer Kutsche das Gelände anzuschauen und einen Führer zu haben, entkomme ich nicht. Das führt aber zu ein paar netten Bildern von mir und ich habe die Gewissheit, dass mein Fahrrad halbwegs sicher ist. Nur genießen kann ich es trotzdem nicht, da es einfach zu viele Leute gibt, dir mir irgend etwas verkaufen wollen und so ganz sicher bin ich mir mit dem Fahrrad dann auch wieder nicht. Es ist aber natürlich trotzdem ein besonders Erlebnis und beeindruckend sowieso.

Der Abend verläuft wie immer, ich gehe raus, erkunde ein bisschen die Gegend und esse etwas. Lasse das leben hier auf mich wirken und beobachte die Menschen.

Am nächsten Tag: Es gibt zwei Sachen die man in Kairo gehen haben muss! Die Pyramiden, klar und das Ägyptische Nationalmuseum welches heute auf meinem Plan steht. Einen Weg wie ich nach Luxor komme brauche ich aber auch noch, da ich definitiv kein Zugticket für den normalen Zug bekomme.

Das Ägyptische Museum ist beeindruckend, da es voll von Statuen, Mumien, Särgen, Schriftrollen und Dingen aus der Zeit der Pharaonen ist. Leider wird Vieles aber angefasst und das Museum auch nicht richtig sauber gehalten, Afrika halt.

Das Problem mit dem Transportmittel nach Luxor muss ich nun noch klären. Ich denke mir, dass ich mal in meinem Hostel nachfrage. Auf dem Weg zurück zum Hostel werde ich mal wieder angesprochen, von zwei Jungs. Wir reden ein bisschen und ich erkläre Ihnen mein Problem. Sie fragen mich daraufhin, warum ich nicht den Bus nehme. Ich denke mir, warum eigentlich nicht? Sie zeigen mir wo das Busunternehmen seine Tickets verkauft und kurze Zeit später habe ich dann tatsächlich mein Ticket. Ich soll zwar noch 100 LE zusätzlich für mein Fahrrad zahlen aber gut, kann man halt nichts machen.

Abends packe ich mein Gepäck, um am nächsten Morgen zum Bus zu fahren. Ich frage mich durch, welcher Bus der nach Luxor ist und dann habe ich auch bald mein Fahrrad und Gepäck verpackt. Wegen den Extrakosten für mein Fahrrad sage ich erstmal nichts und mir wird gesagt, dass das Fahrrad 50 LE extra kostet und ich denke mir: alles richtig gemacht. Fernbus fahren in Ägypten ist wirklich klasse. Die Busse entsprechen dem deutschen Standard und es gibt sogar Essen und Trinken, das von einem dritten Mitarbeiter (neben zwei Fahrern) gebracht wird.

Die Fahrt durch die Wüste ist klasse und ich genieße es wieder blauen Himmel zusehen. Am Abend kommen wir dann in Luxor an, davon berichte ich dann aber morgen…

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Kairo – der erste ganze Tag

Es geht mir erstmal nicht anders als den meistens Touristen, denn die Zeit vergeht im Flug. Fünf Tage in Kairo und 4 in Luxor sind schon wieder vorbei. Jetzt bin ich am nördlichen Zipfel des Nasser Stausees in Assuan und um viele Erfahrungen reicher. In den kommenden Tagen werde ich weitere Berichte zu den letzten Tagen nachtragen.

Aber alles der Reihenfolge nach. Nachdem ich erst um 3 Uhr am Montagmorgen ins Bett kam, habe ich erst einmal schön ausgeschlafen. Nach einem mittelmäßigen Frühstück im Hostel, beschloss ich den ersten ganzen Tag für einen Spaziergang durch Kairo zu nutzen. Ich machte mich mit meiner Kamera auf und nahm Kurs auf den Tahrir-Platz. Das Symbol des Kampfes für die Demokratie ist zum größten Teil ein großer Kreisel, nichts besonderes also. Ich knipste ein paar Fotos und lief weiter in Richtung Nil.

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Kurz bevor ich über die Brücke laufen wollte, kam mir ein Mann entgegen und sprach mich, als er schon fast an mir vorbei war, an und sagte, dass ich besser nicht hier über die Brücke gehen solle. Es gäbe weiter vorne eine Ansammlung von Menschen und die Polizei sei auch schon da. Ich antwortete, dass ich sowieso erst am Nil entlanglaufen möchte und fragte, wo man besser laufen könne, Richtung Süden oder Norden. Der Mann erklärte mir den Weg und wie das eben in einer so großen und komplett fremden Stadt ist, war ich mir nicht ganz sicher gewesen, wohin ich jetzt genau gehen sollte. Kein Problem. Der Mann führte mich ein paar Meter, dass lag ohnehin auf seinem Heimweg. Nach 200 Metern blieben wir vor einem Souvenirladen stehen und er lud mich dorthin ein. Er ist nicht nur Künstler, sondern auch Ladenbesitzer. Mir wurde ein Tee gebracht und ein Bild auf Papyrus geschenkt. Er musste weiter zu seinem nächsten Lande, aber sein Bruder wollte, dass ich seine Arbeit bewertete. Er zeigte mir weitere handgemalte Bilder auf echtem Papyrus. Er fragte nach denen, die mir gefielen. Da ich nicht unhöflich sein wollte, tat ich ihm diesen Gefallen, auch wenn ich immer misstrauischer wurde. Wir redeten weiter und nachdem er zwei Bilder mit den Namen meiner Eltern auf Arabisch beschriftet hatte, wurde es erst richtig interessant. Das sollte ein Mitbringsel für meine Eltern werden, das ich aber erst einmal bezahlen sollte. Gott sei Dank, hatte ich das meiste Geld in meinem Geldgürtel versteckt und deswegen nur 18 LE (gut 2€) plus 10$ im Geldbeutel. Wir verhandelten (auch wenn ich im Nachhinein gar nicht weiß warum, weil ich sowieso nichts aufs Fahrrad mitnehmen werde) und letztendlich kam ich dann mit dem einem (eigentlich geschenkten Bild) für 18 LE davon. Gut, einen Tee und eine Lehrstunde bekam ich auch noch dafür, also war der Deal gar nicht so schlecht. Es ist trotzdem immer wieder beeindruckend, wie raffiniert diese so genannten Schlepper vorgehen. Ich bin nicht dumm und habe auch schon von dieser Vorgehensweise gehört. Das war aber so raffiniert gemacht, dass ich an meinem ersten Tag in Ägypten dieser nicht entkommen konnte. Das es sich nicht um echte Handarbeit oder echtes Papyrus handelte wurde mir in den nächsten Tagen klar, da mir immer wieder die gleichen Bilder angeboten wurden und mir mehrmals von unabhängiger Seite gesagt wurde das es sich um Bananenpapier handelt.

Etwas genervt lief ich an den Nil und plötzlich sah ich einen Vogel vor mir fliegen. Hä? Was? Mit Wildlife habe ich hier nicht gerechnet, aber es war tatsächlich ein Eisvogel, der hier sein Jagdrevier hat. Ich schaute ihm ein paar Minuten beim Jagen zu. Da ich dann aber endlich über den Nil wollte, lief ich über die Brücke, vor der mich der Mann gewarnt hatte. Doch an der Brücke war natürlich gar nichts. Ich ließ die Stadt auf mich wirken und hatte genug Zeit, auch mal in die kleinen Gassen zu gehen. Es ist eine riesige Stadt, die meiner Meinung nach aber nicht wirklich schön ist. Nach einem 6 stündigen Ausflug war ich platt und machte eine kleine Pause im Hostel.

Mir fiel plötzlich auf, dass ich das letzte Mal richtig am Münchner Flughafen etwas getrunken und gegessen habe. Also ging ich in der Nacht wieder raus und aß lecker an einem der unzähligen Straßenläden. Es war eine Art Hotdog, bloß mit einem richtigen (kleinem) Stück Fleisch. Zwei davon für nur 2,5 LE, dass war billig und ich musste nicht mal um den preis feilschen, was mir sehr gefiel. Vier bis sechs machen sogar satt, d.h. Abendessen für knapp 1€. Ich hatte trotzdem keine Lust mehr um Trinken zu fragen und eventuell zu feilschen und ließ es dann einfach bleiben.

Am ersten richtigen Tag in Kairo hatte ich schon viel erlebt. Ich wurde fast über den Tisch gehauen, hatte schöne kleine Märkte gesehen und lecker gegessen. Viele nette Menschen getroffen aber auch solche die nur an mein Geld wollten. Alles in allem aber trotzdem ein guter Start in Ägypten.

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